Daemonic Transmission

(30.12) Über Nacht haben wir in Assuan angelegt und vom Schiff aus blicken wir direkt auf das legendäre Old Cataract Hotel, in dem einst Agathe Christi „Tod auf dem Nil“ geschrieben haben soll.

Der Philae-Tempel

Unter der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus entstand der ganz aus Sandstein erbaute Haupttempel, der dem nubischen Gott Mandulis (der sich in seiner Falkengestalt mit Horus vergleichen lässt) und der Göttin Isis von Philae gewidmet ist. Isis soll hier das Herz vom zerstückelten Osiris gefunden haben. Allerdings, dies muss man wissen, ist der jetzige Standort des Tempels nicht identisch mit dem einstigen. Der Philae-Tempel wurde nämlich von seinem einstigen Standort auf der Insel Philae, die im Zuge des Baues des Assuan Staudammes überschwemmt wurde, in den Jahren von 1977 bis 1980 auf das höhere Gelände der 600 Meter entfernten Insel Agilkia versetzt.

Die Ägypter hatten keine Schwierigkeit damit, fremde Götter in ihr Pantheon aufzunehmen. Sie gingen davon aus, dass Götter auch immer mit dem Land ihrer kultischen Verehrung verbunden sind und dass es daher ratsam ist, beispielsweise bei kriegerischen Expansionen, auch den fremden Göttern zu opfern.

Der Kalabscha-Tempel

Auch dieser ist dem Gott Mandulis geweiht. Er begrüßt uns mit zwei mächtigen Tortürmen, die einen Durchgang begrenzen.

Genauso wie der Tempel von Philae wurde auch diese Anlage, wegen des Baues des Assuan-Staudammes, versetzt und liegt jetzt oberhalb des Hochdamms von Assuan.

Der fakultative Ausflug zum Nubischen Dorf

Ich hatte schon fast erwartet, dass sich beim Nubischen Dorf um so eine Art Touristen-Reanctment-Veranstaltung handeln würde, wo den Besuchern ein historisches Leben vorgespielt wird, was nicht mehr existent ist, ähnlich wie man es auch bei diversen Germanen-Veranstaltungen (z.B. hier) erleben kann. Es kam aber schlimmer.

Vorab sei gesagt, dass ich mich für diesen Ausflug entschieden habe, weil ich mir von der Bootsfahrt auf den Seitenkanälen viel versprochen hatte und hier wurde ich auch überhaupt nicht enttäuscht. Der Nil zeigt sich bei Assuan von seiner schönsten Seite und es macht Spaß, den fruchtbaren Uferstreifen hinter dem sich der Wüstensand türmt, vom Boot aus zu betrachten. Lustig war es auch, die Party-Boote zu sehen, auf denen junge Männer ausgelassen feierten oder kleine Kinder, die sich am Ufer des Nils vergnügten.

An einer kleinen Anlegestelle war in der Tat eine Touristen-Show mit Kunsthandwerk und Kamelen aufgebaut. Wir fuhren aber weiter und erreichten eines der nubischen Dörfer, was eben so aussah, wie es afrikanische Dörfer üblicherweise tun. Schrecklich war jedoch, dass man sofort, sobald man den Fuß auf den Boden gesetzt hast, von einer Kinderschar umgeben war, die nach Bakschisch verlangten.

Zielgenau führte uns der Reiseleiter dann in ein Innengehöft, was in einem modernen und vermodernen Teil aufgespalten war. Wir nahmen im Hof des „alten“ Teil Platz, wo uns eine Frau Tee anbot und unser Reiseleiter einen Vortrag über die Nubier hielt. Sicherlich ist es verwunderlich, dass man bei der Begehung eines Dorfes eigentlich nur in einem Innenhof geführt wird und sich dort aufhält, doch als wir diesen wieder verließen, wurde mir deutlich, warum die Reiseagentur sich offensichtlich für diese „Schutzmaßnahme“ entschieden hatte, warteten nämlich auf der umgepflasterten Straße schon unzählige Frauen, die äußerst aggressiv und – was ja für Mitteleuropäer Allgemeinhin überhaupt nicht geht – mit Körperkontakt, irgendwelchen Klimbim verkaufen wollten. All dies gestaltet sich solchermaßen aufdringlich, dass eigentlich alle Teilnehmer unserer Reisegruppe wieder froh waren, auf dem kleinen Boot zu sein, was dann wieder gemütlich zurück auf den Nebenläufen des Nils dahintuckerte.

Kann ich diesen Ausflug empfehlen? Ja, und zwar wegen der wirklich schönen Bootsfahrt, allerdings wäre es ein Gewinn gewesen, dass Dorf mitsamt seiner aufdringlichen Bewohnerinnen wegzulassen.

Am nächsten Tag gab es dann abermals eine im Rundreiseprogramm inkludierte Bootsfahrt. Diese war aber im Vergleich viel zu knapp gehalten, sodass ich im Nachhinein den Ausflug zum nubischen Dorf nicht bereute.

Der Nil zeigt sich bei Assuan von seiner schönsten Seite.

O ihr, die ihr die Fähre des NUN über jene schlimme Sandbank bringt, holt mir die Fähre, knüpft mir das Vortertau! „In Frieden, in Frieden, kommt her, komm her, beuge dich (?), beuge dich!“ Ich bin gekommen, um meinen Vater OSIRIS zu sehen.

Hornung, Erik: Das Totenbuch der Ägypter, Zürich/München 1993, S. 194, Ausschnitt aus dem Spruch 99 B: Spruch vom Herbeiholen der Fähre im Totenreich

Die Nilkreuzfahrt lässt sich von Anfang an hier miterleben. Wer es „magischer“ mag, startet hier.

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