Seltsame Orte: Die RosebuschVerlassenschaften

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Im Zuge der „Nacht der Museen“ bin ich letzten Samstag – gänzlich ohne Vorbereitung – auf die Rosebuschverlassenschaften getroffen. Dort wurde mir – auf eine verstörende Art und Weise – die Macht der Dinge eindrucksvoll vor Augen geführt.

Es scheint ein großer Unterschied zu sein, ob man ein Objekt eines Künstlers im Museum oder in der Galerie bestaunt oder ob man auch körperlich direkt in ein groß angelegtes Environement, eben das Lebenswerk eines Künstlers, eintritt.

Letzteres ist hier der Fall.

Alles ist in rostbraun getaucht und weckt Assoziationen von einer Industriekultur, die längst dem Untergang verfallen ist.

Ich, die ich mit Holocaust-Fersehsendungen aufgewachsen und deshalb absolut überdrüssig jeglicher Mahnmale und didaktischer Filmchen  bin, stelle erstaunt fest, dass dieses Environment eine Tür öffnet in eine zentnerschwere Blockade, die ich diesem Thema mittlerweile entgegenbringe. Hier wird der Bogen gespannt zwischen  der Ästhetik der alten Fabriken, ihrer Ausschusswaren und der industriellen Vernichtung von „Anderen“  und vom „Anderen“ zur Zeit des Nationalsozialismus.  Dies alles geschieht auf einer sehr emotionalen Ebene. Und so verliere ich mich zwischen den Dingen, widersprüchliche Gefühle  werden ausgelöst, packen mich und beschäftigen mich auch noch im Nachhinein.

Die Rosebuschverlassenschaften sind das blanke Gegenteil zur modernen „Simplify your life“-Philosophie. Anstatt sich von den Dingen zu befreien, um etwas Neues in das Leben zu holen, wird hier  vielmehr das Alte in neue Zusammenhänge gestellt und dabei auf eine sehr emotionale Weise neu interpretiert.

Es ist eine Assemblage, in der der Besucher zum Täter wird. Zwischen all den Verlassenschaften finden sich  immer wieder Textzitate oder ebenfalls rostbraune Bilder, die Menschen auf der Flucht zeigen und die mir wie die Manifestation der Geister der Verstorbenen vorkommen.

Sie raunen mir zu:
Was hat das alles mit uns heute zu tun?

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