Die Wasserspiele in Hellbrunn

Der Besuch von Hellbrunn gehört mehr oder weniger zum Pflichtprogramm jedes Salzburg-Besuchers. Mehr über meine Salzburgreise, findet sich hier.

Der Fürstenerzbischof Markus Sittikus Graf von Hohenems ließ Hellbrunn als Ort der Erholung und Einkehr errichten.

Die Wasserspiele von Hellbrunn

Markus Sittikus war von einer Schwermut geplagt, die wir heute wohl als Depression bezeichnen würden. Sein „sakraler Park“ der Einkehr und Buße ist leider nicht mehr erhalten, sein Konterpart, die lustvollen Wasserspiele, lassen sich in einer empfehlenswerten Führung erleben.

Die Salzburger langweilt es vielleicht, kennen sie doch schon jeden nassen Überraschungseffekt, der einen bei einem solchen Besuch erwartet. Neulinge aber, die auf den Spuren des Markus Sittikuss wandeln, kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Am Steintisch, den Sie auf diesem Foto sehen können, bewirtete Markus Sittikuss einst seine Gäste. Um die Stimmung aufzulockern betätigte er eine überraschende Mechanik, sodass hernach auf den Stühlen kleine Fontänen hochspritzten, die die Beinkleider seiner Besucher benetzten.

Ob das jeder so komisch gefunden hat, wie er selbst, weiß ich nicht. Sicher ist aber, dass dieser Wasserscherz nur das eindrucksvolle Präludium für weitere Spielereien und mechanische Verzauberungen darstelle, mit denen der Gastgeber seine Gäste und sich selbst unterhielt.

Hellbrauner Fürstentisch im Römischen Theate: unter Beschuss von Fotokameras 🙂

Verflüssigter Humor

Als verflüssigten Humor bezeichnet Albert Bauer die Wasserkünste des Schlosses Hellbrunn, was eine Bezeichnung ist, die treffend wiedergibt, was der Besucher in Hellbrunn erleben kann. (siehe: Baur, Albert: Die Wasserkünste des Schlosses Hellbrunn bei Salzburg. In: Frontinvs-Gesellschaft e.V. (Hrsg.). Die Wasserversorgung in der Renaissancezeit (Mainz am Rhein 2000), S. 285 – 294) .

Dahinter steht die Absicht, dass Markus Sittikus mit Hilfe des Wassers seinen Geist beleben wollte. Er diente ihm also als ein Therapieort gegen die damals verbreitete Melancholie, unter der auch er litt. Und auch heute gilt, dass die Kraft des Lachens uns über viele Missstände im täglichen Leben hinweghilft.

„Die Ärzte empfahlen gegen diese Gefahr der ‚bleifarbeneren‘ Trübsal luftige Wohnung, leichten Wein, angenehme Gespräche und vor allem Musik. Öffnet doch die Musik – nach damaliger Meinung – die ‚Luftlöcher‘, die Poren des Körpers, durch welche die bösen Geister entweichen und die Lebensgeister einströmen könnten. Die heilende Zauberkraft der Musik war ein magisches Mittel, böse Dämonen zu besänftigen, die Verdüsterung des Gemüts durch Katharsis hintanzuhalten.

Vor allem der, der auf dem Throne saß, galt als gefährdet: Melancholie war eine Herrscherkrankheit, eine Gabe des höhlenliebenden, musikscheuen und finsteren Saturn. Besonders die im Zeichen des Steinbocks und des Wassermanns Geborenen waren von diesem dunklen Planeten beherrscht. Nur die Musik und ‚aqua Viva‘, lebendiges Wasser, Quellwasser also, vermochten dem ‚Geist der Schwere‘ und der Gefahr des Versinken in Melancholie entgegenzuwirken.“

Kampl, Sibylle/Kühberger, Christoph (Hrsg.): Schaulust – Die Unerwartete Welt des Markus Sittichs. Salzburg 2016, S. 50

Markus Sittikus steht mit seiner Vorliebe in einer Tradition von Wasserspielen, die seit dem 16. Jahrhundert eine Attraktion vieler Garten- und Grottenanlagen darstellte.

Solche Wasserstrahlen, die aus versteckten Düsen auftauchen und den Besuchern eine lustvolle Mischung aus feuchten Überraschungen und Schadenfreude am Missgeschick anderer Gäste beschert, nennt man Vexierwässer, abgeleitet von lat. velare = necken, quälen.

