Flucht aufs Land?

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Letztes Jahr musste ich leider erleben, wie – wiederholt – ein albanischer Nachbarsjunge meine Kinder (sicherlich auch keine Unschuldsengel!) geschlagen und bedroht hat. Nun ist es so, dass meine Kinder darüber lachen, ich aber dennoch befürchte, dass eben dieser “Junge von Gegenüber”, der nur auf Konfrontation aus ist und der sich auf Ansprache vollkommen uneinsichtig zeigt, letztendlich “gefährlich” werden könnte. Denn auch hier muss ich keine Hellseherin sein, um bei ihm Straftaten im Bereich der Körperverletzung vorherzusehen.

Was also ist zu tun? Ich rufe die Polizei an, versuche eine Vermittlung zu erreichen. Doch was sollen sprachliche Präventionsmaßnahmen greifen, wenn diese Klientel – aus welchen Gründen auch immer – sprachlos ist und nur mit körperlicher Gewalt brachial agieren kann. Wir sind Nachbarn, aber wir haben keine gemeinsame Kommunikationsmöglichkeit!

Ich bin müde von solchen Konflikten und auch müde von einer Politik, die das Migrationsproblem in den Städten nicht wahrnehmen möchte. (Und nein, ich bin nicht “rechts” eingestellt!)

Die Lebenswelten passen nicht zusammen und werden auch nicht zusammenwachsen, denn dazu hätten sie auch in den vergangenen dreißig Jahren genug Zeit gehabt. Das ohnehin schon vorhandene Szenario, dass die Städte in den Außenstädten zunehmend islamisiert-bildungsferne Parallelwelten bilden, während in den südlich gelegenen Stadtbezirken eine junge Schicht aus Kreativen schicke Loft-Appartements bewohnt, die spätestens dann, wenn das erste Kind schulpflichtig geworden ist, die Stadt fluchtartig Richtung “Speckgürtel” verlässt, wird sich verstärken.

Ich arbeite an einer Schule mit gefühlten 98 Prozent Migrationskinderanteil. Was soll ich da noch integrieren? Das türkische mit dem libanesischen Kind? Jede/r, bis auf die entscheidungsbefugten Politiker, kann sicherlich nachvollziehen, dass Kinder, die zu Hause kein Deutsch sprechen, das Lernniveau absenken und mit Unterrichtsstörungen von den eigenen Defiziten ablenken.

Doch das Scheitern wird privatisiert. Die Kinder wollen ja lernen, sagen Vertreter der Landesschulbehörde, und die betreffenden LehrerInnen sind schuld daran, wenn das Lernziel nicht erreicht und die Quadratur des Kreises nicht möglich gemacht wird.

Doch meine KollegInnen und ich sind schon jetzt ”am Boden” angekommen, dachten wir zumindest, aber – wie mir LehrerInnen berichteten, die zur Hauptschule abgeordnet worden sind (freiwillig geht da ja auch niemand mehr hin!) – es geht noch tiefer!

Deutschland verdummt und, anstatt in Bildung zu investieren, wird “Ganztagsbetreuung mit Suppenküche” angeboten, das ganze Gebilde “integrierte” Gesamtschule genannt und gehofft, dass nicht auffällt, um was für ein gesamtgesellschaftliches Lügengebilde es sich dabei handelt. Und während dort idealistische KollegInnen verschlissen werden, fordert die Wirtschaft (und damit ja auch die Politik) hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland an, anstatt hierzulande in eine humanistische Bildung zu investieren, was auch voraussetzt, dass die Folgen der fehlerhaften Migrationspolitik des letzten Jahrhunderts repariert werden. Das geht nur mit viel Geld, welches für Sprachförderung und Sozialarbeit ausgegeben werden muss und mit der Einsicht, dass manche Einwandererkinder nicht integriert werden wollen. Wenn ein Schüler seinen Aufsatz mit der Aussage beginnt: “Ich bin ein stolzer Türke”, dann sollte es ihm ermöglicht werden, dort – und nur dort – sich zu verwirklichen.

Statt mich hier aber ungehört aufzuregen, sollte ich es dagegen vielleicht wie Paul Virilio machen, der – nachdem er die Stadt als Schauplatz der Zerstörung wahrgenommen hat – in die Provinz umgezogen ist. ”Die offene Stadt, Kosmopolis, weicht der Klaustropolis”, steht bei Amazon als Kurzbeschreibung zu Virilios Essay “Panische Stadt”, das bei mir ganz oben auf der Liste der noch zu lesenden Bücher steht.

Doch leider wurde mein Versetzungsantrag nach Ostfriesland erst einmal abgelehnt. Man braucht mich hier noch!

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