Park Bad Muskau, Teil 4

Das ist die Fortsetzung meines Reiseberichts der hier beginnt.

Wie verkehrsgünstig mein Hotel lag, merkte ich an diesem Tag. Der Bus Nr. 10 (Pücklerlinie) hält direkt am Hotel und brachte mich zur Haltestelle Vorpark. Von dort ging es mit zweimal Umsteigen, was sich vollkommen problemlos gestaltete, nach Bad Muskau, Haltestelle Kirchplatz.

Erstaunt war ich darüber, dass die Busfahrerin den Park, der seit 2004 zum Weltkulturerbe gehört, noch niemals besucht hatte, wo ich hingegen  extra wegen der Gartenträume des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau  angereist gekommen war.

Im alten Schloss besuchte ich erst einmal die Touristinformation und kaufte mir einen Plan des Parks. Ich entschied mich für die „braune Tour“, ließ mich dann aber auch von meinen inneren Impulsen steuern. Die landschaftliche Weite, die der Muskauer Park, den Besuchern präsentiert, ist beeindruckend.

Bebauungen, die von Fürst Pückler geplant wurden,  sind entweder zerstört oder wurden nicht verwirklicht, schließlich war H. Pückler ständig in Geldnöten und gab aus diesem Grund auch sein Anwesen in Muskau auf und zog nach Branitz. Über den Branitzer Park habe ich hier berichtet.

Der Park in Muskau  beinhaltet einen deutschen und einen polnischen Teil, die seit 2003 jeweils durch zwei Brücken miteinander verbunden sind. Der polnische Teil, zumindest den kleinen ufernahen Ausschnitt, den ich erleben durfte, ist insgesamt weniger gepflegt und ähnelt mehr einer wilden Naturlandschaften. Die  gemähten Wiesen des deutschen Teils bilden dazu einen eindringlichen Kontrast, der sich dafür aber nicht in Ruhe genießen ließ. Immer waren lautstarke gärtnerische Gerätschaften zu hören, die  eine komtemplatorische Annäherung an den Park störten.

Das neue Schloss befand sich im Jahre 1945 in einem ruinösen Zustand, umso bewundernswerter ist die Aufbauleistung zu werten. Die Restauratoren, Denkmalschützer und beteiligten Historiker verdienen meinem größten Respekt, besonders die Bibliothek mit ihren Stuckarbeiten, die nach alten Fotos wieder aufgebaut wurde, macht Lust darauf, in ihr zu verweilen und in den alten Büchern zu blättern. Die stehen jedoch, dem Alter muss es wohl geschuldet sein, in abschließbaren Schränke. Zum Lesen liegen aber diverse aktuelle Bücher aus, die sich mit dem Landschaftspark und dem Leben des Fürsten beschäftigen.

Bevor der Besucher aber die Bibliothek erreicht, lässt sich eine multimediale Ausstellung zum Leben des Fürsten genießen. Den Ausstellungsmachern ist es darin gelungen,  Informationen interaktiv so aufzuarbeiten, beispielsweise indem Anleihen an Tischtheaterformen gemacht werden, dass sich der Besuch kurzweilig gestaltet. Zum Schluss kann der Besucher in kleinen gepolsterten Wägelchen Platz nehmen und eine virtuelle Rundfahrt durch den Park im Planungszustand vornehmen. Dabei wird der Fürst selbst zitiert und der Besucher bekommt einen Eindruck davon, wie der Park in Vollendung ausgesehen hätte, wenn der Fürst denn das notwendige Kleingeld besessen hätte, um seine Visionen in die Tat umsetzen zu können.

Die Sonderausstellung in der oberen Etage und auch den Turm besuchte ich genauso wenig wie die Ananas-Ausstellung, die sich mit der Ansiedlung dieser südlichen Frucht im sächsischen Bad Muskau befasst.

Genau genommen braucht man auch für diesen Park und seine angrenzenden Grünanlagen mehr als einen Tag. Nur so lässt sich alles mit Muße betrachten.

Mir geht es ja bei meinen Reisen schließlich niemals um Quantität und um das tumbe Abhaken von Sehenswürdigkeiten und To-Do-Listen. Im Gegenteil: Ich bevorzuge immer das kontemplatorische Verweilen und die gedanklich-intuitive Aufarbeitung, die in die Tiefe geht und dabei Inspirationen für das eigene Sein erhält. Deshalb ist es mir auch so wichtig, nur solange eine Besichtigungstour fortzusetzen, wie ich aufnahmebereit bin und im Zweifelsfall dann eben auch einmal nicht alles gesehen zu haben. Weniger ist manchmal mehr und ich  habe ja jederzeit die Möglichkeit wiederzukommen.

Nachdem ich auf diese Art und Weise die Parkbegehung abgeschlossen hatte, ging es für mich weniger entspannt  weiter. Ich verließ den Park und überquerte abermals die deutsch-polnische Grenze, um noch über den sogenannten Polenmarkt, eine Ansammlung von Wellblechhütten, die mich an westafrikanische Gefilde erinnerte, zu erreichen.

Im Linienbus auf der Hinfahrt hatten nämlich ältere Damen gesessen, die extra für den Markt angereist gekommen waren, was meine Neugierde geweckt hatte.

Um 17 Uhr waren jedoch die meisten Stände des Polenmarktes bereits geschlossen.  Es gab Parfüm, Zigaretten, Uhren und Bekleidung zu kaufen. Ich kaufte mir ein Kleid, einfach deshalb, weil meine saubere Wäsche für die Reise erschöpft war und ich am darauffolgenden Tag ordentlich die Rückreise antreten wollte. Von 26 € handelte ich es dabei auf 20 € herunter, hatte aber dabei nicht das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Auch das rustikale Essen, was ich dort zu mir nahm, war preislich nicht unbedingt günstiger als jenseits der Brücke über die Neiße, dafür wurde ich aber von einem jungen Mann angesprochen, der mich fragte, was ich wirklich brauchen würde? Ich sagte, dass ich vollends zufrieden wäre, ahnte aber, dass er erwartet hatte, von mir irgendwelche „Bunte-Pillen“-Wünsche zu hören, die er mir sicherlich, für das notwendige Geld, hätte erfüllt werden können.

Mein Sicherheitsgefühl war auf dem Markt getrübt und als ich die Brücke wieder zurück nach Muskau überquerte, stand dort auch Polizei, um den Grenzverkehr sporadisch-müde  zu kontrollieren.

Mit einer alternativen Busverbindung ging es nach Weißenfels und von dort zurück nach Cottbus. Leider war diese Verbindung etwas teurer, dafür sparte ich mir aber so  immerhin ein  Umsteigen und kam relativ entspannt wieder in meinem Hotel in Cottbus an.

Am nächsten Tag schaute ich mir noch das Apothekenmuseum in Cottbus an. Fortsetzung folgt!

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[…] Fürsten Hermann von Pückler-Muskau gewesen, dessen Gärten ich ja schon unlängst in Branitz und Muskau besucht hatte. Später fand hier die Gartenausstellung […]

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[…] überzusiedeln und den eben beschriebenen Garten, sozusagen als Altersvermächtnis,  anzulegen.  Hier lässt sich […]