Das „Reichsmusterdorf“ Dötlingen

Gestern führte mich mein Weg nach Dötlingen,  in den Landkreis Oldenburg.

Das Püttenhus ist ein ehemaliger Speicher, der zum kleinen Landheim der Hitlerjugend umgebaut wurde. Jetzt kann man dort heiraten.

Das dort angebrachte Armanen-Futhark auf Fachwerk begeistert mich. Zu sehen sind die Runen Kaun, Rit, Gibor/Wolfsangel und Fa.

Von der nationalsozialistischen Vergangenheit Dötlingens als „Reichsmusterdorf“ zeugt auch der ehemaliger Thingplatz (???) mit Resten vom diesjährigen Osterfeuer auf dem Gierenberg

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Zum umgestürzter Stein mit ausgefräster nationalsozialistischer Symbolik, die auf der Unterseite kreisförmig zu erahnen ist,  erklärt eine Tafel unterhalb des Gierenberges: „Der große eiszeitliche Geschiebeblock, er stammt aus der Umgebung des Dorfes, fand, aufgerichtet von 1933 – 1945 als  Denkmal Verwendung.“ Kein Wort davon, dass es sich dabei um ein Denkmal der nationalsozialistischen Machtergreifung handelt. Immerhin ist erfreulich, dass es überhaupt ein Hinweisschild gibt, auch wenn dort die eigentliche Bedeutung nur angedeutet wird.

Ein solcher vermeidender Umgang mit „unbequemen Denkmälern“ ist mir bereits aus Emmerthal bekannt. Dort findet sich auf dem Platz der Reichserntedankfeste nur ein Schild, was Fauna und Flora erklärt; kein Wort wird über die dort veranstalteten Großereignisse verloren!  In Hannover dagegen ist die nationalsozialistische Vergangenheit des Maschsees mit einer Reihe von Informationstafeln vorbildlich erklärt. Auch der Sachsenhain ist, wenn man davon absieht, dass er schwer zu finden ist, ausreichend aufgearbeitet.  So unterschiedlich kann mit der Vergangenheit umgegangen werden.

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Bevor jedoch Dötlingen zum „Reichsmusterdorf“ wurde, hatten sich hier Künstler wie u.a.  Georg Bernhard Müller vom Siel, August Kaufhold und Otto Pankok niedergelassen, die hier eine Künstlerkolonie bildeten. Hier finde ich Anknüpfungspunkte zu den Künstlerkolonien, die in der Ausstellung  „Mythos Heimat“ im Landesmuseum Hannover aktuell gezeigt werden und über die ich bereits hier berichtet habe.

Das ist die romanisch-gotische Feldsteinkirche St. Friminus: Es wird vermutet, dass auch sie mit Steinen von Großsteingräbern gebaut wurde. Ich hatte Glück, dass die Tür offen stand und ich so auch einem Blick in das Innere werfen konnte.P1000124
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Die vor der Kirche liegenden Fischteiche, die eine schöne Aussicht ermöglichen,  habe ich leider nicht fotografiert.

Die Tausendjährige Eiche und der Tabkenhof, das größte Niedersachsenhaus in Nordwestdeutschland, gleich neben der Kirche, sind hier zu sehen. P1000121

 

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Dieses architektonisch gelungene Haus wurde von August Kaufhold, einem Maler,  errichtet, nachdem sein erstes Wohnhaus abbrannte. Es diente als Künstlertreffpunkt, später als Sitz des nationalsozialistischen Lehrerverbands und noch später als „Inklusions“betrieb.  Eine mehr als wechselhafte Geschichte liegt also hinter diesem Gebäude.

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Unweit davon – man muss nur die Hunte überqueren – befindet sich die Glaner Braut mit drei Großsteingräbern. Wunderschön.

Zurück im Dorf gibt es noch ein restauriertes Großsteingrab „Am Schießstand“,ca. 3500 bis 3000 v. Chr,  direkt am Einfamilienhaus gelegen, zu sehen.  Hier wurden umfangreiche Grabbeilagen gefunden, z. B. eine Bernsteinkette.

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