Mehlwürmer und so!

Heute habe ich endlich die Muße gefunden, die versäumte Leonardo-Sendung vom 16.02 im WDR 5-Radio nachzuhören.

Darin gab es u.a. die Erkenntnis, dass Zink gegen Erkältung hilft (und ansonsten so ziemlich nichts), womit ich mir in Zukunft Vitamin C-Tabletten, Umckaloabo (kann die Erkältung nur „vielleicht“/“manchmal“ abmildern) und weitere Fantasieprodukte ersparen kann. Das spart Geld, genauso wie das eigentliche Thema der Sendung: nämlich die Insektenküche.

Um den ökonomischen Vorteil dieser Ernährungsform ging es aber in der Sendung nicht, eher darum, dass Insekten genügsame Tiere sind, die sich u.a. von Grünabfällen ernähren, aus denen sie Eiweiß herstellen. Insofern sind Insekten eine gesunde Alternative zur ökologisch und ethisch problematischen Massentierhaltung von Schwein, Rind und Co., zumal bei der Insektenzucht (wie sie wohl schon in den Niederlanden vollzogen wird) vergleichsweise weniger Treibhausgase anfallen.

Folglich soll die FAO eine Kampagne planen, die uns MitteleuropäerInnen Insekten als Nahrungsmittel schmackhaft machen soll. Normalerweise haben wir in Europa (aber das muss ich euch ja nicht erzählen!) Probleme mit dem Verzehr von Insekten. Klar, es gibt vereinzelt Insektenkochkurse und Insektenlutscher (all das fand ich im Internet), doch jenseits der Suche nach dem besonderen kulinarischen Kick in einer überreizten Gesellschaft  ist das Essen von Mehlwürmern mit einer gewissen psychischen Überwindung verbunden. In anderen Ländern (beispielsweise in Laos oder „Afrika“ – das wurde leider in der Sendung nicht spezifiziert!) werden Insekten selbstverständlich verzehrt, obwohl auch dort der Trend zu verzeichnen sein soll, eine westliche Lebensweise zu kopieren und so dem diesbezüglich schlechten Beispiel der EuropäerInnen, die sich ja meist vor Insekten ekeln, zu folgen.

Ich bin ja der Meinung, dass ökologisch-ethische Reformen in den „reichen“ Ländern (obwohl  „reich“ wirklich nicht für die EinwohnerInnen jenseits der neofeudalen Klasse gilt) leichter zu verwirklichen sind  als in den „armen“ Ländern oder auch in denen, die auf der Schwelle zur Großindustrialisierung stehen und wo der Großteil der Bevölkerung noch „hungrig“ nach „Tand von Menschenhand“ (Zitat nach Fontanes Ballade „Die Brück‘ am  Tay“) ist. Insofern haben wir eine Vorbildfunktion und müssten – was wirklich wünschenswert wäre – endlich, endlich den Wahnsinns-Wachstums-Glauben verlassen und eine ökologische Umkehr vollziehen. Und dazu könnte dann eben auch die Insektenküche gehören.

Interessant auch, dass die FAO daran arbeiten soll, Insekten nahrungstechnisch unsichtbar zu machen, um so die kulturelle Blockade hinsichtlich des europäischen Insektenverzehrs aufzuweichen. Dann liegen eben die Mehlwürmer nicht auf dem Teller, sondern ihr Eiweißgehalt wird extrahiert und anderen Lebensmitteln zugesetzt. Die Insekten werden unsichtbar. Nun – mir wäre dann ein echter Mehlwurm doch lieber!

So … wer postet jetzt das erste Insekten-Rezept meines Blogs und berichtet vom Ausprobieren? (erwartungsvoll guck!)

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J.
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J.

Ich poste zwar nicht das erste Insekten-Rezept und möchte auch nicht unbedingt demnächst ein „Insektenschnitzel“ essen müssen, finde aber die grundsätzlichen Überlegungen des Artikels, v. a. am Ende des drittletzten Abschnitts, durchaus bedenkenswert!