Das Tal der Könige, Hatschepsut und Ramses III.

Wenn es eine Seite gibt, in der sich das ägyptische Volk von anderen unterscheidet, so ist es die Fürsorge, die es seinen Toten zuwendet.

Erman, Adolf: Die Religion der Ägypter, Berlin 2001, S. 207)

(28. 12) Nachdem ich also die Memnon Kolosse passiert hatte, begab sich unsere Reisegruppe nach Theben West und zwar in das Tal der Könige.

Das Tal der Könige

Zu Beginn unserer Tour war der Besucherandrang noch maßvoll, später ….
… sah es dann so aus!

Im Eintrittsgeld war die Besichtigung von drei Gräbern inkludiert. Um sie vor den Besuchermassen (und ihren Ausdünstungen) zu schonen, sind nie gleichzeitig alle Gräber, die zu besuchen sind, geöffnet. Auch die Reiseleiter dürfen nur außerhalb der Gräber Erklärungen abgeben, nicht innerhalb.

Über Letzteres war ich froh, geht es mir beim Besuch solcher Orte schließlich eher um die innere Durchdringung und eine erste Annäherung an den Ortsgeist, weniger um die Beschallung mit Zahlen und Fakten, die ich mir im Nachgang lieber still und leise mit Lektüre aneigne.

Nun war es, ehrlicherweise sei dies gesagt, schier unmöglich, sich auf die Schwingung des Ortes einzulassen: Am frühen Morgen, wo es vielleicht noch hätte möglich sein können, dozierte der Reiseleiter, ein studierter Ägyptologe, vor den Gräbern und als wir sie dann endlich betreten konnten, war alles schon hektisch verstimmt: Massentourismus eben.

Ehrlicherweise muss ich an dieser Stelle eingestehen, dass ich auch selbst Teil dieser Touristenströme bin, die wahrscheinlich noch viel gewaltiger wären, wenn nicht, aufgrund der aktuellen politischen Verwerfungen, viele Besucher das Land meiden würden.

An dieser Stelle der klassischen Nilkreuzfahrt macht es dann Sinn sich mit dem ägyptischen Totenkult auseinanderzusetzen, den ich hier einmal grob skizziere:

Das ägyptische Totenbuch, ich erwähnte es bereits im letzen Kapitel, heißt „Sprüche vom Herausgehen am Tage“ . Es ist ein Papyrus aus der Ptolemäerzeit, das wiederum eine Zusammenstellung von Texten darstellt, die sich vorwiegend auf Papyrus, aber auch auf anderen Schriftträgern, wie auch Teilen von Grabausstattungen, wiederfindet. Es gibt uns Auskunft über die ägyptische Todesvorstellung, genauso wie die Pyramidentexte, die sich in den Königsgräbern der 5. und 6. Dynastie befinden und genauso wie die Sargtexte, die im Mittleren Reich auf den Innenwänden der Särge geschrieben wurden.

Die Toten sind tot, weil sie ihr Ka verloren haben. Dieses ist eine Art „Doppelgänger“, den jeder Mensch bei seiner Geburt, auf Befehl von Re, erhält. Wenn der Mensch stirbt entweicht sein Ka. Man hofft aber, dass das Ka, zumindest zeitweilig, beim verstorbenen Körper, den es so lange bewohnt hat, weiter verweilt oder diesen zumindest besucht.

Das Ba hingegen lässt sich mit „Seele“ übersetzen. Diese wird oft als Vogel dargestellt, dieim Tod entfliegt. Das Ach, der dritte Persönlichkeitsaspekt des Menschen, beschreibt die Existenzform, die der Mensch erst im Jenseits erlangt. Dieses kann von den überlebenden Angehörigen beispielsweise um Hilfe angerufen werden, ähnlich wie die Katholiken Heilige anbeten.

