Salzburger Entdeckungen: Von Zwergen und Giganten

Letztes Jahr besuchte ich nicht nur Wien, sondern auch Salzburg, wovon auch noch einiges zu berichten ist. Da es mir fern liegt, Sie hier mit der Auflistung von irgendwelchen Sehenswürdigkeiten zu langweilen, berichte ich hier, wie eigentlich immer im Blog, von den Dingen, die mir aufgefallen sind und die ich auf irgendeine Art und Weise für „interessant“ befunden habe.

Ich mache hier einmal den Anfang mit allerlei Zwergen und Giganten :

Der Zwergelgarten

Ausgehend von der Altstadt erreicht man das Schloss Mirabell in nur einem zehnminütigen Spaziergang.

In der Nähe vom Schloss Mirabell befindet sich der Zwergelgarten, der mich, vollkommen unvorbereitet wie ich durch Salzburg streifte, überrascht hat. Überall stehen Statuen von kleinwüchsigen Menschen. Dies war eine Skurilität, die ich zuerst nicht zuordnen konnte. Schnell jedoch war ich angetan von den Figuren, die verspielt-komisch wirkten, ohne dabei vollends in das Groteske abzugleiten und die kleinwüchsige Menschen, die im Barock Teil der Hofgesellschaft waren, ehrte.

Im Zuge der barocken Umgestaltung des Mirabellengartens durch Johann Bernhard Fischer von Erlach wurde der Zwergelgarten 1690/91 gestaltet. Die 28 Zwerge aus Untersberger Marmor bilden ein Gegenstück zu den 28 antiken Figuren des Großen Gartenparterres und am Lindenhain.

Eine Hochzeitsgesellschaft hatte im Zwergelgarten Stehtische aufgebaut und vergnügte sich mit Sekt, während ich Fotos schoss, die allesamt später verlorengehen würden, ließ ich nämlich während meines Salzburg-Aufenthaltes meine teure Fotokamera auf einer Bank gleich bei der Salzburger Pferdeschwemme liegen.

Überhaupt habe ich mir Salzburg hauptsächlich dadurch angeeignet, dass ich mich einfach habe treiben lassen und die Stadtlandschaft als Orakel aufgefasst habe, die mir schon zeigen wird, was sie mir offenbaren will.

Kopernikus

Da sich an den Mirabellengarten der Kurgarten, der sich allerdings schon im Salzburger Stadtteil Neustadt befindet, anschließt, stand ich alsbald vor der Kopernikus-Statue.

Er stammt von dem in Salzburg geborenen Josef Thorak, der leider immer noch, weniger als genialer Künstler, denn als Befürworter des Nationalsozialismus rezipiert wird.

Es ist für mich ein Werk genialen bildhauerischen Könnens, was verpönt am Rande steht, wohl um den Künstler Josef Thorak, noch weit über seinen Tod hinaus, mit einem Bann zu belegen. Vielleicht ist dies aber auch nur meine Über-Interpretation und man hat sich keine großen Gedanken bei der Platzierung gemacht. Eine solche Gedankenlosigkeit in Hinblick auf die richtigen Orte ist in der Stadtgestaltung ja leider gängige Praxis.

Josef Thorak wird leider immer noch weniger als herausragender Bildhauer, denn als Befürworter des Nationalsozialismus rezipiert, womit sich dann die philosophische Frage anschließt, ob das Werk eines Künstlers von seinem biographischen Sein zu trennen ist. Ich würde dies bejahen, weiß aber darum, dass viele Menschen dies, gerade in der heutigen Zeit, gänzlich different beurteilen.

Was die generelle Betrachtung der Kunst betrifft, die auch während des Nationalsozialismus Erfolg hatte, so scheint es, daß mehr die Person und ihre politische Einstellung in den Vordergrund rückt. Nicht der Kunstgegenstand wird nach der künstlerischen Vollendung bewertet, sondern nur das gedankliche Gerüst der Kunst, ob in gewünschter Ausrichtung vorhanden oder nicht.

Da Thorak kein Regimekritiker war oder sich zu den Exilkünstlern zählt, ist es heute kaum möglich, seinem künstlerischen Schaffen vorurteilslos entgegenzutreten. Ohne weitere Erläuterung diente seine Kunst aus heutiger Sicht einzig und allein der Darstellung des damaligen, idealisierten Menschenbildes.

Höchstwahrscheinlich hätte seine Kunst auch dieser Kritik stand gehalten und zumindest einen kleinen Kreis von Anhängern gefunden. Wesentlich schlimmer jedoch ist das Totschweigen, das zusätzlich an seiner Kunst verübt wurde. Vollkommen der Öffentlichkeit entzogen(,) ist er heute nahezu in Vergessenheit geraten.

VAWS-Pressebüro: Josef Thorak, Duisburg 1998, S. 4 f.)

Neben Thoraks „Kopernikus“ befindet sich im Kunstgarten noch der „Knieende Paracelsus“und weitere Statuen. Beide stehen dort seit einer Thorak-Ausstellung, die Zuge der Salzburger Festspiele 1950 stattfand und die eine öffentliche Rehabilitierung zum Ausdruck brachte. Im Zuge eines Entnazifizierungs-Verfahrens war Josef Thorak zuvor freigesprochen worden. Im Jahre 1952 verstarb Josef Thorak auf seinem Schloß Hartmannsberg.

Die im Kurgarten angebrachten Infotexte zu den Kunstwerken im Kurgarten lassen sich hier nachlesen.

Paracelsus

Beim Paracelsus muss ich ja immer gleich an dem grandiosen Totentanz von Harald Kreuzberg im Paracelsus-Film von 1943 denken. Dieser kann auch als versteckte Kritik am Nationalsozialismus verstanden werden, zeigt aber, davon losgelöst, expressionistisch-groteske Tanzkunst in Höchstform.

Massenhypnose ist darüber hinaus ja ein Phänomen, was immer aktuell zu sein scheint.

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