Kleine Wendland-Rundfahrt

Alljährlich wird im Wendland zwischen Himmelfahrt und Pfingsten die kulturelle Landpartie veranstaltet (siehe hier). Die Region glänzt dann mit diversen Veranstaltungen, die an unterschiedlichsten Plätzen stattfinden. Ich nehme an, dass die optimistischen Veranstalter davon ausgehen, dass die Besucher mit Fahrrädern von Rundlingsdorf zu Rundlingsdorf fahren und dort, beim selbstgemachten Kuchen und Heilkräutertee, „vielfältigste“ Musikveranstaltungen genießen, Kunstausstellungen besuchen oder sich über den Widerstand gegen die Atomkraft und das bäuerlich-ökologische Leben im Selbstversorgergarten informieren lassen. In der Tat wird es genau dieses Besucher-Klientel auch geben, doch hatte ich den Eindruck, dass ein nicht unerheblicher Anteil von Wendland-Wochenendtouristen mit Wohnmobil anreist, sich mit ihren luxuriösen Fahrzeugen auf die extra für die kulturelle Landpartie als Parkplätze freigegebenen Wiesen stellt und dann erst die mitgebrachten Fahrräder von der Befestigung löst, um hernach „ökologisch“ loszuradeln.

Lifestyle Ökologie

„Wasser predigen und Wein saufen“, fällt mir dazu ein. Dieser Slogan spiegelt sowieso meinen Gesamteindruck wieder, schließlich misstraue ich auch den mir präsentierten Öko-Idyllen auf das Schärfste.

Wovon leben die Bewohner dort eigentlich? Handelt es sich bei vielen Häusern in den Rundlingsdörfern nicht einfach nur um Wochenendhäuser von reichen Städtern, lukrativen Feriendomizilen, die über einschlägige Internet-Plattformen vermarktet werden und Tagungshäusern mit kombinierten Selbstferfahrungs- und Übernachtungsangeboten? Ist die Idylle daher nicht genauso „unecht“ und lebensfern wie die Abbildungen in der „Landliebe“ und vergleichbaren Zeitschriften suggerieren sollen? Lifestyle-Ökologie eben … !Warum positioniert man sich vehement „pro Einwanderung“ und verzeichnet dennoch kaum Migranten und Flüchtlinge im Landkreis? Die sehe ich nämlich den gesamten Tag überhaupt nicht. Im Vergleich also mit einer bundesdeutschen Großstadt, scheint man es sich hier gemütlich eingerichtet zu haben, ohne den Zusammenprall der Kulturen hautnah am eigenen Leib spüren zu müssen, weshalb man mit umso größerem missionarischen Eifer die Besucher davon überzeugen will, wie positiv es ist, wenn das kleine Deutschland die ganze Welt aufnehmen würde. Warum pflegt man hier also ein „idyllisches“ Landleben und präsentiert dieses, wie im Freizeitpark das Indianerdorf, den Besuchern, verweigert sich aber gleichzeitig den Konsequenzen der eigenen ideologischen Überzeugungen? Gibt es dort Dorfgemeinschaften, die auch Menschen außerhalb der eigenen ideologischen Filterblase akzeptieren oder werden diese ausgegrenzt? Wie sieht es also aus, wenn sich Bewohner der Bullerbü-Präsentation verweigern? Oder schmort man in der eigen Filterblase?

Fragen über Fragen: Ich müsste noch einmal wiederkommen … am besten im Februar oder einer anderen „unattraktiven“ Jahreszeit. Wie es dann dort wohl aussehen wird und ob es dann dort auch Sea-Watch-Präsentationen geben wird?

Mittagspause in Lüchow

Mich führt der Weg erst einmal nach Lüchow: zum Mittagessen. Dort muss ich feststellen, dass die Restaurants, trotz kultureller Landpartie, überwiegend erst am Abend öffnen. Immerhin bietet der Ratskeller ein Mittagsbuffet zum kleinen Preis, was allerdings auch nicht viel mehr als Resteverwertung ist, allerdings, wie es mir scheint, immerhin frisch gekocht.

Bilderbuchidylle Hitzacker

Vielleicht wäre ich in Hitzacker gastronomisch besser bedient worden. Das Städtchen ist pittoresk und die Elbauenlandschaft lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

Wie in Breslau finden sich im Städtchen überall bunte Zwerge und zaubern mir ein Lächeln in das Gesicht (siehe auch hier!)

Im überfüllten Innenhof wird bei selbstgemachten Kuchen eine Jam-Session geboten. Mir ist es dort zu voll und zu unruhig und so esse ich beim traurigen Bäcker mit im Beton verankerten Tischen im Außenbereich ein hedonistisches Sahnestückchen, bevor es dann wieder zurück nach Hannover geht.

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