Der Zahn der Zeiten!

Blankenburg - Schloss
Blankenburg – Schloss

Endlich habe ich einmal etwas Ruhe, sodass ich über das vergangene Wochenende resümieren kann. Irgendwie stand es ja im Zeichen des Nicht-Perfekten, des Vorläufigen und des Fließenden.

– Erst stattete unsere allmonatliche Wildfrauenhaus-Wandergruppe Blankenburg im Harzvorland einen Besuch ab.

Dies scheint ein ungeheuer kraftvoller Ort zu sein, dessen Schloss – gerade durch seine nicht zu übersehenen Verfallserscheinungen – den unvergesslichen Charme des Niedergangs ausstrahlt. Ein großes Plakat verheißt aber eine beabsichtigte Renovierung, die eindeutig notwendig ist, andererseits aber auch eine durchaus ambivalent zu betrachtende „Schön-Verbesserung“ zur Folge haben könnte.

Schließlich folgen zeitgenössische Renovierungsversuche eigentlich immer den „schön-kitschigen“ Perfektionsbestrebungen der Neuzeit, deren Ergebnisse ansonsten überall im Lande zu bestaunen sind, die aber „irgendwie“ auch seltsam falsch und „übertüncht“ wirken. Insofern erfreute ich mich am unrenovierten Zustand des Blankenburger Schlosses und fragte mich, warum alte Gemäuer eigentlich nie so instandgesetzt werden, dass sie das Denkmal zwar „erhalten“, jedoch aber trotzdem den „Zahn der Zeit“, der ja offensichtlich sein Werk getan hat, wertschätzen können?

– Dann war letzten Sonntag Muttertag (und sicherlich haben die meisten Leserinnen dies in unserer schnelllebigen Zeit schon wieder vergessen!). Wir – was also die gesamte vitale Rest-Kernfamilie meint – besuchten, quasi als Muttertags-Ausflug, der dem unbeständigen Wetter trug, die Kestnergesellschaft, die sich langsam zum Event-Ausrichter entwickelt.

Dies ist allerdings ein anderes, durchaus auch ergiebiges Thema. Jedoch weist meine hier geäußerte Einschätzung durchaus Zusammenhänge zur aktuell dort gezeigten Ausstellung auf, die von irgendwelchen Gremien ausgewählte britische Künstlerinnen (männliche Künstler sind selbstverständlich mitgedacht!) zeigt, die wiederum repräsentativ für die dortige Kunstszene sein sollen.

Ein solches auf ein Land bezogene Thema reiht sich dann ein, in den derzeitig hochpromoteten hannoverschen Hype, anlässlich des 300jährigigen Jubiläums der Personalunion Hannovers mit Großbritanniens. (Man könnte meinen, dass wir in Hannover immer noch ein Monarchie hätten!).

„Kunst als Event!“, soll hier aber nicht Thema sein, stattdessen das Unperfekte.

Besagte GB-Künstlerinnen ließen sich davon inspirieren, dass die Kestner-Gesellschaft ihre Räume in einer ehemaligen Badeanstalt bezogen hat. (Auch hier sei mir eine Randbemerkung erlaubt: Die „Zerstörung“ eines Jugendstil-Bades, auch wenn dieses geschickt zur Ausstellungsplattform umfunktioniert wurde, zeugt von der historisch-ästhetischen Ignoranz der mir unbekannten Entscheidungsträger. Frauen sind hier nicht mitgedacht!)

Wasser, das Fließende, die Metamorphose, die durch das reinigende Element Wasser vollzogen wird, die Transformation von einem Zustand in den anderen und eben auch die Zerstörung des anscheinend „Perfekten“, all dies sind Themen, die die Künstlerinnen bearbeitet haben.

Besonders beeindruckt haben mich die dilettantisch anmutenden Tonarbeiten, die auf provisorischen Holztischen platziert sind.

Und hier – an dieser Stelle – schließt sich dann für mich der Kreis zum Blankenburger Schloss mit der Aufforderung auch dort dem Unperfekten Raum zu geben und der marktkonformen, glatten Ästhetik eine Absage zu erteilen.

Das wäre dann wahre (sic!) KUNST!

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Türöffner

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