Dem schon im 18. Jahrhundert zunehmenden Tourismus haben wir es zu verdanken, dass die Wasserkünste gut erhalten sind und wir sie, genauso wie die Figurenautomaten, in einem annähernd originalen Zustand bestaunen können. Andernorts wurden sie als „nutzlose Spielereien“ angesehen und mit der beginnenden Aufklärung nach und nach aus den Gärten entfernt.

Das sogenannte Germaul stellt das heimliche Wahrzeichen von Salzburg dar.

Das Schloss

Hellbrunn ist vom Fürstenerzbischof Markus Sittichs im Stile einer römischen Villa Suburbia errichtet worden. Der Festsaal diente als Räumlichkeit für intime Feste mit Musik, Tanz und Theateraufführungen. Die aufwändigen Bemalungen im Stile von Scheinarchitekturen bestechen mit ihren architektonischen Tiefen, die den Betrachter Stadtausblicke ermöglichen.

Der Festsaal ist ein langrechteckiger Raum mit flachem Gewölbe und Fenstern an den beiden Schmalseiten, teilweise auch an der nörd­liichen Langseite. Dem Eingang gegenüber liegt der Zugang zum Oktogon. Der schlichte Raum erhält seine Gliederung durch die Malerei, welche Wände und Decke umfaßt. Pilaster mit den vergol­deten Bildern zwölf römischer Kaiser, auf den Postamenten mit italienischen Inschriften bezeichnet, bestimmen die rhythmische Tei­lung der Wandflächen.

https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_109_0221-0226.pdf (besucht am 14.07.2020)

Der italienische Servitenmönch Donato Arsenio Mascagni gestaltete wahrscheinlich eine Kaiserserie, die sich auf die literarischen Portraits des römischen Schriftstellers Sutton zurückführen lassen, genauso wie eine Serie von weiblichen Figuren, die die Tugenden allegorisch darstellen sollen.

Als Besucher kann man sich in einem bequemen Sessel setzen, der sich langsam dreht und so, in ganz bequemer Haltung, die vielfältigen Malereien des Festsaals auf sich wirken lassen.

Hellbrunn war jedoch nicht nur ein Lustschloss, sondern auch ein Jagdschloss. In der dortigen Ausstellung kann man, im Stile einer Wunderkammer, viele Tierporträts und andere Kuriositäten anschauen.

Ein Einhorn

Das Steintheater

Hellbrunn war auch ein Ort der Feste. Hier fanden , nicht nur im Festsaal des Schlosses Musik, Tanz- und Theateraufführungen statt, sondern auch im riesigen Steintheater.

Am 31. August 1617 wurde mit Claudio Monteverdis Oper „L’Orfeo“ erstmals eine Oper in Mitteleuropa im Freien gezeigt. Wie beeindruckend muss dies gewesen sein, wo ich das Naturtheater, schon ganz ohne Musik, fantastisch fand!

Allerlei Trachten im Gewandhaus

Von Hellbrunn bin ich übrigens zurück in die Salzburger Innenstadt zu Fuß gegangen, was weitgehend ein angenehmer Spaziergang ist.

Vorbeigekommen bin ich dabei beim Gwandhaus, einen alten Landsitz aus dem 17. Jahrhundert, in dem jetzt die Trachtenschneiderei Gössl mit kleinem Museum und Verkaufsräumen beheimatet ist. So habe ich mir dann die hübschen Trachten angeschaut, jedoch keine käuflich erworben. Zu selten würden sich für mich Gelegenheiten ergeben, Tracht zu tragen, zumal ich ja in Norddeutschland beheimatet bin. Gefallen hätten sie mir dennoch..

Das Hotel Cool Mama

Genächtigt habe ich im Hotel Cool Mama, was direkt an der Salzburger Messe gelegen ist. Für vorrangig touristische Besuche liegt es nicht zentral , jedoch befindet sich ein ´Straßenbahnanschluss in unmittelbarer Nähe, weshalb man innerhalb von 25 Minuten bequem die Altstadt erreichen kann. Ich wählte es aus, weil mich die sehr moderne Zimmergestaltung überzeugt hatte, die gerade deshalb, weil ich zuvor in Berchtesgaden in einer eher rustikaleren Atmosphäre genächtigt hatte, begeisterte. Auch das wunderbare Frühstücksbuffet überzeugte, sodass ich dort jederzeit wieder nächtigen würde.

Buchtipp:

Kampl, Sibylle/Kühberger, Christoph (Hrsg.): Schaulust – Die Unerwartete Welt des Markus Sittichs. Salzburg 2016

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