Georg Kolbe, der Tanz und andere Entdeckungen

Der Georg-Kolbe-Hain ist ein magisch anmutender Platz. Dionysos ist hier zu Hause und sicherlich noch viele andere magische Gestalten.

Ursprünglich war er als ein kleiner Landschaftspark angelegt worden, der die niedersächsische Landschaft nach Berlin holen sollte, ähnlich wie wir in Hannover den Hermann-Löns-Park kennen, der die Weite Norddeutschlands in die Landesshauptstadt holt. In Berlin jedoch wurde das Konzept aufgegeben und der kleine Park in den 50ziger Jahren Georg-Kolbe umgewidmet. Das Eingangsportal mit seinen Pferde-Giebeln zeugt jedoch noch von der ursprünglichen Intention des Gartengestalters.

Mir selbst war, auch schon vor meinem Besuch, Georg Kolbes Geschwisterpaar am hannoverschen Maschsee  bekannt, wo Mann und Frau gleichermaßen stark wie auch ansprechend dargestellt werden, was auch in der heutigen Zeit, wo Frauenbilder mehrheitlich die Ikonographie der Verführung und dümmlichen Unterordnung bedienen, selten ist.

Georg Kolbe hat sich mit der inneren Stärke des Menschen, egal ob Mann oder Frau,  auseinandergesetzt. Wie manifestiert sich das in der Körperlichkeit und wie lässt sich dies  künstlerisch darstellen, waren wohl Fragen, die ihm bewegt haben. Während sich im  Skulpturengarten seines ehemaligen Wohnhauses die Tänzerin  noch leichtfüßig über die Wasserdämonen erhebt, ringt Zarathustra schon kraftvoll mit sich selbst, um zum Übermenschen zu werden. Auch die Frau, die sich über die Natürlichkeit erhebt, erscheint gleichermaßen schön wie auch stark. All dies zeugt u.a. auch von Georg Kolbes intensiver Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche, was nicht nur ein Zeitphänomen war, sondern ihm, auf einer persönlichen Ebene, half, sich über den Verlust seiner geliebten Frau hinwegzutrösten.

Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, ganz und gar anders, fand ich später dann auch in der Pina-Bausch-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Die Ausstellungshalle war für mich eine architektonische Entdeckung; die Ausstellung an sich ging jedoch nicht in Resonanz mit mir. Vielleicht liegt es daran, dass für mich Tanz ein Ritual ist und deshalb Tanz niemals Theater sein kann, der Darsteller und Zuschauer voneinander abtrennt und immer unterhaltend sein will? Darüber hinaus, so meine Überzeugung,  lässt sich Tanz niemals in eine Ausstellung bannen, auch wenn durch Videoaufzeichnungen und Trainingssequenzen, denen ich jedoch nicht beiwohnte, von den Ausstellungsmachern versucht wurde, dieses Problem zu beheben. Der Tanz aber entzieht sich dem. Beschwingt.

In der Pina-Bauch-Ausstellung sah ich eine filmische Aufzeichnung, in der ein Tänzer das mythische Fabelwesen eines Zentaur eindrucksvoll darstellte. Dieses magische Wesen fand ich dann, unweit des Checkpoint Charly’s, vor der LBB,  als Skulptur wieder vor.  Der Zentaur streckt dort die Hände aus, um Erlösung zu finden. Mit diesem Bild schließt sich dann der Kreis dieses erlebnisreichen Tages in Berlin für mich, der mir  gezeigt hat dass alles mit allem zu tun haben kann,  vorausgesetzt nur, dass man offen für die Zeichen ist, die einem im Alltag begegnen.

 

Hier sind meine fotografischen Souvenirs vom Georg-Kolbe-Hain.

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