Neujahrswanderung

Harzer Schmalspurbahn

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Eigentlich beabsichtigten meine Freundin und ich nur einen kleinen Harz-Rundweg. Was kann es  aber besseres geben als das neue Jahr mit der Besteigung eines Berges zu beginnen, besonders dann, wenn dieser so Mythologie-überladen ist wie der Brocken?

Der Weg hinauf kann dann leicht als eine symbolische Vorab-Inszenierung angesehen werden: Der Berg steht für das Ziel, das wir im Verlauf des Jahres erreichen wollen.   Beim Hinaufgehen übergehen wir dann leichten oder schweren Fußes alle Widrigkeiten, was uns  – quasi magisch-vorwegnehmend  – dafür stärkt, Herausforderungen im knallharten Lebenskampf mit ähnlicher Bravour  zu meistern. Man ist gewappnet für all die Ärgernissen, die auf einen warten, immer sein Ziel vor Augen, selbst wenn dieses sich als zugig erweisen sollte.  Sogar Glatteis und der damit verbundene Fall auf die festgefrorene hausdünne Schneedecke macht einer  wahren Heldin im Lebensabenteuer nichts aus.  Alsbald richtet sie sich wagemutig wieder auf und wandert – ganz Camphells Heldenreise folgend – weiter durch den Nebel, der beständig stärker wurde und der uns – ganz profan gesehen  – eine Aussicht auf die tief unter uns liegende  Landschaft oder – wieder ganz symbolisch gesehen – auf die  überwundene Profanität  ermöglichte. Weiter ging es: hurtig und geschwind, bis wir dann, es war wohl gegen 14.30 Uhr in der entmystifiziertenWelt,  – auf dem Hochplateau des Brocken ankamen. Ein  eisiger Wind fegte uns fast fort. Der Berggeist war uns nicht wohlgesonnen oder wollte uns – meine Annahme –  zumindest prüfen.  Wahrlich das  war kein Ort zum Verweilen.

Vielleicht war das Ziel  – wieder ganz symbolisch gesehen – dann doch nicht so gut gewählt? Aber wie heißt es so schön in den Kalendersprüchen, die ich  – schon wegen ihrer  dumpfen Plattheit – so  überhaupt nicht mag: Der Weg ist das Ziel. Und so ging es wieder hinab vom Berg, wo mir – kurz vor Einbruch der Dunkelheit – die Destination „Torfhaus“ erreichten. Ein Bier zum Schluss verkürzte die Wartezeit auf den Bus – in einer Lokalität, die wohl an Amerika erinnern sollte, stattdessen aber nur den krampfhaften Versuch der Gastronomie-Wirtschaft illustrierte, auf eine hippe Lifestyle-Mode aufzuspringen, die irgendwie nur plebejisch-dümmlich wirkte. Nun ja …  wem es gefällt!

Einvernehmlich benannten wir die Wanderung zum leichten genussvollen Spaziergang um,  bei dem es ganz und gar unerheblich ist, ob überhaupt ein Ziel vorhanden ist. Ich  zumindest habe auch  im wirklichen Leben keine krampfhafte To-do-Liste für das beginnende Jahr aufgestellt, stattdessen pflege ich   – mein Vorsatz – eine gewisse genießerische Gelassenheit, was mich allerdings nicht davon abhalten wird, im nächsten Jahr erneut den Brocken zu besteigen.  Und dies selbstverständlich am Neujahrstag!

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