Matronen in der Eifel und die Wiederkehr der Göttin!

Matronen in der Eifel

In der Eifel gibt es die Matronen. Es handelt sich meist um eine Dreiergruppe von Frauen , die auf einem Votivstein platziert ist. An Schriftquellen sind nur die Inschriften auf den Steinen erhalten, weitere Informationen zu der Matronen-Verehrung, die sich in der römischen Provinz Nieder-Germanien auf das Rheinland fokussiert hat, sind uns leider nicht erhalten.

Aufgrund der römischen, keltischen und germanischen Namen der Stifter handelte es sich bei der Matronenanbetung um eine gallo-römisch-germanischen Kult, der den Göttinnen opferte, um sich für die Überwindung einer schweren Krankheit oder einer Gefahr zu bedanken oder auch um Schutz für die Familie, Fruchtbarkeit oder beruflichen Erfolg zu erwirken.

Dass die Matronen eng mit der Vorstellung von Fruchtbarkeit verknüpft sind, zeigt sich auch dadurch, dass sie sitzend dargestellt werden und auf ihren Schoß Schalen mit Früchten platziert sind. Sie verweisen so auf den jahreszeitlichen Rhythmus und das Werden und Vergehen im Laufe des Jahres, genauso wie auch im menschlichen Leben.

Das Wissen darüber, wie ein solcher Kult im einzelnen ausgesehen hat, ist rudimentär. Mich interessiert dies allerdings sowieso nur zweitrangig. Als viel wichtiger erachte ich die Annäherung an die Frage, was ein solcher historischer Kultort für uns heute bedeuten kann?

Die Wiederkehr der Großen Göttin!

Dass die Orte der Matronenverehrung auch heute noch eine Wichtigkeit haben, zeigt sich u.a. auch darin, dass die Repliken der Göttinnen, die dort stehen, wo einst die Originale gestanden haben, immer noch bespielt und “beopfert” werden. Dies zeugt, so meine Annahme, davon, dass es Menschen gibt, die in den herkömmlichen Religionen den weiblichen Anteil vermissen.

Ich sehe in den drei Matronen auch die dreigestaltige Göttin, wie sie von Robert-Gravis und später von Heide-Göttner Abendroths beschrieben wurde. Unabhängig davon, ob deren Annahmen historisch belegbar sind, finde ich darin ein Welterklärungsmodell, was weibliche und männliche spirituelle Praxis miteinander versöhnen kann.

Das, was ich hier schreibe, ist also meine individuelle mythologische Sichtweise und keine historische Wahrheit.

Die Welt der Mütter

Die mütterliche Welt lehrt uns, eigene Bedürfnisse zugunsten des Kindes zurückzusetzen und – durch diesen Verzicht – in der Persönlichkeit zu wachsen. Es ist eine Welt jenseits der hierarchischen Auszeichnungen, die das Hier und Jetzt genießt und die Wiederkehr des immer Gleichen in einem ewigen Kreislauf zelebriert. Auch ist es eine Welt, die das eigene Ich eingebettet sieht in die Seele der Gemeinschaft und sich willentlich zu Opfern für diese entschließt, auf der Grundlage des Wissens darum, dass das eigene Glück nicht unabhängig von denen sein kann, denen wir in Liebe verbunden sind.

Die mütterliche Welt findet ihre stärkste Ausprägung in der Familie.

Das Symbol dieser Welt ist uns überliefert worden als heiliger Gral, der eigentlich das Mysterium des mütterlichen Schoßes meint, der Leben schenkt und in dessen mütterliche Erde wir mit unserem Tode zurückkehren.

Dieser mütterliche Schoß ist bei den Matronen-Darstellung durch diverse Opfergaben stark betont.

Die Göttinnen geben uns in ihrer Mehrzahl das Bild einer nicht-hierarchischen Welt vor, die von Sanftmut und Ruhe geprägt ist. Sie ist gekennzeichnet durch friedlichen Ackerbau, eines Gefühles des Sich-Wohlfühlens, eines natürlich-organischen Wachstums, das sich in den Zyklus des Jahres einreiht und viele Feste, die dies – zur Freude aller Beteiligten – zelebrieren. In dieser Welt will Kunst „schön“ und harmonisch sein und schert sich nicht um Perfektionsansprüche, hat selbst vor „Kitsch“ keine Angst. Schön ist, was gefällt. Eine Trennung zwischen professionellen Künstlerinnen und Konsumentinnen gibt es nicht, alles vereint sich im friedlichen Reigen eines immer währenden Festes. Selbst der Tod ist hier niemals ein endgültiger und schrecklicher Zustand, vielmehr nur wieder Voraussetzung für einen neuen Zyklus des Werden und Vergehens.

Alles löst sich auf, wird eins mit einer universellen Erd-Energie, die empfängt und gebärt im unendlichen Kreislauf.

