Kräutersammler und das Apothekenmuseum in Cottbus

Am letzten Tag meiner kleinen Reise, stand noch das Apothekenmuseum auf dem Alten Markt in Cottbus auf dem Programm.

Bevor ich euch aber von meinem dortigen Besuch berichte, möchte ich  euch, quasi als Einführung zum Apothekenmuseum, eine kleine Vorausschau geben:

Eine Woche später verweilte  ich nämlich im schlesischen Hirschberg/pol. Jelinga Gora.  Arnsdorf/pol Milków, was zum Kreis Hirschberg gehört, war im 18. Jahrhundert eine Hochburg der sogenannten Laboranten. Das waren Kräutersammler, die Pflanzen für diverse Hausmittel und Arzneien sammelten und diese verkauften.

Diese Tradition hatte angeblich  ihren Ursprung in zwei Prager Medizinstudenten, die im Jahre 1700 wegen eines Duells mit vermutlich beabsichtigter Tötungsabsicht, in das Gebirge fliehen mussten oder aufgrund eines Urteils dahin verwiesen wurden. Man weiß es nicht. Jedenfalls lehrten sie den Einwohnern ihr Wissen und legten so den Grundstein für deren Wohlstand. Ob die Prager Studenten im Riesengebirge blieben oder aber nach Prag zurückkehrten, ist ebenfalls nicht bekannt. (Quelle: Streit/Zimmermann (Hrsg.) Schlesische Provinzialblätter, Breslau 1797,  Band 25, S. 509/10)

Die Fremden wandelten in den einsamen Bergen und Thälern umher, sie sahen die Schätze, die die Natur über die Oberfläche des Bodens gestreut hatte, die Botanik hatte ihnen die Kunde von der Natur und dem Gebrauch der Kräuter und Wurzeln gegeben. Sie entdeckten hier bald eine schöne Nahrungsquelle , und bestättigtem in diesem verborgenen Erdwinkel aufs neue die Lehre  der Simonidischen Weisheit. Mit einer einfachen Manipulation bereiteten sie verschiedene Arzneien, die sie durch Einwohner des Dorfs in nahegelegenen Gegenden absetzen ließen; ja sie lehrten auch ihren vorzüglichen Wohlthäter ihre Kunst.  (Anm. d. A.: Rechtschreibung folgt dem Original.)

Später bildeten die Laboranten sogar eine eigene Zunft, um das Gewerbe von anderen „Künstlern“ zu schützen.

Auch tragen diese Kräutersammler ihre Waren in die Apotheken, selbst nach Zittau, Görlitz, Herrenhut u. wo sie ihnen beßer, als zu Hause bezahlt werden. Eine auch mehrere Kammern auf dem Boden der Häuser sind von diesem Vorrathe voll: die Verarbeitung deßelben aber geschieht in einem kleinen Nebenhäuschen, das ohne weitere Abtheilung, einen sehr einfachen chemischen Apparat enthält. Sie arbeiten mechanisch und mit einigen schicklichen Handgriffen nach den von ihren Vorfahren ererbten Formeln, ohne chemische Kenntnisse zu haben. (Anm. d. A.: Rechtschreibung folgt dem Original.)

Der Autor beklagt im weiteren Artikel, dass die Kräutersammler nach ihrer fünfjährigen Lehrzeit nichts mehr dazu lernen wollen, vermerkt aber auch, dass ihre Arzneien, auch nach Ansicht von angesehenen Apotheken, wirkungsvoll sein sollten.

Erst durch eine neue Gewerbeordnung, die Friedrich Wilhelm III, erließ, gab es für den Nachwuchs der schlesischen Laboranten keine Berechtigung mehr zum Sammeln der Kräuter,  denjenigen aber, die sie schon innehatten, wurde sie bis zu ihrem  Tode nicht abgesprochen.

Einen Eindruck davon, wohin die Studenten und ihre Schüler ihre Kräuter verkauften, kann man im Apothekenmuseum Cottbus mit seinen historischen Apothekenräumen bekommen. Dieses besuchte ich am letzten Tag meiner kleinen Reise.

Seit 1573 gibt es die Löwen-Apotheke in Cottbus. Bis 1984 wechselte sie 19. Mal den Besitzer, bevor sie am 01.06.1989 zum Apothekenmuseum wurde.

Auf dem Dach des Stapelhauses sieht man die Göttin  Hygieia, Tochter des Äskulap und Schutzpatronin der Apotheker.

Ich nahm an der Führung um 11 Uhr, da ich meinen Zug für die Rückfahrt nach Hannover schon um 13 Uhr festgelegt hatte und aufgrund des „Sparpreises“ daran gebunden war, teil.

Als erstes konnte ich die auf dem Dach stehende Göttin noch einmal im Replik und von Nahem  bewundern.

Danach ging es in die historische Apotheke von 1930, wo heute noch Kräutermischungen verkauft werden.

Früher verkauften die Apotheker ihre Medikamente  aus dem Fenster heraus, heute darf man sich, allerdings wohl nur bei einer Führung, sogar hinter den Verkaufstresen stellen.

Im oberen Stockwerk erwarteten mich dann weitere historische Apotheken, zum Beispiel diese hier:

Ein Medizinschränkchen wurde geöffnet. Bei mir zu Hause habe ich keines mehr, nur eine Kiste mit Medikamenten. Eigentlich ist dies eine Tradition, die es verdient wieder aufgelegt zu werden, dachte ich mir.

 

 

Die historischen Medikamentengläser haben schon durch ihre Form  den Benutzern mitgeteilt, ob ihre Inhalte zum Einnehmen oder nur zur äußeren Anwendung geeignet sind. Dies sollte, auch bei Dunkelheit, verhindern, dass der Patient zum falschen Fläschchen greift.

Die bäuerliche Apotheke weist ein kurioses Hinweisschild auf:

 

In der Apotheke aus den 30er Jahren  wurde den Besuchern das Pillendrehen demonstriert.

Zu Abschluss ging es für mich noch, vorbei am historischen Brunnen,  zum Galenischen Laboratorium. Dabei musste ich gleich an die beiden Alchemie-Ausstellungen denken, die ich in diesem Jahr schon besucht hatte und zwar in Halle und in Berlin.

 

Leider konnte ich in das Laboratorium nur einen schnellen Blick hineinwerfen, da ich zum Bahnhof eilen musste. Schade. Ich komme gerne noch einmal wieder, ohne dabei auf die Uhr schauen zu müssen.

Hier habe ich mich übrigens letztens in Kräuterkunde einführen lassen.

 

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