Die Angst-Gesellschaft

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Naphta in Thomas Manns „Der Zauberberg“:

»Der erste Schritt zu wahrer Freiheit und Humanität wäre, sich der schlotternden Furcht vor dem Begriff ›Reaktion‹ zu entschlagen.“

Das Gefühl der Angst lässt uns im Status Quo verharren. Angst wird gefördert, von denjenigen, die ein Interesse daran haben, dass sich das System selbst erhält. Und so werden denn Blockwarte instruiert, um zu bespitzeln und Buch zu führen über die vermeintlichen Missetaten der Delinquentin. „Sie stehen unter Beobachtung!“ Wir stehen alle unter Beobachtung.

Und so will ich euch denn eine Geschichte erzählen, von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen. Naiv wie sie war, schrieb sie einen langen Text, in dem sie ihr Unbehagen über das System, indem sie zu agieren genötigt war, zum Ausdruck brachte. Den veröffentlichte sie nicht, was ein Leichtes gewesen her, sondern übergab sie den in der Rangordnung über ihr Gestellten, mit der unschuldigen Intention, dass nun gemeinsam nach Lösungen für diese schier unhaltbaren Zustände gesucht werden sollte. Schließlich fühlte sie sich diesem  zur Loyalität verpflichtet. Doch, oh Schreck! Statt konstruktive Gespräche begann nun eine großangelegte Einschüchterungs- und Angst-Maschinerie gegen sie zu arbeiten und die Protagonistin unserer kleinen Geschichte wurde vor lauter Furcht ganz krank. Es dauerte seine Zeit und sehr viel innere Immigration, bis sie sich in ihre Situation gefügt hatte. Doch Frieden war es nicht. Immer wieder gab es von wechselnden Erfüllungsgehilfen ausgeübte Attacken gegen sie, sodass fast der nachhaltige Eindruck entstehen konnte, dass man sie loswerden wolle. Die NLP-gestählerten Gegner beriefen sich dabei – charmant lächelt – auf ihre „Pflicht“ und säuselten mit falscher Stimme, dass sie ja nur ihr Bestes im Sinne hätten und sie doch offensichtlich für die von ihr ausgeübte Tätigkeit nicht mehr geeignet wäre. Und um das zu beweisen, konstruierten sie in ihrer scheinbaren All-Macht Beweismittel, indem sie kleine Provokateure und Nervensägen instrumentalisierten, und sprachen schließlich die Drohung aus, sie gar schrecklich bestrafen zu wollen.

Es folgte eine Disziplinierung.

ENDE

Nun reibe ich mir – sozusagen im Nachgang –  verwundert die Augen  frage mich zum wiederholten Male, warum das System solche übermäßige Angst vor konstruktiver Kritik haben muss, sodass es anscheinend zu Mitteln greifen muss, die jenseits eines menschlichen Wertekanons liegen müssen?  Ich frage mich auch, warum Menschen soweit verrohen, als dass sie sich zum Denunzianten, Blockwart und Verleugner degenerieren lassen können? Oder bin ich gar, wenn ich Kant seinen kategorischen Imperativ hochhalte, hoffnungslos antiquiert und in meinem Denken nicht mehr zeitgemäß –  in den neuen Zeiten?

Und so folge ich denn Hans Castorp:

Hoch oben, über den Wolken,  auf dem Zauberberg, kann der Krieg nun vorüberziehen, während ich mich der Humanität erinnere, die abhanden gekommen zu sein scheint.

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