Die Kurische Nehrung

Der russische Teil der Nehrung

(Montag, 9. Juli) Von Königsberg  fahren wir zum russischen Teil der Nehrung und passieren dabei Kranz/Selenogradsk.  Für den Eintritt in den Nationalpark, der als ein solcher schon in der deutschen Zeit bestand, muss Eintritt bezahlt werden. Die Straße führt dann schnurgerade  und monoton durch Wälder, mit Bäumen, die sich zur Seite lehnen. In den Dörfern stehen noch viele Häuser aus deutscher Zeit,die allerdings nich immer im guten Zustand sind.  Alles wirkt wie aus der Zeit gefallen.  Da wir keine Zwischenstopps einlegen, bekomme ich kein Gefühl für die besondere Qualität der Nehrung, die ja als Landzunge zwischen Kurisches Haff und Ostsee liegt. Wasser werde ich erst sehen, als wir unser erstes Zwischenziel, die Vogelwarte Rositten, erreicht haben. 

Vogelwarte  Rossitten/Rybatschi

Vogelwarte Rossitten

Mit zwei riesigen Fangnetzen werden  Vögel gefangen und mit Ringen versehen.  Auf diese Art und Weise folgt auch die heutige Station  immer noch der Tradition des Ornithologen Johannes Thienemann, der  die Methode der Vogelberingung entwickelte und hier die erste große deutsche  Vogelwarte  schon 1901 gründete. Durch die Vogelberingung kann die  Flugroute von Zugvögeln verfolgt werden.

Vogel

Das Grab von Johannes Thienemann, den Begründer der Vogelwarte,  soll auf dem deutschen Friedhof (den wir nicht besuchen) mit weiteren drei Gräbern erhalten geblieben sein. Alle anderen Bestattungsplätze wurden zerstört.

Ortsbegehung  in Rybatchi

Die Backsteinkirche in Rybatchi wurde vom Schinkelschüler August Stühler entworfen.

Hier besuchen wir ein  einfaches Gasthaus,  was unsere Reiseleiterin empfohlen hat und was, obwohl sie sicherlich Provision erhält, unvergleichlich günstig war. Dort nehmen wir noch ein einfaches Mal ein. Es gibt eine dünne Fischsuppe und danach ein kleines Fischfilet mit Kartoffeln und Gemüse. Dazu wird “Kompott” gereicht, was  hier keinen Nachtisch, sondern ein sirupartiges Getränk aus Beeren, meint.  Wer mag, darf auch beim Kuchen zugreifen.  Wir verabschieden unsere Reiseleiterin, die während unseres kurzen Russlandaufenthaltes pausenlos geredet hat und alles  “wunderschön” fand, wohingegen kritische Anmerkungen, ganz im Sinne einer vermutlich noch sowjetischen Schulung, nicht vorkamen.  

Fischsuppe

Von Russland nach Litauen

Bei der Grenzkontrolle werden Erinnerungen an die DDR wach und ich muss rückblickend sagen, dass ich es fast als Befreiung erlebte, Russland wieder zu verlassen.  Das Land scheint mir immer noch unter einer ideologischen Glocke zu verharren.

Eine solche spürt der Außenstehende und zeitweilige Gast  ja eher, als wenn man dort auf Dauer seinen Aufenthalt gewählt hat.  Vermutlich wird auch  der ein oder andere Deutschlandreisende  auch hier, genauso wie ich in Russland,  eine  ideologische Glocke erspüren. Deutschland ist ja auch nicht in seiner Kraft.

In Litauen angekommen nimmt uns die örtliche Reiseleitung in Empfang und schleust uns als erstes in ein Souvenirgeschäft, in dem Kurenwimpel verkauft werden. Mit diesem kennzeichneten die Fischer einst ihren Herkunftsort, ihren Familienstand und ihren Besitz. Heutzutage ist es ein beliebtes Mitbringsel.

Kurenwimpel

Souvenirartikel

So sahen die Kurenkähne aus, an denen die Wimpel befestigt wurden.  Die Modelle befinden sich im örtlichen Museum “Neringa Museum of History”.

Kurenkähne, Modell

Die Künstlerkolonie Nidden/Nida und eine kurzer Überblick über die wechselhafte Geschichte von Nidden. 

