Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder.

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Ein künstlerischer Reibungsversuch. 2. Teil

Kunst die Klischees bedient ist kitschig. Hundertwassers Kunst ist kitschig, was nach meiner Definition nichts anderes meint, als dass es sich um eingängige Bilder handelt, die letztendlich nur bekannte Sehgewohnheiten bedienen, anstatt aufzurütteln.

Letzteres ist mein eigener Anspruch an Kunst, wobei ich jedoch von der gegenwärtigen Konzeptkunst, die eben dies verwirklichen will,  genervt bin, wird hier nämlich – zumindest in vielen Fällen- das eigene künstlerische Schaffen einer vorher ausschließlich verstandesmäßig erzeugten Idee untergeordnet.

Was dabei herauskommt wirkt auf irgendeine Art und Weise auf mich „seelenlos“ und Hundertwasser hätte mir in meiner Einschätzung sicherlich beigepflichtet, schließlich wandte er sich zeit seines Lebens wiederholt gegen eine „verintellektualisierte“ Kunst.

So lese ich mich also durch seine vielen (!!!) Texte und stelle überrascht fest, dass er durchaus einem ernstzunehmenden politisch-ökologischen Anspruch vertrat.

Insofern kann seine Kunst also doch kein Kitsch sein, resümiere ich.

Woher kam dann aber mein erster Eindruck?

Meine Vermutung ist diese: Vielleicht liegt dieses „Kitsch“-Gefühl in Bezug auf Hundertwasser, das ja nicht nur mich, sondern auch andere befällt, an einer gewissen Überreizung mit Hundertwasser-Motiven. Jeder Kindergarten führt schließlich unbarmherzig sein Hundertwasser-Mosaik-Projekt durch, wobei ich die gutgemeinte-pädagogische Legitimation dafür niemanden absprechen möchte; jedoch solltet Ihr wissen: Irgendwann reicht es!

Mit dem Überangebot an Hundertwasser-Spiralen ist diese Kunst „profan“ und zum Tassen- und Kalender-Aufdruck vorkommen. Wenn ich mich von diesem Vermarktungs-Müll befreien kann, der von Hundertwasser als Marketing-Profi in seiner Spätphase legitimiert worden ist (der Kapitalismus siegt anscheinend immer!), kann ich seine bunte Kunst  durchaus genießen. Manchmal braucht der Mensch eben auch Kitsch, womit ich hiermit den Gartenzwerg erneut hochleben lasse, um sich heimisch in einer Welt zu fühlen, die manchmal eben nur „schöngefärbt“ erträglich ist.

Doch ich verhake mich in Ambivalenzen. Immer wenn ich mich mit der Kunst von Hundertwasser konfrontiere, gewinnt ein Gefühl an Dominanz, was ich mit  dem Adjektiv „überzuckert“ beschreiben möchte und was einen unangenehmen Zustand meint, der bei Kindern auftritt, die zu viele Bonbons gegessen und danach über Magenschmerzen klagen müssen.

Was zuviel ist, ist zuviel: Bitte baut keine Hundertwasser-Epigonen-Häuser mehr. Nutzt doch eure eigene Kreativität, die durchaus kitschig sein darf. Lockert die Bauvorschriften und ihr werdet überrascht sein, wie bunt und vielfältig dieses Land sein kann. Kreiert eure eigenen Symbole und besprüht sie mit Glitzerpulver. Malt Gartenzwerge an die Wände!

Hundertwasser hat  selbst gesagt:  „So lange die Lebenswelt des Menschen und die Harmonie mit der Natur in erster Linie funktional unvollständig und ihrem Charakter nach prekär sind, dienen auch Romantik, Schönheit und Kitsch als stetige oder als vorläufige Ersatzmittel.“ (Hundertwasser: Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben. Schriften 1943 – 1999. München 2004. S. xx)

So stimme ich Hundertwasser hiermit zu.

Mein „künstlerischer Reibungsversuch“  könnte für heute versöhnlich schließen, wenn nicht „Die Zeit“ über Kitsch in der gegenwärtigen Kunst folgendes geschrieben hätte:

  • Selbst ein angesehener Philosoph wie Konrad Paul Liessmann lässt keinen Zweifel mehr daran, dass die einstige Abscheu in allgemeines Wohlwollen umgeschlagen ist. »Nicht länger gilt mehr, dass Kitsch keine avancierte Kunst sein kann. Im Gegenteil: Spätestens seit Jeff Koons wissen wir: der Kitsch selbst ist nun die Avantgarde.“ // Gemeint ist damit, dass Künstler wie Jeff Koons oder auch der popbunte Comicmaler Takashi Murakami keinen naiven Gartenzwerg-Kitsch machen, auch wenn ihre Werke gelegentlich so aussehen. Nein, sie unterhalten ein hoch reflektiertes Verhältnis zu ihren massenkompatiblen Gegenständen. Und tun, was die Avantgarde immer schon tat: Sie erweitern den allgemeinen Kunstbegriff, sie hinterfragen die üblichen Geschmacksvorstellungen und im Zweifel auch das Bewusstsein. Anders gesagt: Ihr Kitsch ist eine Form von Kritik. So jedenfalls wird es von zahlreichen Galeristen, Museumskuratoren und auch Theoretikern gesehen. (http://www.zeit.de/2012/43/Koons-Richter-Hundertwasser-Kunst-Kitsch, besucht am 31.05.2013)

Das wiederum geht mir in der Tat zu weit, vermute ich hier einmal, dass die angeblich veranschlagte „Erweiterung des Kunstbegriffes“ eventuell nichts anderes sein kann, als das Hirngespinst eines hektischen Kunstmarktes und dessen eilfertigen Lakaien.

So bin ich hier an das bekannte Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ erinnert , in dem niemand genug Verstand aufweist, den nackten Kaiser als „nackt“ zu bezeichnen, was er in der Tat ist. Nur ein Kind traut sich auszurufen: „Aber er hat ja gar nichts an.“

Insofern plädiere ich dafür, den Kitsch ehrlich als solchen zu benennen und sich dabei in keinerlei  intellektuellen Ausflüchte zu ergehen. Habt einfach Spaß damit. Fertig.

Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder!

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