In Draculas Reich. Teil 7

Ich setze meinen Bericht meiner Rumänien-Rundreise fort.  Die vorhergehenden Teile findet ihr hier: Teil 1  Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6

Nach dem Frühstück im Hotel Piemonte in Predeal fuhren wir heute (6.10) in das nahegelegene Kronstadt (rum. Brasov).

Einst hatte der ungarische König Andreas II dem Deutschen Ritterorden das Burgenland zur Sicherung der Karpatengrenze überlassen. Die Siebenbürger Sachsen entwickelten den königlichen Burgflecken hin zu einer Freistadt, die seit 1251 den Namen Kronstadt trägt. Im 16. Jahrhundert war Kronstadt religiöses und kulturelles Zentrum des Butzenlandes (südlicher Teil von Siebenbürgen), wozu die den Siebenbürger Sachsen ausgesprochenen Privilegien wie Gerichtsbarkeit und freies Marktrecht  u.a. wesentlich  beigetragen haben.

Auf dem Bild ist der Marktplatz zu sehen mit dem Berg Tampa und seiner Seilbahn im Hintergrund.  Der Berg scheint aus dem Marktplatz herauszuwachsen, weswegen auch schon der ein oder andere Bär auf Nahrungssuche in Kronstadt gesichtet worden sein soll.

Kleine Schildern verweisen auf die sich verändernden Straßennamen im Verlauf der Jahrhunderte. Sie werden immer mit Jahresdaten aufgeführt.   (Kleine Anmerkung:  In Deutschland wäre solch eine Beschriftung ja undenkbar. Sie wäre jedoch ein Zeichen dafür, dass das Land mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hätte.)

Links im Bild ist das Alte Rathaus zu sehen.

Das Denkmal zeigt den  Reformator und Humanisten Johannes Monteurs. Er hielt 1542 hier den ersten lutherischen Gottesdienst in deutscher Sprache. Die Stadt wurde protestantisch, weshalb die Kirche, vor der er steht,  1689 von den Habsburgern in Brand gesteckt wurde. Die vom Feuer geschwärzten Mauern gaben der gotischen Hallenkirche ihren heutigen Namen: Schwarze Kirche!

Bei meinem Besuch waren vor der Kirche bunte Zelte aufgebaut, in denen junge Menschen, anlässlich des Lutherjahres, über die protestantische Kirche aufklärten und missionierten.

Heutzutage hat sich in Rumänien die orthodoxe Kirche durchgesetzt, die, in ihrer rumänisch-orthodoxen Variante, seit dem Sturz von Nicolae Ceausescu einen Aufschwung erlebt, der bis in die Gegenwart anhält. In Rumänien kann man Neubauten von Kirchen sehen! Eine Erfahrung, die einen in Deutschland fremd geworden ist, wo Kirchen abgerissen oder als Event-Hallen umgenutzt werden.

Mehrheitlich sind die Deutschen ja auf dem schnellen Konsum ausgerichtet. Eine hedonistisch-kapitalistische Marktausrichtung hat die mittelalterliche Fixierung auf ein Leben nach dem Tod ersetzt? Was sind die Gründe und inwiefern hat eben nicht nur die Aufklärung, sondern  auch der Protestantismus dazu beigetragen?, sind Fragen, die ich mir stelle. Welche Gefahren birgt diese Religionslosigkeit, gerade in Zeiten der Islamisierung? Den Osmanen stellten die  Siebenbürger Sachsen noch trutzige Kirchenburgen entgegen. Wir dagegen rufen  “Toleranz”  und wer  in dem Chor nicht einstimmt, dem droht der soziale Pranger.

Zurück zu den Kirchenbauten Brasovs: An der Nordseite des Marktplatzes befindet sich dann schon eine sehr versteckt liegende orthodoxe Kirche, die sich hinter einem Profanbau versteckt.

Die Synagoge ist nach den Plänen von Leopold Baumhorn im neoromantisch-maurischen Stil 1898 – 1901 errichtet worden.

Die orthodoxe Nikolauskirche sieht interessanterweise nicht wie eine orthodoxe Kirche aus. Sie wurde 1495 im gotischen Stil gebaut, den sich die Rumänen offensichtlich von den Siebenbürger Sachsen abgeschaut hatten.

In Kronstadt bieten sich viele pittoreske Fotomotive, beispielsweise die Seil Straße. Sie ist die engste Gasse Europas.

Zeitweilig fühlt man sich ins Mittelalter versetzt, wie hier beim Weg an der Stadtbefestigung entlang

Einen merkwürdigen Kontrast bietet dann, nur wenige Meter weiter, moderne Street-Art. 

Mit Leichtigkeit hätte ich in Kronstadt mehr Zeit verbringen können, als nur einen halben Tag.

Gegen Ende der Rundreise hatte ich allerdings schon so viele Kirchenbauten gesehen, dass langsam auch meine Aufnahmefähigkeit nachließ und alles Gefahr lief, ineinander zu verschwimmen.

 

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