Die Hoheprosterinnen bei den Externsteinen 

Was für ein Wochenende! Nicht nur, dass ich den wunderbaren Wörlitzer Park besucht habe (Bericht folgt noch), sondern dass ich meinen Geburtstag und die Walpurgisnacht/Beltane in angemessener Umgebung, nämlich bei den Externsteinen, zelebriert habe.

Freudig überrascht waren meine Freundin und ich darüber,  dass sich die Anreise von Hannover aus, auch ohne Automobil, mittlerweile recht komfortabel gestaltet. Es  verkehrt nämlich, vom Heil- und Kraftort Bad Pyrmont aus, der Bus 792. Er mäandert über die schmucken Dörfer und fährt an den Wochenenden des Sommerhalbjahres die touristischen Höhepunkte der Region, u. a. auch die Externsteine, an.

Auf diese Art und Weise entspannt angekommen, schauten wir uns das Besucherzentrum an den Externsteinen an.

Im kleinen Ausstellungsraum informiert es aus verschiedenen historischen, naturkundlichen und geologischen Perspektiven über die Steine, legt aber ganz klar seinen Schwerpunkt auf die christliche Überschreibung der heidnischen Kultstätte.  Insofern erhält man dort keinerlei Erklärung darüber,  was Neu- und Altheiden zu den Externsteinen zieht. Die Interviews, die man sich an der letzten Station, gleich nach dem Exkurs über die archäologischen Grabungen in der nationalsozialistischen Zeit,  anhören kann, hinterlassen den Eindruck, dass es sich um eine Art von exotischer Partyzone mit Met-Hörnchen  und anderen Skurilitätenhandelt, die, aufgrund eines erhöhten Müllaufkommens, besser zu unterbinden seien.

Und wirklich ist es so, dass an den großen naturreligiösen Feiertagen, insbesondere zur Walpurgisnacht und zur Sommersonnenwende, allerhand buntes Volk  zu den Externsteinen pilgert und auch wir folgten diesem Ruf.

In der Vergangenheit war dort auch das Zelten möglich und sicherlich hat auch die Detmolder Dorfjugend das inoffizielle Event zum kollektiven Besäufnis und „erster Liebe“ zwischen Didgeridoo-Spielern und Avalon-Feen genutzt.  So erklärt sich dann vermutlich auch das Abfallproblem, von dem wir im Besucherzentrum hörten und was von den Anbetern von Thor, Einhorn und Großer Göttin sicherlich nicht verursacht wurde.

Das Zelten ist nun nicht mehr erlaubt und der Parkplatz wurde gestern ab 18 Uhr gesperrt. Am Spätnachmittags brachte sich ein Polizeiauto unterhalb der Externsteine zusätzlich in kontrollierende Position.

Wir saßen mittlerweile entspannt auf der Wiese und beobachteten das Geschehen, nachdem wir im Wald ein kleines Orakel vollzogen hatten, in dessen Verlauf wir die Trumph-Karte der Hohepriesterin in die der Hohe“prost“erin umbenannten und diesen Akt der Verwandlung mit Schierker Feuerstein und Rotwein besiegelten. Danach suchten wir die Steinkreise , die uns bei unserem letzten Besuch von einem katholischen Priester  (wirklich!!!) gezeigt worden waren, auf. Zwischenzeitlich hatte ich zwar in den sozialen Netzwerken gelesen, dass sie zerstört worden waren, mittlerweile sind  jedoch glücklicherweise neue entstanden. Ein religiöses Bedürfnis, so es denn da ist, lässt sich eben nicht einfach durch kommunale Beschlüsse eliminieren.

Die in einem Baumstamm eingeritzten Runen Othala und Tiwaz wiesen uns den Weg zu den religiösen Plätzen, so dass wir daraufhin in der Mitte eines Labyrinths unseren Pakt mit den Göttern und Göttinnen der Heimat  erneuern konnten.

 

Ein Bier am Kiosk, dessen Wirt mich merkwürdigerweise mit „Herzilein“ anredete (die Kräfte der Walpurgisnacht mögen hier schon gewirkt haben), gestaltete das Warten auf dem Bus, der fast pünktlich um 17.50 ankam, lustig. Auf diese Art und Weise positiv gestärkt, sehen wir nun einer freudvollen Sommerzeit entgegen.

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