Vom Sommerhaus von Thomas Mann hat man einen hübschen Blick auf die Nehrung. Thomas Mann arbeitete hier von 1930 bis 1932, später wurde es von Hermann Göring in Besitz genommen  und als Jagdhaus mit dem Namen  „Elchenhain“ zeitweilig genutzt.

Thomas Mann Haus

Italienischer Blick, Thomas Mann Haus

In der Nähe des Anwesens von Thomas Mann liegt auch das Hermann-Blode-Museum. Dies ist das ehemalige Stallgebäude des Hermann-Blode-Hotels. Hier lebten zeitweise Künstler, die die Kunstakademie Königsberg bis in die 30er Jahre hinein mit Stipendien versorgt hatte, um in der Ruhe der kurischen Nehrung und im gegenseitigen Austausch zum kreativen Schaffen angeregt zu werden. Nidden gehörte bis 1919 zum deutschen Reich, danach wurde es dem Mandatsgebiet Memelland zugeteilt. Ab 1923, in dem  das Memelland von Litauen annektiert wurde, besuchten Künstler das Haus. In der nationalsozialistischen Zeit ab 1939 wurde das Memelland wieder dem deutschen Reich zugerechnet. Ab 1945 gehörte es zur Sowjetunion und  war gar bis 1961 militärisches Sperrgebiet. Ab 1990 gehört es  erneut zum unbabhängigen Litauen und somit auch zur Europäischen Union.

Die Tradition der Künstler-Stipendien wird bis heute fortgesetzt, allerdings nicht mehr auf dem Grundstück Hermann Blodes, sondern in einem modernen Gebäudekomplex in der Nähe der großen Dünenlandschaft. 

Das Hotel Nidos Banga

Ich würde es eher als Pension beschreiben und ich frage mich, wie die drei Sterne auf dem Eingangsschild zustande gekommen sind. 

Es liegt direkt neben dem Hermann-Blode-Museum. Überhaupt ist die Lage, direkt an der Kurischen Nehrung, fantastisch. 

Das Zimmer jedoch  ist rustikal-grauslich eingerichtet und überhaupt viel zu dunkel und muffig. Einige Lampen funktionieren  nur zeitweilig. Wahrscheinlich ist das Elektroniknetz überlastet und stammt noch aus längst vergangenen Tagen. Der Fernseher (Röhre) ist uralt und das Badezimmer lädt, genauso wie das Bett, nicht zum Aufenthalt ein. Eine Wohlfühloase sieht sicherlich anders aus. Da zeitgleich auch eine Reisegruppe eines hochpreisigen Studienreiseanbieters dort untergebracht ist, lerne ich, dass auch ein höherer Preis für Rundfahrten nicht vor solchen Unterbringungsmöglichkeiten schützt. 

Rein theoretisch gibt es zwar frei verfügbares WLAN, doch als Funksignal ist in meinem Zimmer so schwach, dass mein Handy den Versuch der Einwählung                                                                     aufgibt. Auch über die mobile Flatrate komme ich im Hotelzimmer nichts ins Netz, weswegen ich mich in den öffentlichen Bereich des Hotels oder  auf die Bank an der Kurischen Nehrung setzen muss, wenn ich denn Internet zur Verfügung haben möchte. Dort lauern aber schon die Mücken auf mich. 

Da die Kritiken auf der Seite eines  bekannten Hotel-Vermittlers von schönen, renovierten Zimmern sprechen, ich aber ein solches definitiv nicht zur Verfügung habe, nehme ich an, dass eventuell für Rundreise-Pauschaltouristen die minderwertigen Zimmer reserviert sind, wohingegen die Individualreisenden die besseren abbekommen. Dies ist natürlich nur eine Vermutung. Ich rate von einer Buchung definitiv ab! Dieses “Hotel” war, trotz der schönen Lage, bisher das schlechteste “Hotel” der Reise. Selbst die Bahnhofs-Pension in Marienberg  für 16 Euro die Nacht war besser ausgestattet!

Abendstimmung

Die Lichtverhältnisse sind bezaubernd, sodass ich nachvollziehen kann, warum die Nehrung bis heute einen  Anziehungspunkt für Künstler darstellt.

#rossitten #nidden #künstlerkolonien #kurischenehrung #thomasmann

Read Offline:
www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei