Devotionalienhandel und Eventkultur

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Irmensul, Mixed Media, 29 x 40 cm, Juli 2016

Kunst entwickelt sich immer mehr zur materialisierten Devotionale eines Künstler-Events, sei es nun eine Ausstellungs-Veranstaltung, eine Performance oder was auch immer.

Die Kunstauktion ist ein „zweitrangiges“ Event, dass dem primären Event, nämlich das der Kunsterstellung, weitere Wertigkeit (oder eben nicht) zuspricht. Die Kunst wird innerhalb der Auktion  als Energiekörper erneut aufgeladen und soll dem Käufer mit dem Anschein von Bildung, Besonderheit und finanzieller Weitsicht versehen. Kunst als hohle Performance eben. Fazit: Kunst kann nur jenseits des Marktes stattfinden und ich frage mich, ob man als Künstler angesichts dieser Verhältnisse überhaupt noch öffentlich präsentieren sollte? Macht man sich nicht schon mit einer Ausstellungseröffnung zum bloßen Event, zur schnöden Unterhaltung, in einer Zeit, wo Menschen solche Veranstaltungen vermehrt  nutzen, um sich abzulenken, vor dem, was bedrohlich erscheint?  Ist Kunst also auf diese Art und Weise systemunterstützend?

Das primäre Kunstereignis könnte ein sakraler Akt sein, ist jedoch zumeist nicht viel mehr als Leere. Es wird primär für den Markt produziert. Es wird geplant und konzipiert, was das Zeug hält und letztendlich soll damit nur käuflich  unterhalten werden.  Kunst ohne Seele, ist das. 

Doch wenn die Kunst ein sakraler Akt ist, dann tritt sie in dem Dialog mit dem Numinosen, und stellt sich erhaben über die Welt der Krämer. Sie entspricht dann dem Kunstverständnis  von Julius Evolas erstem Zeitalter. Dieses ist durch das Ideal der Fruchtbarkeit und der Potenz gekennzeichnet.

Ein kleiner Exkurs sei mir hier gegönnt: Herr Evola teilt die Geschichte in seinem Buch „Revolte gegen die moderne Welt“ in vier Zeitalter ein, die in beständiger Degeneration begriffen sind. Im ersten Zeitalter wurde danach getrachtet, die Fesseln des Individuellen zu öffnen und sich dem Göttlichen  zu öffnen, was – so meine Anmerkung –  spätestens seit 1966 auch das Selbst sein kann, was dem gottgleichen Status erringen will.  

Wenn das Kunstwerk jedoch Ideale des Heroismus und des Sieges beschwört, entspricht es dem aristokratischen Zeitalter. Die ethischen  Ideale, die hier verfolgt werden, sind die der Treue, des Mutes und der Ritterlichkeit. Man denke dabei nur an die höfische Kunst, aber auch an die Kunstauffassung der faschistischen Diktaturen, die sich hier bedienten, um eine Stärkung ihrer Macht und eine mythologischen Aufladung zu erfahren. 

Das Zeitalter der Aristokratie wurde von dem uns nur zu bekannten gegenwärtigen   Zeitalter der Krämer abgelöst, wobei ich davon ausgehe, dass alle genannten verschiedenen Zeitalter in einer gewissen Ungleichzeitigkeit immer noch existent sind und Julius Evola immer nur jenes, welches für eine bestimmte Zeitepoche charakteristisch ist, in dem Vordergrund seiner Betrachtung gestellt hat.

Schon während des aristokratischen Zeitalters, nahm das Diktum der Ökonomie beständig zu.  Spätestens seit der beginnenden Industrialisierung sind die Ideale,   wenn man überhaupt noch von solchen sprechen mag, fast nur noch ausschließlich  ökonomischer Natur. Profitmaximierung und die Generierung von immer neuen Gewinnen,  in einer Gesellschaft von Konsumenten,  stehen nun im Fokus der Aufmerksamkeit.  Jede Aktion wird als Arbeit verstanden, die in erster Linie einen monetär fassbaren Nutzen erbringen muss.  Das ist der Duktus, dem auch die professionelle Kunst, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, folgt, selbst  dann, wenn sie, in dem, was sie zelebriert, mehr dem Zeitalter der sakralen Herrschaft oder der Aristokratie entsprechen sollte, als dem der Ökonomie. Sobald aber ausschließlich oder auch nur partiell auf eine monetäre Verwertbarkeit oder auf eine Aufmerksamkeitsökonomie gezielt wird, die sich in den heutigen Zeiten ja auch wieder in Geld aufwiegen soll,  wird die Kunst verraten.

Sie wird zum schnöden Produkt und unterwirft sich dem Geist der Höker und Marketenderinnen.

Kunst als Event ist abzulehnen, wenn sie dabei auf das Geld fixiert bleibt, wenn sie sich aber darüber erhebt, ein Fest ist, dann ist sie eine Huldigung des Ästhetischen , des Nicht-Zweckmäßigen und des Göttlichen. Sie ist etwas Sinnstiftendes, was uns über uns Selbst, unser Selbst erkennen lässt.

Kunst kann nur noch jenseits des Marktes stattfinden. Die Seele kann nicht zum Produkt werden, ohne verloren zu gehen. 

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