Kunst in Düsseldorf

(07.07.2019) Meine Reise nach Schottland  begann mit einer Vorübernachtung im Hilton in Düsseldorf. Durch diese Entscheidung wollte ich mir eine entspannte Anreise ermöglichen und mir auch noch im Vorfeld eine Kunstausstellung anzuschauen. Wenn man denn schon mal in Düsseldorf ist, sollte man diese Chance nutzten, dachte ich mir, ahnte aber noch nicht, wie sehr mich die präsentierte Kunst aufregen würde. 

Das Hilton Düsseldorf


Es ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, allerdings muss man sein Gepäck ca. fünf Minuten wahlweise durch die Gegend schieben oder tragen, kommt dabei aber an einem „Showroom“ vorbei, wo man, so ähnlich wie bei öffentlicher „Working Spaces“, einen Raum für die Präsentation seiner entworfenen Kleidung mieten kann, wahlweise gibt es Kleidungsstangen dazu. Auch bei dem Blick aus dem Hotelfenster wird deutlich, dass ich mich in einer Modestadt befinde, fällt mein Blick dabei doch gleich auf das filigran anmutende gläserne Hochhaus von L’Oréal

Der Empfang im Hotel ist freundlich. Die Zimmer bieten alles, was man von einem Hotel dieser Kategorie erwarten kann. Das Bett ist leider kein Boxspringbett sodass ich, die normalerweise ein Wasserbett gewöhnt ist, eher schlecht schlafe. 


Das System, dass man erst Honor-Gast werden muss, um freies WLAN benutzen zu können, erscheint mir seltsam antiquiert. 


Die Getränke in der Mini-Bar sind überteuert; den Wellness-Bereich habe ich nicht genutzt, obwohl ich mir dies im Vorfeld fest vorgenommen hatte. Nach meinem Stadtspaziergang war ich schlicht und ergreifend zu erschöpft, sodass ich ein Vollbad im Zimmer genoss und dann vorzog früh schlafen zu gehen. 
Das Frühstück am nächsten Morgen war in Ordnung, allerdings sind Aufbackbrötchen für ein Hotel dieser Kategorie eigentlich ein No-Go und auch vernünftiger Tee (nicht der in Teebeuteln) wäre schön gewesen.  Das Rührei aus der Fabrik schmeckte nicht, allerdings gab es die Möglichkeit sich seine Eier frisch zubereiten zu lassen. Auch dies nutzte ich nicht, weil ich frühzeitig zum Flughafen fahren wollte und dies nicht mit dem Taxis, sondern mit dem Bus. Ein Flughafen-Bus fährt nämlich vom „Haus der Stiftungen“ regelmäßig ab, sodass sich hier leicht Geld sparen lässt. 

Fazit: Keine umwerfende Hotelerfahrung, aber durchaus akzeptabel.

Kunst in Düsseldorf

Tomás Saraceno

Ich startete vom Hotel zu Fuß und machte mich auf dem Weg zum K20. Dort gab es die  Rauminstallation „in orbit“ des Künstlers Tomás Saraceno zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Konstruktion aus Stahlnetzen.  Diese sind in drei Ebenen unter der gewaltigen Glaskuppel aufgespannt  und lassen sich als Besucher, nicht bevor man sich rechtlich abgesichert hat, auch betreten. Wagemutig stellte ich mich an, erinnerte mich dann aber an meine Höhenangst und schaute mir das Spektakel nur von unten an. Überhaupt frage ich mich, ob es sich hier überhaupt noch um Kunst im herkömmlichen Sinne handelt, vielmehr scheint mir hier die Grenze zur bloßen Eventkunst überschritten zu sein. 

Ai Weiwei


Im Ticket für 15 Euro war die Ai Weiwei-Ausstellung inkludiert. Ein Shuttle-Bus fährt zu diesem Zweck vom k20 zum k21. Auch diese Ausstellung begeisterte mich nicht. Es gab eine Betroffenheits-Installation zu sehen, wo Transportkisten ausgestellt wurde. Diese sollen an das  Erdbeben von Sichuan (2008) und besonders an die fünftausend Kinder unter den 70 000 Opfern die, so der Künstler, wegen Korruption und Pfusch am Bau ihr Leben verloren, erinnern. Lies auch: hier!

„Everything is art. Everything is politics“, wird das Grundprinzip von  Ai Weiwei  gerne zitiert, jedoch bekam eine Museumsangesellte Schnappatmung, als ich mich dem Feld von Sonnenblumenkernen, eine raumgreifende Installation, näherte, befürchtete sie wohl, dass ich hineinstolpern könnte.  Genau genommen handelt es sich nicht um richtige Sonnenblumenkerne, sondern um Repliken aus Porzellan, die in chinesischen Manufakturen hergestellt worden sind, womit wohl darauf angespielt werden soll, dass China mittlerweile  zur Fabrik der westlichen Welt geworden ist.

Ai Weiwei kommt hier den gegenwärtig inflationären Bedarfen in der Kunstszene nach politischen Manifesten, die immer in die selbe weltanschauliche Richtung tendieren, nach.

Natürlich wäre es, wenn ich denn in das Feld aus Porzellankerne gefallen wäre, gemäß dem Postulat von Ai Weiwei auch Kunst gewesen und sicherlich ähnlich banal, wie das, was die Besucher, viele andächtig verharrend, hier zu sehen bekommen, allein diese Einsicht fehlt dem Aufsichtspersonal.

Großformatige Legobilder, die chinesische Tierkreiszeichen zeigen,  zieren die Wände und ich mache ganz schnell eine Kehrtwende. Mein Blick streift nur kurz die Schuldscheine, die zwischen den Legobildern die Wand zieren und eine Remniszens an diejenigen darstellen sollen, die für die Freilassung von Ai Weiwei gespendet haben . Ich will, bei all dieser wohl inszenierten und dennoch seltsam hohlen narzisstischen Konzeptkunst, nur noch zurück an die frische Luft. Den „Waschsalon“, wo  Ai Weiwei auf den momentanen Trend immer und überall die Flüchtlinge zum Thema zu machen, aufspringt, schaue ich mir erst gar nicht mehr an.

Ich habe insofern Verständnis für ihn, als dass ihm ja auch nicht ständig etwas einfallen kann und man als gefragter Künstler nachliefern muss. Auftragskunst eben!

Der Kunstmarkt ist eine Hure!

Ich gehe zum Rheinufer, wo sich Menschenmassen durch eine französische „Food“-Meile schieben, hin zum Museum Kunstpalast, wo mich die Architektur  begeisterte. Der Architekt Wihelm Kreis, der übrigens auch den Bismarckturm „Götterdämmerung“ entwarf, hat den Kunstpalast, der seit 1902 bestand und auf eine der ersten öffentlichen Gemäldegalerien des Kurfürsten und Mäzens Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg zurückgeht, umgebaut. Es ist die Mischung von schlichten Backstein als Baumaterial mit monumental-sachlicher Architektur, die ein wenig expressiv wirkt, die mir gefällt.

Mittlerweile ist man profaner. Auf einem Plakat wird „Boris Becker“ als Kunstpreis-Irgendetwas angeführt. Prominente Namen „verkaufen“ eben, unabhängig davon, ob sie thematisch passen oder nicht.

Im Bewusstsein, dass der Kunstmarkt „eine Hure“ ist, schlenderte ich zum Hotel zurück.

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