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Neustadt an der Weinstraße und das Hambacher Fest 2018

Written By: Marina Sosseh - Mai• 06•18


Neustadt an der Weinstraße: Der erste Eindruck

Am Wochenende ging es für mich zum Neuen Hambacher Fest. Um für mich den Besuch möglichst stressfrei zu gestalten, reiste ich bereits am Freitag mit dem Zug an, was sich, von insgesamt 45 Minuten Verspätung abgesehen, als relativ unproblematisch erwies. 😀 Vom Bahnhof Neustadt Böbig lief ich fast 15 Minuten bis zum Hotel Panorama. Dabei zeigte sich Neustadt nicht von seiner besten Seite: Gegenüber des Bahnhofs befindet sich ein Schulgebäude von zweifelhafter architektonischer Qualität. Vorbei an “Flüchtlings”-Containern, Kindergarten und prekärer Wohnbebauung erreichte ich eine Ausfallstraße mit Discounter-Supermärkten und Döner-Gastronomie. Nein, Neustadt zeigte sich am Freitagabend nicht von seiner besten Seite.

Das Panorama Hotel Am Rosengarten

Auch das Panorama Hotel, in dem ich zwei Nächte verbrachte, ist architektonisch zu vernachlässigen. Es mag sein, dass man von den oberen Stockwerken eine fantastische Aussicht auf den Pfälzer Wald genießen kann, vom zweiten Stockwerk aus schaute ich jedenfalls nur auf einem Parkplatz.

Auch das Zimmer hatte schon bessere Tage gesehen, war aber sehr geräumig. Duschbad und Toilette waren getrennt, das Bett durchschnittlich, einzig ein penetranter Geruch nach Reinigungsmittel (oder was auch immer) im Badezimmer störte mein Wohlbefinden.

Das Frühstück im Panorama-Restaurant nahm ich nicht in Anspruch, schließlich war die Abfahrtszeit des Shuttle-Busses zum Hambacher Fest schon um 7 Uhr in der Früh angesetzt und dies erneut vom Bahnhof Neustadt Böbig aus, was einen frühmorgendlichen Spaziergang durch die moderne Zerwürfnislandschaft eines absteigenden Landes  bedeutete. Der Weg war mir ja schon bekannt.

Das Hambacher Fest 2018

Los ging es mit einer Wanderung. Der Organisator Max Otto  stimmte die Teilnehmer mit einem Liedchen von Philipp Jakob Siebenpfeiffer ein. Mit Polizeibegleitung ging es dann hinauf zum Schloss. Die Polizei war schon wegen des Hambachers Landwirts nötig, der die Straße, wohl absichtlich, mit Gülle verschmutzt und die Teilnehmer mit Wasser besprüht hatte.

Das Hambacher Schloss selbst war für die Öffentlichkeit gesperrt und auch die wenigen Gegendemonstranten mit ihren unsinnigen Sprüchen mussten selbstverständlich draußen bleiben.

Das Schloss begeisterte mich mit einer grandiosen Aussicht auf die Pfälzer Weinfelder. Das Museum war leider geschlossen, was nicht nur ich bedauerlich fand, sondern viele andere Teilnehmer auch. Gerne hätte ich mich dort über das historische Fest von 1832 informiert.

Imad Karim hielt u.a.  eine sehr emotionale Rede zur Lage der Nation. Danach gab es Weinschorle und Saumagen im Brötchen. Die Meinungsfreiheit wurde gefeiert und einer der Redner des Nachmittags sagte, was ich für gut pointiert halte, dass die Konsequenz der um sich greifenden politischen Korrektheit die Zensur sein muss. Ich wurde, trotz des schönen Wetters,  fast schon traurig: für so bedenklich halte ich diese Entwicklung. Ich kann nicht verstehen, warum so viele Menschen meinen,  sich den Luxus leisten zu können, die beständigen Angriffe auf die Meinungsfreiheit zu ignorieren. Mit der Nationalhymne endete der offizielle Teil des Festes. Ausführlicher Berichte sind  u.a in der FAZ zu lesen (hier!) und in der Jungen Freiheit (hier!).

Neustadt an der Weinstraße: Der zweite Eindruck

Bevor es zurück nach Hannover ging, hatte ich noch genügend Zeit, um mir Neustadt anzuschauen. Vom Hotel aus passierte ich ein Villenviertel, dessen zur Schau getragene Reichtum im diametralen Gegensatz zum prekären Wohnumfeld in Bahnhofsnähe steht.  Überall duftete es nach Flieder und historische Villen zeugten von dem Reichtum der Winzer, der sich anscheinend bis in die Gegenwart fortsetzt oder aus neuen, mir unbekannten Quellen, generiert wird. Wer weiß das schon so genau.

In der hübschen Altstadt  wurde für einen Markt und einem verkaufsoffenen Sonntag hektisch aufgebaut. In den kleinen Gassen gibt es unzählige Läden und gemütliche Weinlokale, die zu dieser frühen sonntäglichen Tageszeit aber geschlossen waren. Einen geöffneten Bäckerladen hätte ich mir gewünscht, musste aber feststellen, dass ein solcher anscheinend  nicht (mehr) zur Infrastruktur des Städtchens gehört. Sobald man den schmucken Innenstadtkern verlässt, zeigt sich auch erneut  prekärer Leerstand. Die Döner Brötchen beim “Istanbul” Bäcker (der Laden heißt wirklich so!)  lockten mich nicht und so schlenderte ich zurück zum Hotel  und bedauerte, dass ich mich dort nicht für das Frühstücksbuffet entschieden hatte. An einer Hauptverkehrsstraße  fand ich endlich noch ein unscheinbares Geschäft mit Kaffee zum Mitnehmen und Körnerbrötchen.

Die Rückreise

Solchermaßen gestärkt trat ich die Rückreise an. Die Fahrt mit dem ICE von Mannheim nach Hannover glich einer Hitzehölle.  Das Zugabteil  war, da die Klimaanlage ausgefallen war, eine einzige Sauna.  Zu allem Überfluss rumpelte der ICE gefühlt zeitweilig dermaßen instabil über die Gleise, sodass die Handybedienung zum Abenteuer wurde. Immerhin gab es dann noch Wasser für die schwitzenden Fahrgäste  umsonst.

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