Da die Sonne im Westen untergeht, dachte man sich das Jenseits-Land ebenfalls im Westen. Diejenigen aber, die mächtig waren, sollten ein besseres Los als die „traurige Existenz“ (Arman, Adolf: Die Religion der Ägypter. Ihr Werden und Vergehen in vier Jahrhunderten, S. 211) in einem Totenreich haben und so wird der Pharao, seit der 4. Dynastie, „von seinem Vater Re“ gerufen, um lebend zu den Sternen aufzusteigen (siehe Stichwort „Himmelsaufstieg“ bei Wikipedia: hier). Er soll so selbst zum Sohn Gottes und zum Gott werden.

Doch vor dem Übertritt haben die Ägypter auch beim Pharao „Prüfungen“ gesetzt. Nachdem der tote Pharao mumifiziert wurde und das Mundöffnungsritual, also die Beseelung der Mumie vollzogen wurde, musste er sich dem Totengericht stellen. Seit der 19. Dynastie regenerierte sich der tote König zuvor durch vielfältigen Gestaltwandel.

Beim Totengericht schließlich werden seine Taten gegen die Feder der Maat gewogen und nur, wenn hier das Urteil positiv ausfällt, darf er seine Reise fortsetzen und mit der Sonnenbarke des Res zu den Sternen reisen, andernfalls muss er in Zukunft auf ewig im „verborgenen Reich des Todes“ verweilen.

Die Ausschmückungen der Gräber im Tal der Könige geben uns eine Vorstellung vom ägyptischen Totenkult. Ihr Besuch ist sicherlich ein Höhepunkt einer Ägyptenreise.

Fotografieren (ohne Blitz) kostet 15 Euro extra, um so ärgerlicher für mich, dass die Bilder nichts geworden sind. Die Besichtigung des Grabes von Tutanchamun war bei meiner Besichtigung nicht inkludiert und letztendlich stand dafür leider auch keine Zeit mehr zur Verfügung.

Totentempel der Hatschepsut

Bevor ich mich auf dem Nilschiff erholen konnte, stand noch die Besichtigung des Terassentempels und des Totentempels der Hatschepsut in Der el-Bahari auf dem Programm.

Hatschepsut ist eine Pharaonin der 18. Dynastie, die für sich göttliche Legitimation, die üblicherweise nur den Männern zustand, beanspruchte. Um ihren Herrschaftsanspruch durchzusetzen, ließ sie sich mit männlichen Machtattributen, wie beispielsweise den paranoischen Bart, abbilden.

Der Totentempel liegt eindrucksvoll vor den Thebanischen Bergen. Eine Prozessionsstraße, die ursprünglich von Sphinxen gesäumt wurde, führt vom nicht mehr erhaltenen Taltempel zur eindrucksvollen Anlage hinauf.

Der Totentempel ist hauptsächlich der kuhgestaltigen Muttergöttin Hathor und dem Gott Amun-Re geweiht, der in sich die Eigenschaften vom Sonnengott Re, dem Windgott Min und dem Fruchtbarkeitsgott Amun vereinigt.

Später, während meiner Reise, bekam ich, ziemlich respektlos vom Händler eines Souvenierladens, eine kleine Figur des Amun mit erigiertem Penis geschenkt. Dies scheint ein beliebter Scherz der Ägypter gegenüber von Touristinnen zu sein. Nun ja … Geschmackssache.

Der Totentempel Ramses III.

Ein Tempel für den toten Pharao wird im Neuen Reich auch Millionenjahrhaus genannt. Um einen solchen handelt es sich hier. Besonders beeindruckt haben mich die riesigen Reliefdarstelungen, die die Siege Ramses III über die Seevölker zeigen.

Entspannung auf dem Schiff

Nach all den Besichtigungen genoss ich es dann, nach einem Mittagessen im Buffetform, auf dem oberen Deck des Nilschiffes zu liegen und die vorbeiziehende Flusslandschaft zu genießen: ganz ohne aufdringliche Händler. Herrlich! An Esna vorbei erreichten wir am Abend Edfu, wo das Schiff ankerte.

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