Eisenach: Meine persönlichen Höhepunkte!

Über die Wartburg und das intuitiv von mir als lohnenswerte erachtete Reuter-Wagner-Museum hatte ich ja schon hier geschrieben.

Am zweiten Tag meines Aufenthaltes in Eisenach (24.07.2018)  ließ ich mich einfach treiben und schaute, wohin mein Weg mich führen würde. Als festen Programmpunkt hatte ich nur die Stadtführung eingeplant, bei allem Weiterem folgte ich meiner inneren Stimme.

Die Stadtführung in Eisenach

Der Mythos einer jeweiligen Kultur stellt (…) den Prägestock dar, der für das Heimatempfinden maßgebend ist. Diesem Prägestock entspringen erst jene Elemente, die wir gemeinhin als heimatstiftend bezeichnen: der räumliche, der zeitliche, der soziale und der kulturelle Aspekt. In den alten Dorf- und Stadtkernen schlummert noch der Geist des Mythischen. Zumindest erkennt man, dass ohne ihn nicht wäre, was heute bewundert wird. Dieses Mythisches ist aber nicht anderes, als die zum Bild gewordene Rückbindung.  (Mohr, Volker: Der Verlust des Ortes. Schnellroda 2011, S.57)

So suchte ich also das Alte und Gewachsene, was mich mit dem Ort verbinden würde, nicht das Neue. Stadtführer wissen darum, dass der Tourist gemeinhin nicht die austauschbaren Glas- und Konsumpaläste favorisiert, genauso wenig wie die modernen Wohnbaracken,  und tragen dem Rechnung.  In Eisenach fällt das nicht schwer, schließlich hat man, nach dem Zusammenbruch der DDR,  die Kernstadt wieder neu renoviert.

Der Marktplatz wurde 1999/2000 saniert und glänzt mit denkmalgeschützten und mittlerweile wieder schmucken  Häusern.  Die Touristikinformation ist im ehemaligen Stadtschloss, was im Auftrag von  Herzog Ernst August  ab 1743 erbaut wurde, untergebracht. Dort beginnt auch die ungefähr zweistündige, sehr informative  Führung (genauere Informationen: hier).

Das Rathaus ist im Renaicance-Stil errichtet. Eine Steinmetzarbeit fesselt meine Aufmerksamkeit. Sie zeigt dem ewigen Kampf des Guten gegen das Böse und scheint tief verwurzelt in einem dualistischen Weltbild zu sein.

Das  sogenannte Schmale Haus am Johannisplatz 9  wird leider nicht mehr bewohnt.

Martin Luther darf auch nicht fehlen.

Martin Luther

Bei der Stadtführung sieht man die Gebäude vorrangig von außen, bekommt aber eine Idee vermittelt, was man sich vielleicht noch genauer anschauen möchte.  Das Lutherhaus habe ich diesmal nicht besichtigt.

Lutherhaus, Eisenach

Auf viele spannende Details werden wir aufmerksam gemacht. Hier sägen beispielsweise Max und Moritz fleißig an  einer Hausfassade in der Nähe des Nikolaitores.

Max und Moritz

Die Stadtführerin macht uns  zum Schluss noch   auf ein Gründerzeithaus aufmerksam, das einen Spruch (von 2007)  unterhalb des Giebels ziert, dessen Weisheit man bedenken soll, schließlich leben wir zunehmend in einer Gesellschaft, wo jeder nur sich selbst verpflichtet zu sein  scheint und wir zu einer Gesellschaft von Einzelwesen verkommen sind. Schön auch, dass das Haus damit personalisiert und beseelt wurde:

Weil jedes Teil das andere stützt, konnt ich Jahrhundert’ stehn, wenn jeder so dem Ganzen nutzt, wird keiner untergehn.

Eisenach, Hausansicht

Das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach

Wir erinnern uns: Fürstenhörigkeit wurde von Heinrich von Ofterdingen im Sängerkrieg verweigert.  Dies machte die Wartburg für die Studenten, die sich 1817 und 1848 auf der Wartburg trafen,  u.a.  symbolisch  interessant. Auch Martin Luther, der auf der Wartburg weilte, hatte sich für die “Freiheit eines Christenmenschen” ausgesprochen, was von den Bauern, entgegen der Absicht des Reformators, durchaus politisch verstanden wurde und zum Bauernkrieg führte. 1817 jährte sich der Thesenanschlag Martin Luthers zum 300sten Mal, was, genauso wie das Gedenken an die Leipziger Völkerschlacht (1813), Anlass für das erste Wartburgfest gab, in dem sich gegen reaktionäre Fürstenpolitik und für den Nationalstaat ausgesprochen wurde.

Das Burschenschaftsdenkmal hatte ich schon von der Wartburg aus gesehen und für mich kristallisierte sich heraus, dass die allseits touristisch beworbene Drachenschlucht mich heute nicht sehen wird und ich stattdessen dem Ruf des Burschenschaftsdenkmals folgen wollte.

