Einmal quer durch Deutschland: Von Thüringen in die Eifel

Abenteuer mit der Deutschen Bahn erleben!

(26.07.2018) Der Tag gestaltete sich anstrengend. Mit der Bahn wollte ich von Eisenach nach Gemünden. Die Bahnauskunft zeigte mir ein dreimaliges Umsteigen an und ich ahnte schon Schlimmes, weiß ich als routinierte Nutzerin öffentlicher Verkehrsmittel doch, dass jeder Wechsel der Verkehrsmittel mit  unvorhersehbaren Risiken verbunden ist. Diese sind mit den Stichworten  “Verspätungen” und “Suche nach der richtigen Abfahrtsstelle” treffend umschrieben.

Meine schlechten Vorahnungen wurden übertroffen. Schon der erste Zug kam mit Verspätung in Wiesbaden an, sodass der Folgezug nach Köln für mich nicht mehr erreichbar war.  Sämtliche anderen regulär fahrenden schnellen  Züge fielen,  wie mich  die Anzeigetafel erbarmungslos informierte,  “wegen einer Baustelle”  aus, sodass ich mit dem Bummelzug nach Köln fahren musste.

Immerhin war die Landschaft pittoresk. Das Bähnchen zuckelte  am Rheinufer entlang und ich war von der Schönheit der Landschaft entzückt.

Rhein

Ich hatte ja einmal im Westerwald, in Hachenburg und in Montabaur gewohnt, war in dieser Zeit aber merkwürdigerweise nie bis nach Bingen und Rüdesheim a. Rhein gekommen, obwohl dies ja nicht allzu weit vom Westerwald entfernt gelegen ist. Allerdings waren meine  Kinder damals eben klein und ich war mit der (nicht vorhandenen) Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben vollends beschäftigt, zumal ich alleinerziehend war.

Im Zug beschloss ich die entgangenen Ausflugs- und Urlaubsfreuden alle nachzuholen.

In Köln ging  es dann weiter mit dem Bummelzug nach Trier, den ich – soweit der Plan – bis Krall genießen wollte. Da der Zug dann auf der Strecke eine 10minütige Pause wegen Überhitzung einlegen musste, verpasste ich, wie auch viele andere Fahrgäste, den Bus, der von Krall nach  Gemünden/Schleiden fahren sollte. Nun saß ich also eine Stunde am Bahnhof in Krall – bei glühender Hitze  -f est. Ich kaufte mir in der Bahnhofsbäckerei ein belegtes Brötchen und bekam dieses von einem jungen Mädchen so dermaßen lieblos “serviert”, dass ich schon vom Kauf mit den Worten “Appetit vergangen” zurücktreten wollte, davon aber Abstand nahm und dieses Erlebnis hier immerhin mit euch teilen möchte, weil diese Unfreundlichkeit so dermaßen selbstverständlich von ihr ausgelebt wurde, dass ich anfing mich zu fragen, ob dies Eifeler Gemütsart wäre? 

Mit dreistündiger Verspätung kam ich schließlich in Gemünden an. (Mittlerweile habe ich die Zugtickets bei der Servicevertretung Fahrgastrecht eingereicht, aber bisher noch nicht einmal eine Bestätigung erhalten.  Normalerweise sollte ich die Hälfte des Fahrpreises erstattet bekommen. Ich warte geduldig ab!)

 

Ferienpark Gemünden

Die Ferienanlage in Gemünd liegt auf einem Berg, wovor mich schon diverse Internetbewertungen  gemahnt hatten, allein ich hatte nicht hören wollen. Vor Ort gestaltete sich die Lage dann dramatisch. Immer an der Landstraße, die laut Beschilderung mal ein alter Römerweg gewesen war, hinauf (und dies mit Gepäck) kam ich an die Grenzen meiner physischen Belastbarkeit. Glücklicherweise hatte ein Autofahrer Mitleid mit mir und bot mir – auf halber Bergstrecke – an, mich nach oben zu befördern. Ich wäre nich die einzige, die sich hier den Berg hochquälen würde. 

Nachdem der Autofahrer meinen ersten Eindruck von der vermeintlich mürrischen Mentalität der Bevölkerung in der Eifel revidiert hatte, begrüßte mich auch an der Rezeption ein überaus freundlicher  junger Mann mit allen notwendigen Informationen und versorgte mich mit allen notwendigen touristischen Informationen über die Region.

Die Ferienwohnung war  fantastisch, sodass ich zuerst  in Begeisterungsstürme ausbrach, bis sich die arabische Großfamilie, die wohl in mehreren Wohnungen untergebracht war, am Abend auf die Balkone begab und sich überaus lautstark  und von einem zum anderen Balkon in einer Weise unterhielt,die für mich mit “Streit” assoziiert ist, bei ihnen aber wohl unter “normale” Unterhaltung fällt. Erholung und RUHE geht anders, zumal der Ferienpark auf seiner Webpräsenz mit einem “ruhigen Wohnumfeld” wirbt. Flüchtlingsunterbringung oder Medizintourismus?, fragte ich mich verstört.

Gemünden/Schleiden

Da der Supermarkt unterhalb des Berges liegt, die Ferienanlage auch keine Einkaufsmögichkeit besitzt, wartete ich am nächsten Morgen auf den Brötchenwagen, der dann auch mit fast 20minütiger Verspätung angefahren kam. In der Eifel muss man Geduld haben, lernte ich. Die Dame fragte mich im Übrigen dermaßen unwirsch nach Kleingeld, sodass ich mich fast für meinen Kauf und die damit verursachten Umstände entschuldigen wollte. 

Ich muss nicht erwähnen, dass der Wagen nur an drei Tagen in der Woche die Ferienanlage anfährt und, außer Teigwaren, auch keine weiteren Waren anbietet.

Beim Frühstück, was durch die Putzgeräusche der Raumpflegekolonne genauso gestört wurde, wie durch die Gespräche der Nachbarn, diesmal in holländischer Mundart,  lese ich im Freizeitführer, dass es in Gemünden eine Galerie gegen “Rechts” gibt. Im Vorstellungstext kommt dann auf kleinsten Raum so ziemlich jedes Wort, was momentan ideologisch gehypt wird und Fördergelder generiert, vor.  Ich spiele Bullshit-Bingo, bevor ich mich zur ersten Wanderung  aufmache.

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