Meine Reise nach Tilsit (u.a.)

Es gibt einen bekannten deutschen Spielfilm von Veit Harlan aus dem Jahre 1939, in dem das Städtchen  Tilsit eine entscheidende Rolle spielt. Er heißt “Die Reise nach Tilsit” (nach einer Vorlage von Hermann Sudermann) und hat mich zu der Überschrift meines heutigen Blogartikels inspiriert. 

Die Reise nach Tilsit
Das Bild habe ich in Aida aufgenommen, wo es im ehemaligen Gasthaus Blode einen kleinen Ausstellungsraum über die Region und insbesondere über die Künstlerkolonie auf der Nehrung gibt. Dazu schreibe ich später …

Tilsit/Sovetsk

(Sonntag, 8. Juli) Nachdem wir gestern im Samland und an die Bernsteinküste waren, fahre wir heute erst einmal nach Tilsit.  Der Weg dorthin führt an brachliegenden Feldern vorbei und kleinen Dörfern mit manchmal bis zu vier gut besetzten Storchennestern.

Vor Tilsit  stehen riesige Antennenmasken, die vor dem Verfall der Sowjetunion, laut Reiseleiterin, als Störsender genutzt worden sind, jetzt aber die Sendesignale des Auslands verstärken. Nun ja … weniger euphemistisch gebrochen können wir sie wohl auch Abhöranlagen nennen.

Tilsit liegt direkt an der Grenze zu Litauen. Die Grenze verläuft, gemäß des Versailler Vertrages,  genau durch die Mitte des Flusses, bzw. in der Mitte der Brücke. Ein 500 Meter breiter Streifen parallel zur Memel bildet den Grenzstreifen, weswegen wir die Luisenbrücke nicht betreten können, es sei denn, wir wollten das russische Gebiet verlassen. Direkt vor der Luisenbrücke liegen schon die Häuschen der russischen Grenzkontrolle.

Schaut sie nicht imposant aus, die Luisenbrücke? 

Die Brücke wurde 1907 zum Gedenken an Königin Luise und ihren Besuch der Stadt errichtet.

Tilsit, Luisenbrücke

Der Platz vor dem Grenzübergang wird von  hässlichen Plattenbauten gesäumt. Ein trüber Brunnen, der abgestellt ist, lädt nicht zum Verweilen ein. Mein Kameraschwenk stoppt vor den Grenzanlagen, da ich vermute, dass ich das nicht filmen darf.

Auf der gegenüberliegende Südseite befindet sich ein Stein, der an den Tilseder Frieden, der hier geschlossen wurde,  erinnert. Auch Tilsit geht, wie die meisten Städte der Region, aus einer Gründung der Ordensritter hervor.

Dem Reiseführer entnehme ich, dass hier auf dem Platz die Stadtkirche aus dem Jahre 1598 stand. Diese überstand den Krieg und wurde 1963 im Zuge der Dreharbeiten für einen Kriegsfilm mutwillig zerstört. Eine Infotafel mit der Fußbemerkung “The program is co-financed by the European Union” informiert über die Kirche, jedoch nicht über die Umstände ihrer Zerstörung. 

An der Hauptpromenade, die als Fußgängerzone durch die Stadt führt, lassen sich noch einige alte Häuser bewundern. Dabei wird unsere Gruppe von einem streunenden Hund, die es hier wohl häufiger geben soll, verfolgt. Sämtliche Radfahrer werden aggressiv angebellt, zu uns ist er aber lieb.   Das Tier trägt ein Kennzeichen, dass es sterilisiert ist. Auf diese Art und Weise versucht die Verwaltung das Problem “Straßenhunde” in den Griff zu bekommen. 

Neman/Ragnit

Neman liegt nur wenige Kilometer von Tilsit entfernt. Die  dortige Papiermühle aus dem Jahre 1911, die immer noch in Betrieb ist, stellt ein ökologisches Problem dar. Überhaupt zeigt sich überall der Verfall.

Marode Bausubstanz in Neman

Der Eingang der alten  Ordensburg ist abgesperrt und kann daher nicht betreten werden.  Hinter dem Gitter lehnt eine englischsprachige Erklärungstafel achtlos an der Wand. Insgesamt scheint die Burg, die einst dem Deutschen Orden als Stützpunkt für die Eroberung Litauens hat dienen sollte,  starken Erhaltungsbedarf zu haben. 

Ostpreußische Landschaftsbilder

Es tut sich eine melancholische Weite auf, bei der der Himmel fast mit den Boden verschmilzt. Ich sehe kaum eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung, die über den Haus- und Gartenanbau hinausgeht. Alles ist ungenutztes Brachland, was als solches sicherlich ein Naturparadies darstellt. Überall sehe ich Störche. Der Fluss Pregel mäandert durch die ostpreußische Weite. 

 

Gummbinnen/Gusev und die Salzburger Kirchengemeinde

Nach einer Pestepidemie in den Jahren 1709 – 1712 war hier eine Neubesiedlung nötig, sodass König Friedrich Wilhelm I  protestantische Glaubensflüchtlinge aus der Schweiz, Salzburger, Pfälzer und Nassauer Land hierher umsiedelte.

Wir besuchen die Salzburger Kirche, wo uns einige Gemeindemitglieder freundlich Einlass gewähren und uns über die Gemeinde informieren. In der Oblast sind viele Russlanddeutsche angesiedelt worden, die sich mehrheitlich zum protestantischen Glauben bekennen und hier ein lebendiges Glaubensleben vorfinden. Weitere Informationen finden sich hier.

Das Kirchengebäude selbst, im schlichten Klassizismus, wurde 1840 errichtet und 1991, mit Hilfe von deutschen Geldern, neu aufgebaut.

Salzburger Kirche

Wir fahren über Insterburg zurück nach Königsberg. In der Nähe von Insterburg/Cernjachovsk steht ein Bismarckturm, den ich jedoch leider nicht besuchen konnte.  Ich “sammle” ja  Bilder von Bismarcktürme, die ich besucht habe ( siehe hier). 

 

Zeitachse, 08.07.2018

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