Die heilige Geometrie

 

Das rätselhafte Castel del Monte

Mit dem Thema würde ich ja letztens sehr augenscheinlich in Apulien konfrontiert, als ich das Castel del Monte besuchte, dieses eindrucksvolle Monument der Stauferzeit, das keine Funktion zu haben scheint, außer der, die vollkommene Symetrie der Zahl Acht verwirklicht zu haben.

Die Zahl Acht ist im Castel der Monte durch seinen Grundriss mit seinen achteckigen oktogonalen Türmen wiederholt manifestiert. Der Goldene Schnitt, der ebenfalls auf Pythagoras zurückgeht,  wurde ebenfalls  in seiner Konstruktion verwirklicht.

Die Festung gibt uns heute noch Rätsel auf, was auch daran liegen mag, dass unser linear ausgerichtetes Denken eine Bezugnahme auf einen magisch-religiösen Referenzrahmen vollkommen  fremd geworden ist.

Sakrale Architektur und heilige Geometrie

Sakrale Architektur, wozu das Castel der Monte meiner Meinung nach  gehört, bezieht sich, gerade durch seinen Bezug auf metaphysische Elemente, dem profanen Nützlichkeitsdenken der heutigen Zeit. Dieses sieht im Castel del Monte ein Jagdschlösschen des Stauferkaisers Friedrich II und wundert sich im Nachgang darüber, dass die Burg keinerlei zweckdienliche Räumlichkeiten, wie beispielsweise eine Küche aufweist und gänzlich ungeeignet dafür erscheint, eine königliche Hofgsellschaft zu beherbergen.

Ich neige dazu, hier von einem Tempel auszugehen, der  einen  angenommenen universell-göttlichen  Plan in der Architektur verwirklicht sehen will und vielleicht auch den Heiligen Gral beherbergen sollte. Dafür würde sprechen, dass die Templer von ihren Verfolgungen in Südfrankreich bis nach Italien flohen.

In der Heiligen Geometrie wird davon ausgegangen, dass es einen großen Plan des Universums gibt. Dieser hat sich in den universellen Formen eines geometrischen Systems verwirklicht, welches wiederum bei der  Errichung von Synagogen, Kirchen und Moscheen von entscheidenen Bedeutung war, seinen Ursprüngen aber bis auf die Griechen und die Ägypter zurückführen kann.

Pythagoras  und die Pythagoreer gelten als diejenigen, die ausgehend von den Gesetzlichkeiten und Zahlenverhältnissen der Musik , diese auf die Architektur übertrugen. Pythagoras soll dieses  Wissen von Ägypten nach Crotone (heute Italien, früher Griechenland zugehörig) gebracht haben.

Ziel von  Sakralbauten, in denen die heilige Geometrie verwirklicht wird, ist es, durch die Anwendung von mathematischen Formeln eine harmonische Schönheit zu manifestieren,  die für den Menschen Portale öffnen kann, die diese wiederum  dazu befähigt, sich aus der Welt des Scheins, in der wir gefangen sind (Man denke dabei an Platons Höhlengleichnis!), zu befreien und sich mit einer universellen Kraft zu verbinden.

Dekonstruktivismus

Eine solche Architektur steht im diametralen Gegensatz  zum momentan beliebten Dekonstruktivismus, der danach strebt Harmonie, Schönheit und Symmetrie aufzulösen, zu dekonstruieren, um, so wohl die Annahme,  den Menschen gedanklich dazu zu erziehen,  aus dem solchermaßen angerichteten Chaos, beständig eine neue Ordnung zu errichten, die dann wieder erneut dekonstruiert, also zerstört,  werden soll. Der Mensch kann sich mit einer solchen Architektur nur schwerlich  verbinden.  Verlässliche Gewissheiten soll es dabei nicht geben, genauso wenig wie eine Verwurzelung mit der eigenen Heimat und Tradition, stattdessen wird  ein beschleunigter Fortschritt suggeriert. Nichts ist mehr sicher.

Architektur wirkt auf unser Denken und unsere Seele!

Der Mensch, der  häufig mit einer dekonstruktivistischen Architektur konfrontiert wird, lernt, dass sich alles, wie im Legobaukasten, beliebig neu zusammensetzen lässt. Auch eine Öffnung hin zu einer spirituellen Dimension, die Sicherheit vermitteln könnte,  wird so erschwert.  Der neue Mensch kann sich, in diesem Fluss des Fortschrittes, zwar beständig neu erfinden, die Mehrheit aber wird damit überfordert sein, zumal  in der Praxis der Dekonstruktivismus ad absurdum geführt wird, indem die herrschende Ideologie ganz genau  vorschreiben will, was “dekonstruiert” werden soll und was nicht.

NS-Dokumentationszentrum in Nürnberg. Der Eingangsbereich bohrt sich wie ein Speer oder eine Nadel in das alte Kongressgebäude.
Nord/LB in Hannover mit dekonstruktivistischem Überbau. Die vielen Glasfronten des Verwaltungsgebäudes sollen wohl Transparenz vorspiegeln.

 


Ein kleines Gedankenexperiment zum Schluss:  Wie würde Ihr Tempel zur Verbindung mit der universellen Ebene aussehen?

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