Edfu-Tempel und Kom Ombo

Horusgrüße im Edfu-Tempel

(29.12) Das „Anubis Oracle“ beinhaltet eine Karte, die „Sobek and Horus“ betitelt ist. Sobek ist der Krokodilsgott, der mir in Kom Omba u.a. in Gestalt von Krokodilsmumien begegnen wird. Horus ist der Sohn von Isis und Osiris und in einer älteren Variante der Gott Unterägyptens.

Nicki Scully and Linda Star Wolf: The Anubis Oracle, Vermont 2008

Doch bevor ich euch über ägyptische Mythologie erzähle, fahren wir erst einmal mit einer Kutsche, vor der ein recht bemitleidenswerten Pferdchen gespannt ist, vom Schiffsanleger der Nilschiffe, zur Tempelanlage von Edfu.

Die Kutschen stehen bereit.

Der Tempel von Edfu

Die Händler, vor dem Tempelbereich, waren leider recht dreist. Obwohl ich absolut kein Interesse an irgendwelchen Bauchtanztüchern bekundete, wurde mir eines „als Geschenk“ aufgedrängt, allerdings mit der unmissverständlichen Aufforderung nach der Besichtigung beim entsprechenden Souvenirshop vorbeizukommen. Am Ausgang wurde ich dann erwartet, wollte erneut das Tuch zurückgeben, was wieder heftig abgelehnt wurde. So ging ich also weiter Richtung Bus, wurde dann aber von einem anderen Herren angesprochen, der das Tuch zurückhaben wollte, weil es angeblich ihm gehörte, woraufhin ich dann umdrehte, zum ursprünglichen Verkäufer ging und ihn das dämliche Tuch gab. Diesmal wurde es dann angenommen.

Was für ein widerliches Geschäftsgebaren! Solche Erlebnisse verleiden einem das moderne Ägypten und selbst wenn die Tempelanlagen noch so eindrucksvoll sind, kann hier kein entspanntes Genießen aufkommen.

Sicherlich gibt es auch in anderen Ländern aufdringliche Händler mit merkwürdigen Geschäftsgebaren. Dieses hier war aber verlogen und aggressiv, eine Mischung, die ich nicht unbedingt schätze!

Glücklicherweise ist der eigentliche Tempelbereich dann frei von Händlern, sodass sich die monumentale Architektur störungsfrei bewundern lässt.

Auflösung ist im Gange

Set(h) zerstückelt Osiris und verteilt seine Teile über ganz Ägypten. Isis gibt Anubis die Anweisung die einzelnen Leichenteiche zusammenzusuchen. Anubis kommt dieser Aufforderung nach, nur der Phallus von Osiris bleibt unauffindbar und muss durch einen künstlichen aus Gold ersetzt werden. Osiris, der nun aber nicht mehr Gott der Fruchtbarkeit, sondern Herr der Unterwelt sein muss, wird von der Göttin Isis belebt. Als Herr der Unterwelt führt er die Toten durch sein Reich und wie verwerflich man die Tat von Set auch beurteilen mag, so muss man dennoch erkennen, dass Set(h) derjenige war, der Osiris durch eine schamanische Zerstückelung erst zum mächtigen Herrscher des Totenreiches initiiert hat.

Osiris ist die universelle Lebenstätigkeit, sie sei irdisch oder kosmisch. In der sichtbaren Form eines Gottes steigt er hinab in die Welt der Toten, um ihnen die Wiedergeburt und endlich die Auferstehung in die iosirische Herrlichkeit zu versprechen, denn jeder gerechtfertigte Tote ist ein Lebenskeim in den Abgründen des Kosmos, genauso wie das Weizenkorn ein Lebenskeim im Schoß der Erde ist.

Champdor, Albert: Das Ägyptische Totenbuch in Bild und Deutung, Bindlach 1992, S. 27 f.


Horus d. Ältere und Horus d. Jüngere

Set(h) wird auch als Nilpferd dargestellt und wird als solches von Horus, dem Sohn der Isis und des Osiris, als Rache für die Zerstückelung seines Vaters, mit zehn Harpunen getötet. Dieser Mythos wird u.a. im Tempel von Edfu dargestellt.


