Fischreiher und die romantische Philosophie!

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Ruth Meisners Fischreiher, die jetzt als Nachguss im Stadtpark in Hannover stehen, waren ursprünglich für die Maschseequelle in Hannover gedacht.

Glück gehabt: Wenn sie dort nämlich stehen würden, wäre meine ganze  kurzweilige Interpretation der Figurengruppen am Maschsee, die ich im Gedankenspiel als begehbare Illustrationen zu Nietzsches Zarathustra ansehe,  nicht annähernd logisch nachvollziehbar gewesen.

Schließlich halte ich es von Zeit zu Zeit wie der Protagonist von Ludwig Tiecks Bildungsroman „Franz Sternbalds Wanderung“, der die Vorgänge im eigenen  Ich auf die Außenwelt in einer ästhetisch verwandelten Form projiziert , die dann

„mit goldenem Schlüssel die Kammern unseres Geistes eröffnen, und uns die Schätze zeigen, die wir selbst noch nicht kannten. So entsteht ein (…) wohltuender Umgang mit uns selbst.“ (Thalmann, Hrsg., Bd. 1, München o. J., S.865 f.)

Momentan haben Fischreiher bei mir im Außen nichts zu suchen, dachte ich zumindest, bis ich im Vogelorakel-Buch von Harald Knauss lesen musste, dass Kraniche, die ich mal ganz kreativ und zoologisch nicht ganz korrekt als Synonym für die Fischreiher annehme,  in sich zwei anscheinend widersprüchliche Eigenschaften vereinigen. Sie stehen gerne auf einem Bein, weswegen sie einen Menschen gleichen, der innehält, um die Welt zu bedenken, gleichzeitig sind sie durch ihrem Vogelzug  in der bildenden Kunst zum Inbegriff der romantischen Sehnsucht geworden.

Und so stelle ich fest, dass der Kranich letztendlich  das  adäquate schamanische Helfertier für eine romantisch inspirierte Philosophin darstellt. Damit fühle ich mich gut charakterisiert und finde Bestätigung darin,  Begegnungen, Erlebnisse und Fundstücke  auf Spaziergängen und Wanderungen als Orakel  ansehen zu können. Versucht es doch auch einmal!

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