Guerilla-Stricken

Heute gab es in der TAZ einen Artikel über Guerilla-Stricken als neuen StreetArt Trend. Ich muss ja gestehen, dass ich nicht stricken kann, dass aber Menschen, die diesem Hobby frönen, sich durchaus meiner ausgesprochenen Sympathie erfreuen können. Genauso wie beim Teetrinken (und zu den Teetrinkerinnen zähle ich mich zumindest) handelt es sich beim Stricken um eine nonkonformistische Handlung, die quasi dem Beschleunigungsdenken der heutigen Zeit Ruhe und Frieden entgegensetzen will.

Außerdem bin ich durchaus der Meinung, dass man/frau so viel wie möglich selbst (also in Handarbeit) herstellen sollte (wobei meine Argumentation jetzt nicht ganz zum Tee passen mag, denn eine Teeplantage kann ich mir in Norddeutschland nicht unbedingt vorstellen!).

Nun geht es beim Guerilla-Stricken nicht um die Herstellung von Gütern zum täglichen Gebrauch. Es handelt sich auch nicht um eine Tätigkeit, die es dabei bewenden lässt, still und leise einfach zu “sein”. Stattdessen wird das Guerilla-Strickprodukt im öffentlichen Raum, quasi als Konkurrenz zu den Graffitikunstwerken, ausgestellt, indem beispielsweise Parkuhren mit Strickhäubchen (oder ähnlichen Accessoires) versehen werden.

Der oberflächliche Unterschied zur Graffiti-Kunst ist der, dass es sich dabei um eine legale Tätigkeit handelt, schließlich wird hier keine “Sachbeschädigung” vollzogen, wohingegen Graffiti-Künstler häufig im Untergrund tätig sein müssen. Ob die gesprühte Kunst zur Stadtverschönerung beitragen will, das weiß ich nicht. Auf mich wirkt sie zumindest leicht depressiv, wobei ich es – trotz meines persönlichen Geschmackurteils – durchaus immer begrüße, wenn Menschen kreativ zu Farbe, Pinsel (und von mir aus auch Spraydose) greifen, um sich auszudrücken.

Das Guerilla-Stricken jedenfalls will den Städten – im Gegensatz zur Graffiti-Kunst – eine kuschelige und heimelige Atmosphäre verpassen. Ob das hilft, das bezweifle ich. Wahrscheinlich geht es bei dieser öffentlichen Kunst doch wieder nur um individuelle Aufmerksamkeit, denn warum sonst müssen die Werke im Internet veröffentlicht werden.

Insofern ist mir das Guerilla-Gardening sympathischer. Denn hier verbindet sich der Wunsch nach Stadtverschönerung mit durchaus praktischem Nutzen, der eben über das Bedienen einer persönlichen Celebrating-Kultur hinausgeht. Nichtsdestotrotz bleibt die Teeplantage auf brachliegendem Gelände in Hannover wohl ein Wunschtraum. Oder? In der Schweiz soll es ja eine geben (hoffnungsvoll guck!)!

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