Der Schulbiologiegarten in Hannover und die Frankfurter Soße

In Hannover kann man am Sonntagvormittag den Schulgarten Burg besuchen. Innerhalb der Schulzeit gibt es immer um 10.30 Uhr ein breites Angebot an naturkundlichen Sonntagsführungen zu genießen , die allesamt kostenlos sind. Das Angebot richtet sich vorrangig an Familien, kann aber auch von Erwachsenen besucht werden. Ein geführter Rundgang durch den Garten richtet sich regelmäßig explizit an Erwachsen.

Der Garten geht auf die pädagogische Idee zurück, dass Schüler, wenn sie denn manuell im Garten arbeiten, nicht nur die einheimische Pflanzenwelt kennenlernen, sondern auch nachhaltig ihre Persönlichkeit, im Umgang mit der Natur, positiv entwickeln, indem sie friedfertiger und ausgeglichener gestimmt werden. Dies scheint mir momentan, nötiger denn je zu sein.

Geschichtliches!

Im Ursprung sollten Schulgärten das naturkundliche Wissen der Schüler stärken, was in einem preußischen Erlass zum Ausdruck kam und in der Umsetzung dazu führte, dass die Lehrer Pflanzen als Anschauungsmaterial für ihren Unterricht benötigten. 1883 wurde deshalb  ein erster Botanischer Garten in Kleefeld  gegründet, der Pflanzen für Schulen als Anschauungsmaterial liefern sollte. Dieser erwies sich schnell als zu klein, sodass in der Nachbarschaft zur  Alice-Salomon-Schule, ebenfalls in Kleefeld, ein neuer Garten entstand.  Da Linden damals noch nicht zu Hannover gehörte, entstand auch dort ein Liefergarten, der noch heute als Untergarten des Schulbiologiezentrums Hannover existiert.

1916 entstand die Idee, den zu klein gewordenen Garten in Kleefeld  aufzugeben und auf dem ehemaligen Rittergut Burg einen Schulgarten mit neuen pädagogischen Konzept  zu errichten,  was aber erst 1923 umgesetzt wurde. Aus dem Garten in Kleefeld errichtete der Franziskanerorden das St. Antoniuskloster mit umfangreichen Klostergarten, derweil der neue Garten sein pädagogisches Programm aufnahm.

In der Weimarer Republik sah man die Schulgärten auch als Arbeitsgärten an, in denen die ganzheitliche Menschenbildung der Schüler gefördert werden sollte. Im Nationalsozialismus  wurde dieses Konzept im Sinne einer „bodenverwurzelten Schularbeit“ fortgesetzt, kam aber durch die Kriegshandlungen zum Stillstand. Nach dem Krieg erhielt sich die Schulgarten-Idee vor allem im reformpädagogischen Milieu und bekam  in den 80er Jahren durch die Ökobewegung und in den  90er Jahren durch die Wiedervereinigung einen neuen Auftrieb. Gartenkunde gehörte schließlich zum Curriculum der Polytechnischen Oberschulen der DDR, sodass hier das Konzept der Schulgärten kontinuierlich fortgesetzt wurde.

Und heute?

Mittlerweile wird die Schulgarten-Idee politisch vernachlässigt und ist auch an Schulen, die personell nur schwer die Inklusion und die Masseneinwanderung stemmen können, fast zu einer utopischen Idee geworden. Das ist bedauerlich.

Man kann eben nicht alles haben, …

… auch wenn die Chef-Ideologen der „Vielfalts“-Gesellschaft dies vehement behaupten mögen! Was aber auch im stressigen Schulalltag manchmal noch möglich zu sein scheint,   ist ein Besuch im Schulgarten, vorausgesetzt die Gruppen sind händelbar und die Schüler agieren noch halbwegs „sozial“, sodass man sich als begleitender Pädagoge nicht „fremdschämen“ muss.  Ansonsten bleibt nur eine Belieferung mit Pflanzen für den Biologieunterricht und die Sonntagsführungen für diejenigen, die den Zerwürfnissen der globalisierten Gesellschaft entkommen wollen.

Auch deshalb war ich letzten Sonntag dort. Ich ließ mich darüber hinaus in die  Geheimnisse der Frankfurter Soße einführen. Diese besteht traditionell aus Schnittlauch, Petersilie, Kresse, Kerbel, Sauerampfer, Pimpinelle und Borretsch, wobei – so lernte ich – der Borretsch sich neuerdings, wegen der in ihn enthaltenen Pyrrolizidinalalkaloide als krebserregend herausgestellt haben soll, weswegen er durch ein wenig geriebene Gurke ersetzt werden sollte.

Ich kann es erst einmal nicht beurteilen und lasse ihn bei meiner Frankfurter Soße fort.

„Drei Blättchen Pimpinelle, kommt der Tod nicht so schnelle“, erfuhr ich, bevor ich dann – ganz praktisch – meine Frankfurter Soße anrührte und sie zu Hause, zusammen mit Kartoffeln, verspeiste.

Wer es mir nachmachen möchte, findet hier das Rezept:

200 g frische Kräuter (geschnitten/gehackt): Schnittlauch, Petersilie, Kresse, Kerbel, Sauerampfer, Pimpinelle, Borretsch

250 g Quark

250 g saure Sahne (oder Joghurt)

etwas Zitronensaft

1 TL Salz, 1/4 TL Pfeffer, 1 TL Zucker, 1 TL Senf, 1/2 TL Meerrettich

Alles vermischen und mit den Kräutern abmischen. Dazu passen Pellkartoffeln und gekochte Eier.

Guten Appetit!

 

 

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