Corona-Tagebuch, Teil 2

Rasenlabyrinth „Das Rad“ im Eilenrieder Forst, Hannover

Mein persönliches Statement zu den jetzt praktizierten Lockerungen und insbesondere zu den Demonstrationen, denen dies noch nicht schnell genug geht und die sich im Rundumschlag für Corona-Lockerungen, gegen Zwangsimpfungen, gegen die Überwachungs-App, … usw. aussprechen:


Ich halte die momentan praktizierten Lockerungen des sozialen Lebens, insbesondere die Schulöffnungen, für vollkommen verfrüht. Auch die Forderungen nach weiteren schnellen Öffnungen, beispielsweise die von Gaststätten und Restaurants, unterstütze ich nicht.


Die Politik auf Bundes – und Landesebene scheint sich mehrheitlich den Druck von wirtschaftlichen Interessen zu beugen. Der Schutz von Menschenleben erscheint zweitrangig, sollte aber, so meine Überzeugung, als vorrangig vor wirtschaftlichen Interessen angesehen werden. Eine verfrühe Lockerung, wie sie jetzt praktiziert wird, riskiert, die Erfolge, die durch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens erzielt worden sind, zunichte zu machen. Darüber hinaus halte ich es für eine Illusion, dass es nun eine Rückkehr zu einer Normalität „vor Corona“ geben wird, schließlich müssen strenge Auflagen eingehalten werden, nur um die Redundanzzahl des Virus auf einen immer noch „gefährlichen“ Wert von 1.0 zu belassen. Bei einer Steigung dieses Wertes riskieren wir, dass unser medizinisches System kollabiert.


Anscheinend wird dies jedoch in Kauf genommen, gerne mit dem Hinweis, dass es hauptsächlich Menschen über 80 Jahren und/oder mit Vorerkrankungen treffen könnte. Diese sozialdarwinistische Relativierung, gepaart mit Altersdiskriminierungen, entspricht keinesfalls meinen Wertekanon. Im Übrigen wird sich der finanziellen Nutzen, der sich durch die – meiner Meinung nach -„fahrlässigen“ Lockerungen ergib, minimal sein. Der Spaß beim Einkaufen mit Mundschutz hält sich doch in Grenzen.
Eine zunehmende Anzahl von Menschen sieht in den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus eine Gefahr für unsere freiheitlich-demokratischen Grundwerte und hätte sich gewünscht, wenn der Staat vorrangig auf die Eigenverantwortlichkeit der Bürger, nicht aber auf paternalistische Weisungen gesetzt hätte.


Einige dieser Bürger treibt es nun zu entsprechenden Demonstrationen auf die Straße. Sie treten, gemeinsam mit Impfgegner, für eine scheinbare Rückkehr zu einem Zustand „vor Corona“ ein.


Ich verstehe deren Bedenken, bin aber der Überzeugung, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nötig sind, betone hierbei aber auch, dass die Bundesregierung zu spät auf die Gefahr reagiert und zu lange die Krankheit kleingeredet hat. Schon im Januar bzw. spätestens im Februar hätte man Großveranstaltungen verbieten und den Reiseverkehr eindämmen können. Vielleicht hätte es dann gar nicht zu den Einschränkungen kommen müssen, die wir jetzt alle erdulden mussten und die unserem Wirtschaftssystem einen solch großen Schaden zufügen.


Jetzt aber aufzugeben, indem zu frühe und zu schnelle Lockerungen durchgeführt werden, setzt das, was wir an Vorsprung gegenüber dem Virus gewonnen haben, fahrlässig auf’s Spiel!


Ich hätte es deshalb für angeraten erachtet, wenn die momentanen Maßnahmen noch bis zum Sommer aufrecht erhalten geblieben und es danach zu behutsamen Lockerungen gekommen wäre. Vielleicht hätten wir so die Redundanzzahl auf einem Wert von unter 0,5 stabilisieren können, was wiederum Voraussetzung für ein verlässliches Hochfahren des öffentlichen Lebens gewesen wären, jetzt aber riskieren wir, dass es zu einem erneuten Anstieg der mit Covid 19- Infizierten, spätestens zum Herbst, kommen könnte.


So bleibt uns dann nur die Hoffnung darauf, dass wir und unsere Familien Glück haben werden. Für die Politik ist Glücksspiel aber keine seriöse Strategie!

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