Auch in der Geburt wird Neues erschaffen, jedoch ohne den zwanghaften Willen, des immer weiter, höher und schneller, wie es der Held, der immer auch als Sohn der Göttin gesehen werden kann, zelebriert.

Die mütterliche Welt birgt jedoch auch Gefahren!

Die Gefahr dabei ist jedoch, dass uns die scheinbare Harmonie einhüllt, einlullt, wie das Schlaflied einer alten Spieluhr. Und wir versinken dann in die Unbewusstheit, was hier ein Sich-Abfinden mit dem, was gegeben ist, meint. Getragen von einer freundlichen Lethargie verharren wir im Schoß der Göttin, die leise summt: „Schlaf, Kindchen. Schlaf”! Und so können wir nun in einer Stagnation gefangen sein, die uns ihr Wesen verschleiert, in dem sie uns, die wir zeitlich altern, in den Jahreskreis einbindet, der nach den Winter immer wieder den Frühling, der auch ein Synonym für eine neue Geburt sein kann, folgen lässt. Doch auf unser persönlich-subjektiven Ebene erleben wir den neuen Frühling vielleicht nicht mehr, stattdessen aber unserer Kinder, denen wir das Leben geschenkt haben. Unser toter physicher Körper nährt die Pflanzen, die auf unseren Grab wachsen. Wir aber sind wohlig ausgelöscht. Unser Bewusstsein ist nicht mehr, derweil die Unterweltsgöttin aus ihren Brunnen immer wieder neue Kinder schöpft.

Wenn wir uns den Göttinnen zuwenden, vergessen wir leicht, dass die Natur niemals nur unumschränkt gut ist, weshalb ich eine reine Naturverehrung nicht praktizieren würde.

Zur Natur gehört es eben auch, unser individuelles Sein für das Bestehen des Großen und Ganzen auszulöschen, was eine Vorstellung darstellt, die mir nicht wirklich behagt.

Wir benötigen deshalb auch den heldisch-männlichen Einweihungsweg, der zur mütterlichen Welt parallel besteht und den wir begehen, um eben nicht unser Selbst endgültig in einem Einheitsgefühl auflösen zu müssen und in der der Mensch als “unnatürliches” Wesen versucht, die Gesetze der Natur, kraft seines Willens, zu verändern.

Mein Fazit:

Ich sehe einen männlichen und einen weiblichen Initiationsweg und beide stehen zueinander in Parallelität. Unabhängig vom natürlichen Geschlecht können und sollten sie von allen Menschen, die um Selbst-Bewusstheit bemüht sind, bedacht und begangen werden. Nur so kann jener Zustand erreicht werden, den wir beispielsweise in der alchemistischen Hochzeit beschrieben finden und in der die Polaritäten vereinigt werden, um eine neue Schöpfung zu ermöglichen.

In Zeiten, wo der männlich-heldische Weg vorrangig postuliert wird, braucht es die Rückbesinnung auf die Göttinnen, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen, dass uns den Spielraum für eine vollkommene Menschwerdung ermöglicht.

Der Besuch von alten Kultstätten und deren Reaktivierung kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

Matronenenheiligtum “Görresburg” bei Nettersheim

Ich selbst habe die Görresburg, ein gallo-römischer trapezförmiger Tempelbezirk aus dem 2. bis 4. Jahrhundert mit mehreren ziegelgedeckten Steingebäuden, die 1919 freigelegt wurden, besucht.

Die Görresburg liegt bei Nettersheim.

Der eigentliche Tempelbezirk befindet sich neben einer ehemaligen römischen Siedlung, deren Bebauung zum Teil in seinen Grundmauern sichtbar gemacht wurde.

Am eigentlichen Tempelbezirk wurde gerade lautstark Rasen gemäht, als ich dort ankam. Die Anlage wird also gepflegt. 😀

Trotz dieser alltäglichen Widrigkeiten fand ich dort Zeit und durchaus auch Ruhe zur Kontemplation.

Matronenheiligtum “Heidentempel” bei Bad Münstereifel-Nöthen

Dies ist ein weiterer Kultplatz der Matronen Verehrung.

Die ältesten Kultbauten gehen dort auf das 1. Jahrhundert n. Chr. zurück. Selbst im 4. Jahrhundert, als sich viele Menschen dem Christentum zuwandten, gestaltete man den Bezirk noch um. Die erhaltenen Mauern gehen auf diesem Umbau zurück. Zerschlagene Weihesteine der älteren Anlage wurden für die Mauern der Neubauten genutzt.

Der eigentliche Tempel bestand aus einem quadratischen Innenraum, genannt Cella.

Hier wurde wahrscheinlich das Kultbild der Matronen verehrt. Südlich dieses “Umgangstempels” befand sich ein Hof, in der die Stifter ihre Weihesteine aufstellten.

Hier sind sie die Matronen … Verehrt mit Gebetsfähnchen, Blumen und Kerzen! Besucht sie mal!

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