In älteren Zeiten jedoch wurde Set(h) nicht negativ angesehen, wie es in Edfu der Fall ist. Horus war auch nicht der Sohn von Isis und Osiris, stattdessen standen sich Set und Horus als Haupt-Götter gegenüber. Horus war der Gott Unterägyptens, wohingegen Set Oberägypten repräsentierte. Die Reiche bekämpften sich, bevor sie sich vereinigten.

Um hier zu unterscheiden spricht man von Horus d. Älteren (oder HarWer oder Haroeris) und Horus d. Jüngeren. Der Tempel von Edfu ist in griechischer Zeit erbaut worden und bildet den Kult von Osiris ab. Der falkengestaltige Horus ist hier der Sohn von Osiris. In Kom Ombo wird uns Horus d. Ältere begegnen, obwohl auch dieser Tempel aus griechischer Zeit stammt.

Geschichtliche Entwicklungen verlaufen nicht linear und immer wieder wird man dabei mit Gleichzeitigkeit konfrontiert werden, wo Sedimente einer früheren Zeit parallel zu neueren Entwicklungen bestehen.

Schiffsbesichtigung

Am Nachmittag gibt es eine Schiffsbesichtigung und die Gäste der Minerva dürfen dabei nicht nur dem Kapitän auf der Brücke besuchen, sondern auch die fleißigen Helfer in der Küche. Die versichern uns, dass die Speisen und Getränke mit Mineralwasser und nicht mit Nilwasser zubereiten werden. Der Durchfall mit den viele Ägypten-Reisende zu kämpfen haben, ereilte mich dann nach meiner Rückreise in Deutschland dennoch.

Gegen Abend erreichen wir das malerisch gelegene Kom Ombo, dessen Tempelanlage direkt am Schiffsanleger liegt.

Die Nilschiffe ankern in Reihen hintereinander, sodass man von Deck zu Deck schauen kann und beim Betreten und Hinausgehen die jeweiligen Hotelschiff-Lobbys durchqueren muss.
Hier parken sechs Schiffe in einer Reihe!

Kom Ombo

Sind das nicht malerische Ausblicke?

Der Tempel von Kom Ombo stammt aus der Zeit der Ptolemäer und wurde noch unter den Römern vervollständigt. Das Heiligtum befindet sich auf einem alten Kult- und Siedlungsplatz, der die Menschen durch einen breiten Fruchtlandstreifen schon früh zur Sesshaftigkeit animiert hat.

Mein Reiseführer schreibt:

Das Heiligtum von Kom Ombo weist eine architektonische Besonderheit auf, denn statt der üblichen Mittelachse finden sich hier zwei. Zweimal schützt die geflügelte Sonnenscheibe in der Hohlkehle den Eingang zum Säulensaal, zwei Prozessionswege führen bis zu den beiden Allerheiligsten. Zwei Götterfamilien haben sich in Kom Ombo zu einer Wohngemeinschaft zusammengefunden.

Haroeris (Horus, der Ältere) ist eine der Erscheinungsformen des Falkengottes Horus. Gemeinsam mit seiner Göttergattin Ta-senet-nofret (die schöne Schwester) und dem Kind Pa-neb-Taui (der Herr beider Länder) – bewohnt er eine Hälfte des Tempels. Der krokodilsgestaltige Gott Zobel mit seiner Familie herrschte in der zweiten Hälfte.

Kreißt, Barbara: Flusskreuzfahrten Nil. Unterwegs zwischen Kairo und Abu Simbel, Berlin 2017, S. 192

Mir schwirrt der Kopf und so schaue ich mir die eindrucksvollen Krokodilsmumien im kleinen Museum, direkt beim Tempel, noch an, bevor ich mich dann auf dem Schiff von all den Händlern, Heiligtümern und Göttern erhole.

In der Nacht tuckerte das Schiff weiter nach Assuan.

Wer meine Nilkreuzfahrt von Anfang an miterleben möchte, starte hier. Oder lasst euch von Kenneth Anger auf eine „magische“ Nilkreuzfahrt einstimmen: hier!

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