Metropolis und die Volksgemeinschaft

Der Film „Metropolis“, 1926 des Regisseurs Fritz Lang

„Der Film zeigt, dass Volksgemeinschaft nicht allein eine Utopie der politischen Rechten darstellte. Er spielt in einer Stadt der Zukunft, in welcher die Bevölkerung als zwei völlig gegensätzliche Klassen getrennt lebt: die Arbeiter, die unter der Erde als Sklaven der Maschinen im Elend dahinvegetieren, und eine Oberschicht, die im Sonnenlicht ihr seichtes Leben im sorgenfreien Luxus dahinplätschern lässt. Diese ungerechten Verhältnisse provozieren schließlich einen gewaltätigen Aufstand: Tobende Arbeitermassen wollen die Maschinen zerstören, in deren Dienst sie den Großteil ihres Lebens fristen. Doch eine solche Maschinenstürmerei hat dem Film zufolge katastrophale Folgen, denn ohne die technische Apparatur überflutet das Grundwasser die unterirdische Stadt der Arbeiter und droht die Familie zu ertränken. Durch diese dramatisch dargestelle Gefahr, die nur durch die Wiederaufnahme der Arbeit abgewendet wird, soll deutlich gemacht werden, dass eine gewaltsame Revolution im Letzten nur auf eine Selbstzerstörung der gesamten Zivilisation hinauslaufen würde.

Die Lösung der Missstände wird dem Film zufolge nicht durch den Kampf der Arbeiter für ihre Interessen erreicht, sondern von oben durch den idealistischen Sohn des Diktators und eine aufopferungsvolle Sozialarbeiterin, die beide für christliche Nächstenliebe, Einsatzbereitschaft und Mitgefühl stehen. Diesen Repräsentanten der jüngeren Generation gelingt es, Frieden zwischen Kapital und Arbeit zu stiften: Ein fester Händedruck zwischen dem zweckrationalen Manager und einem moderat-einsichtigen Arbeitervertreter besiegelt die Verpflichtung, gemeinsam eine harmonisch-humane Gemeinschaft Wirklichkeit werden zu lassen.

Ein solcher politischer Ausgleich von oben entsprach genau dem Programm von Hitlers Bewegung, die schon mit dem Namen Nationalsozialistische Arbeiterpartei ihre Verpflichtung zur Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit innerhalb der nationalen Grenzen betonte. Im Gegensatz zu den traditionellen Konservativen betonte sie ihren Anspruch, auch die Interessen der kleinen Leute im Auge zu haben, und im Gegensatz zu den marxistischen Linksparteien betonte sie ihre nationalistische Orientierung: Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards für jene, die für sie zum deutschen Volk gehörten. Das Ziel könne nicht durch Klassenkampf oder andere innenpolitischen Auseinandersetzungen erreicht werden, da diese nur die internationale Schwächung und Verarmung Deutschlands zur Folge hätten, sondern nur durch die Förderung der patriotischen Bereitschaft aller, dem Gemeinwohl zu dienen. Es ging nicht um materielle Gleichheit im marxistischen Sinne, sondern, wie Hitler am 27. Januar 1934 in einem Interview sagte, um die Verwandlung des Staates in „einen einzigen Organismus. Es gibt in diesem organischen Wesen keine Verantwortungslosigkeit, keine einzige Zelle, die nicht mit ihrer Existenz für das Wohlergehen und Wohlbefinden der Gesamtheit verantwortlich wäre.“ (Rohkrämer, Thomas: Die fatale Attraktion des Nationalsozialismus. Paderborn 2013, S. 181 ff.)

Vor diesem Hintergrund, nämlich der Volksgemeinschaft, die es im Nationalsozialismus aufzubauen galt, ist wohl auch folgende Wandmalerei zu deuten, der ich gestern in Hildesheim begegnete.

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Über die Abgründe, die sich auftun können, gerade weil hehre und anscheinend gute Ziele verfolgt werden, wie hier  eben die Volksgemeinschaft,  kann uns folgender Ausspruch Mephistopheles treffend Auskunft geben:

Ich bin die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.

Kleine Anmerkung: Der geneigte Leser wird es bemerkt haben, dass ich hier –  mit einem Augenzwinkern – den Satz, wie er in Goethes Faust nachzulesen ist, kreativ verändert  habe.  In der neuen Version lässt sich nun leicht eine gewisse Aktualität erkennen,  schließlich trachten  heutzutage „Gutmenschen“ danach,  inflationär unser Alltagsleben zu bestimmen.

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