Die Wartburg, das Hambacher Schloss und auch die Frankfurter Paulskirche  sind Symbolorte für einen freiheitlich-demokratischen Geist, den unser Land, auch heute noch,   dringend benötigt.

Im Frühjahr war ich ja schon beim Hambacher Schloss gewesen (hier!). Dieses  gilt  wegen des 1832 dort ausgerichteten  Festes als wichtigstes Symbol der deutschen Demokratiebewegung, was in der Veranstaltung  “Neues Hambacher Fest” erneut bekräftigt wurde. Dabei sollte  sich darauf besonnen werden,  dass wir unseren Kindern und Enkeln ein Deutschland und Europa übergeben wollen, “dass noch so frei und lebenswert ist, wie das, was wir selbst als Kinder geschenkt bekommen haben und in dem wir das Glück hatten und noch immer haben, leben zu können.” (Jörg Meuthen, Rede beim Neuen Hambacher Fest 2018).

Doch zurück zum Eisenacher Burschenschaftsdenkmal. Um dieses  zu erreichen, muss  erst einmal das Villenviertel passiert werden.

Manche Fassade sieht recht adrett aus.

 

Villa, Eisenach

Der Fürstenhof mit Blick auf die Wartburg hat indes schon bessere Tage gesehen und soll, nach dem Willen des Investors,  fast vollständig abgerissen werden (hier!).   Hier wiederholt sich ein Umgang mit historischer Bausubstanz, der in ganz Deutschland Schule macht:  Erst steht ein ehemaliger Prachtbau  jahrelang leer und danach erklärt man Teile der nun verwahrlosten Bausubstanz für so marode, dass nur noch ein Abriss helfen kann. Der Denkmalschutz wird aufgehoben  und schon ist der Weg frei,  um lukrative Neubauten in bester Lage zu bauen. Immerhin scheint die Stadt einen Komplettabriss nicht zustimmen zu wollen (hier!), was Anlass zu einem kleinen Hoffnungsschimmer gibt.

Wenn ich sehr reich wäre, würde ich ein solches Gebäude retten wollen, zumal es an Nutzungsmöglichkeiten nicht mangeln würde, schließlich ist immer noch ein  Bedarf an Kurhotels mit medizinischen und/oder prophylaktischen Anwendungen vorhanden. Das Problem ist nur, dass die  Kuren, seit die Krankenkassen sich aus einer Finanzierung  zurückgezogen haben,  für die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr bezahlbar sind,  weshalb, wenn überhaupt,  in das osteuropäische Ausland ausgewichen wird.  Auch hier läuft einiges falsch!

Fürstenhof, Eisenach

Doch dann  endlich taucht das  1902 errichtete Denkmal auf der Göpelskuppe vor mir auf.  Sieht es nicht erhaben aus? Die neun Säulen sollen die deutschen Burschenschaften symbolisieren. Zusammengehalten werden sie von einem Architrav, das mit den Worten “Ehre. Freiheit. Vaterland” beschriftet ist.  Weiter oben zieren neun Köpfe bedeutender Männer der Geschichte das Denkmal: Hermann, Karl der Große, Luther, Dürer, Goethe und Beethoven.

Burschenschaftsdenkmal, Eisenach

 

Das Innere betrete ich durch eine Tür mit der Innschrift “Dem geeinten Vaterlande”.  In der Kuppel des Burschenschaftsdenkmal befindet sich ein Deckengemälde, dass den Kampf der Asen gegen die Mächte der Finsternis zeigt: Ragnarök, die germanische Götterdämmerung, ist hier dargestellt. In der Interpretation um 1900 folgt dem Untergang der Sieg des Lichts. Drei Götter kehren aus dem Reich der Hel zurück: Hönir, Balder und Hödur, der nur durch die List von Loki zum Brudermörder wurde.

Fazit: Allein für die Ansicht dieses Deckengemäldes lohnt der Aufstieg.

Mehr Infos gibt es hier: www.denkmalerhaltungsverein.de

Johann Sebstian Bach Museum

Johann Sebastian Bach

Nachdem mir, nicht nur die Stadtführerin, sondern  auch die freundliche Dame beim Burschenschaftsdenkmal, das Johann Sebastian Bach Museum ans Herz gelegt hat, bin ich pünktlich zur stündlichen Demonstration von barocken Musikinstrumenten dort.Bachhaus, Eisenach

Altes Wohninterieur lässt sich ebenfalls bestaunen und wenn man dann gänzlich erschöpft ist, kann man sich in eine Hörmuschel fallen lassen und der Musik von Johnann Sebastian Bach lauschen, was auch einen adäquaten Abschluss für einen erlebnisreichen Tag darstellt.

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