So viele Chinesen: Ein Ausflug nach Hallstatt im Salzkammergut

Jetzt – in den Zeiten der Pandemie und des beschränkten Tourismus – wird es auch in Hallstatt ruhiger geworden sein, letzten Herbst, am 12.10.2019, als ich dort war, schien mir der Ort der materialisierte Alptraum eines Tourismuskritikers zu sein.

Massentourismus

Seit nämlich der gesamte Ort im Jahre 2012 als Kopie in China neu errichtet worden ist, treibt es die chinesischen Touristen auf Europaerkundung in Massen dazu, sich das pittoreske Original anzuschauen und es per Kamera abzulichten.

Die freie Wirtschaft reagiert auf die erhöhte Nachfrage und so werden in Salzburg eine Reihe von organisierten Touren angeboten, die das schnelle Abhaken der wichtigsten Sehenswürdigkeiten garantiert.

Bei Gästen aus dem Ausland ist der besagte Hallstatt-Ausflug ähnlich beliebt wie die „Sounds of Music„-Angebote. Letzteres spielt auf den Film „Meine Lieder – meine Träume“ an, der im außereuropäischen Ausland recht bekannt ist. Darin wird, anhand der Geschichte der Trapp-Familie, die Sehnsucht nach einer idyllischen Welt in Szene gesetzt.

Mit einer organisierten Tour lässt sich diese aber nicht erreichen.

Im vollbesetzten Omnibus ging es von Salzburg bis nach Hallstadt, wo ich sowohl Teilhaberin als auch Zeugin eines Über-Tourismus wurde, den ich als abstoßend empfand.

Hier wurde das Dilemma der touristischen Erkundungen offensichtlich: Die Idylle, die gesucht wird, wird gleichsam zur fragilen Kulisse, die den Massen nicht mehr standhalten kann und zum Kitsch verkommt.

Leider habe ich in Hallstatt selbst nur wenige Bilder per Handy geschossen, hatte ich doch gerade zuvor meine Fotokamera auf der Salzburger Sitzbank liegen gelassen (und natürlich auch nicht wiederbekommen).

Die Aussichtsplattform

Sie erreicht man mit einer Bergbahn. Gleich nebenan befindet sich der Eingang zu den Salzwelten und einige Gräber, die schon aus der älteren vorrömischen Eisenzeit stammen. Insgesamt wurden in Hallstatt über 1000 Gräber gefunden, die namensgebenden für die Hallstattzeit wurden. Über die archäologischen Funde informiert ein Museum im Ort (siehe hier!)

Die Aussich auf den Hallstätter See, flüchtig, von der Salzbergbahn aufgenommen …

Die eigentliche Aussichtsplattform wird in englischer Mundarbeit“ als „Skywalk“ vermarktet. Von dort soll man den spektakulären „Weltkulturblick“ genießen können.

Auf meinem Bild ist die Plattform nur aus der Entfernung zu erkennen. Man sieht aber, dass man sich hier anstellen musste, um das perfekte Selbstportrait vor eindrucksvoller Kulisse schießen zu können. So soll dann die Illusion der Exklusivität verkauft werden und der Betrachter über den Massencharakter hinweggetäuscht werden. Mir war dies schlicht und ergreifend zu blöd.

Hier ist die Menschenansammlung etwas besser zu erkennen!

Die Michaels-Kapelle und das Beinhaus

Aufgrund der sehr knappen Zeit musste ich mich sehr beeilen, um vom Eingang der Salzwelten und der Aussichtsplattform wieder zurück in den Ort zu kommen.

Panorama-Tours räumt seinen Gästen nämlich nur 2,5 Stunden in Hallstatt ein. Der Besuch der Salzwelten, des Gräberfeldes und des Welterbemuseums Hallstatt sind so nicht möglich.

Zwischen den asiatischen Touristen mäanderte ich also durch Hallstatt, schließlich musste ich den Ort fast vollständig durchqueren, um zur Michaels-Kapelle mit den Totenschädeln zu gelangen. Das war mir, aus melancholischen Gründen, wichtig, hatten nämlich schon meine Eltern ein Foto von den Totenköpfen in den 60er Jahren des letzen Jahrhunderts geschossen, was mir schon als Kind ein leichtes Gruseln eingeflößt hatte.

Um die Schädelmalerei im Beinhaus zu bewundern, musste ich einen kleinen Eintritt bezahlen.

Fazit

Das Zeitfenster auf solchen Ausflugsfahrten ist eng und letztendlich führen solche Kurztripps nur dazu, dass man zwar rückblickend überall war, wirklich aber erfasst hat man dabei überhaupt nichts.

Auch in Hallstatt hätte ich gerne mehr Ruhe und Zeit gehabt.

Jetzt, wo das Virus den Übersee-Tourismus dämpft, ist wahrscheinlich die ideale Gelegenheit, den Ort, ohne die vielen Chinesen und den anderen außereuropäischen Besuchern, zu genießen, eventuell erstürmen nun aber die deutschen und österreichischen Besucher den Ort. Ich weiß es nicht.

Weitere Ausflüge

Auch im Schnelldurchlauf habe ich nicht nur den Hallstatt- Ausflug, sondern auch die „Berge und Seen„-Tour absolviert.

Knapp davor, nämlich am 19.09.2019, hatte ich die Premiere des „Weißen Rössels“ vom „Theater für Niedersachsen“ in Hildesheim (siehe hier) gesehen. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich so schnell danach, am Ort des Geschehens sein würde.

Doch, wie konnte es anders sein: Die Theaterkulisse mit all ihren übertrieben urig dargestellten Schauspielern war fast eindrucksvoller als das Original, sodass ich weder über die Fahrt über den Wolfgangsee noch über den Besuch von St. Gilgen einen gehaltvollen Artikel schreiben kann.

Meine Eindrücke blieben leider flüchtig. Immerhin war dieser Ausflug nicht stark frequentiert, sodass wir die Fahrt im gemütlichen Kleinbus antreten konnten. Fast belustigend war für mich der Halt bei der Firmenzentrale von Red Bull. Nein, ich hatte kein Interesse an einem fotografischen Souvenir. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.