Das Land des Todes

(02.10) “Das Land des Todes” wurde das Wüstendreieck genannt, das bis in das Grenzgebiet zu Pakistan führt. Bikaner begrenzt es im Norden, Jaipur im Osten.

Ganz so öde und unwegsam wie der Name suggeriert, kam mir die Landschaft dann doch nicht vor. Dies soll u.a. daran liegen, dass die indische Regierung nach dem Monsumregen, laut Auskunft unseres Reiseleiters, immer wieder Akaziensamen auf die  Wüste Thar  streuen lässt, was diese, zumindest ein wenig, begrünt.

Von  Mandawa fuhren wir heute (02.10.2018)  nach Bikaner, wir wo wir im Heritage Resort am Jaipur Highway untergebracht waren.

Hier bewohnte ich ein kleines Appartement im Bungalow mit  indischen Fensternischen, die einladend mit Matratzen dekoriert waren. Einige meiner Mitreisenden nahmen gleich eine kleine Abkühlung im Pool, bevor wir dann zur Besichtigung des Junagarth Forts aufbrachen.

Bikaner

Bikaner wurde 1488 von Rao Bika, einem Nachfahren von Jodha gegründet.  Die Stadt hatte aufgrund der Karawanenrouten und den damit verbundenen Handel strategische Bedeutung inne.

Die Stadt aus Lehm, wie Bikaner auch genannt wurde, bekam eine Stadtmauer und eine imposante Festung.

Das Fort Junagarh

Wir erreichten die Festung mit dem Tuk-Tuk.

Das Eingangstor (genannt Sonnentor)  der Festung, die bis in das späte 19. Jahrhundert erweitert wurde, wird von Elefanten flankiert.

Dies sind die Handabdrücke derjenigen Frauen,  die sich beim Tod ihres Gemahls verbrennen ließen. Heutzutage ist die Witwenverbrennung , Sati genannt, verboten. Leider ist der Brauch nicht ausgestorben. Überhaupt erscheint mir die Rolle der Frau in Indien eher bescheiden zu sein.

Auf den Straßen sieht man kaum Frauen. Unser Reiseleiter versucht uns weiszumachen, dass diese alle zu Hause und am Arbeiten sind. Dies mag zum Teil zutreffen. Da aber die Geburt eines Mädchen mit immensen Kosten für die Familien verbunden sind, werden diese, so die bittere Wahrheit,  häufig abgetrieben, sodass in Indien Männerüberschuss herrscht. In Ermangelung von Frauen vertreiben die Männer sich gerne die Zeit mit  dem Anschauen von pornografischen Filmen, schließlich ist Internet in Indien recht billig.

Ein durch Pornographie angeheizter männlicher Sexualtrieb mag nun auch dazu beitragen, dass das Vergewaltigungsrisiko für Frauen  in Indien  groß ist. Immer wieder wird in der Presse von derartigen Fällen berichtet, derweil die jungen indischen Frauen auch weiterhin für den zweifelhaften Traum leben, einmal “Braut” zu sein.

In Indien gibt es eine gigantische Hochzeitsindustrie. Fast 70% der Ehen sind arrangiert. Geheiratet wird nach wie vor überwiegend in derselben  Kaste und dies obwohl das Kastensystem offiziell abgeschafft ist. Liebesheiraten sind die Ausnahme.

Manchmal sieht sich das Brautpaar am Tag der Hochzeit zum ersten Mal. Nach der Heirat zieht die junge Frau zu der Familie des Mannes und muss dort der Schwiegermutter zur Hand gehen.

All dies scheinen mir keine guten Lebensperspektiven  für Frauen zu sein und vor diesem Hintergrund erscheint mir der westlich-kapitalistische Lebensstil fast ein Hoffnungsträge, der die indischen Frauen aus ihren traditionellen Abhängigkeitssystem  befreien kann, zu sein. Nicht jede Tradition ist es wert, erhalten zu bleiben!

Ich selbst habe es während der Reise vermieden, alleine unterwegs zu sein.  Ob dies eine unnötige Vorsichtsmaßnahme war oder eine Notwendigkeit, vermag ich nicht zu sagen. Ein Risiko wollte ich jedoch nicht eingehen.

Das Fort Junagarh verbirgt in seinem Inneren 37 Paläste.  Die Anlagen und auch das Fortmuseum Ganga Niwas bieten fantastische Fotomotive, die einen in eine längst vergangene Zeit versetzen.

Im folgenden findet ihr eine kleine Auswahl. (Insgesamt habe ich während meiner Rundreise wohl an die 1000 Fotos geschossen :).

 

 

 

 

 

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