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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Sommerfrische in Swinemünde

Written By: Marina Sosseh - Jul• 02•18

Meine Anreise

Heute (29. Juni) machte ich mich gen Swinemünde auf. Über Berlin ging es mit dem Bummelzug durch die Uckermark nach Züssow.

Meine Hoffnung ist es ja, dass mich die Reise Abstand gewinnen lässt. Die letzte Regionsversammlung und den Schock darüber, dass viele Vertreter der einschlägigen Parteien nicht bereit sind, sich die Argumente der Gegenseite anzuhören und sogar so unhöflich sind, demonstrativ den Raum zu verlassen und/oder von der Sachebene zu persönlich angreifenden Äußerungen zu wechseln, hat meinen ohnehin geringen Glauben an die Menschheit leicht erschüttert. In der “Jungen Freiheit” lese ich, während der Zug an Dörfchen mit merkwürdig klingenden Namen hält, einen Nachruf auf Manfred Brunner. Dort steht: “Er mahnte auch, bein politischen Gegner die Person als Ganzes zu sehen und ihn auch in dessen mißglückten Aktionen noch ‘als ein Gegenüber, als einen Gesprächspartner’ anzuerkennen.” Dieser Satz von Dieter Stein beschreibt treffend,was ich erwarte und was ich auch selbst, zu geben bereit bin.

Mit der Bäderbahn nach Usedom

In Züssow muss ich in die Bäderbahn umsteigen. Der kleine Zug hält an jeder Milchkanne. Gegenüber von mir sitzt ein junges Paar, was mit allerlei Liedern und Nahrungsmitteln bemüht ist, seine übermüdeten Kinder bei Laune zu halten. In dem ganzen Durcheinander aus Kindergequengle und Beschwichtungen höre ich plötzlich, wie der Vater sich, mit fester Stimme, bei der Sitzgruppe gegenüber als überzeugten Jäger offenbart. Leider vermag ich nicht zu sagen, was dem vorausgegangen war: vielleicht eine Unterhaltung über den Brotbelag. Jedenfalls erklärt der Vater seinen Gesprächspartner, bei dem es sich wohl um einen ausgesprochenen Tierliebhaber handelt, dass Tierschutz auch beinhaltet, die jeweiligen Rehpopulationen klein zu halten und dass ihm das Jagen Freude bereitet. Der Tierfreund lenkt ein, während gleichzeitig die Frau des Jägers diesen dazu ermahnt, sich lieber wieder den Kindern zu widmen. Der ganze Zug höre schließlich mit. Sie hat mit ihrer Intervention Erfog und, ganz ohne Veganer-Fleischesser-Auseinandersetzung, dafür mit dem wechselseitigen Gesumme von “Hänsel und Gretel” (Mutter) und Ode an die Freiheit (Vater) erreicht die Bäderbahn schließlich Heringsdorf. Der Zug leert sich, ein neuer Zugführer steigt ein und vorbei an einem Zelt, in dem Sandkunstwerke ausgestellt sind (was mich verwundert, dachte ich doch immer, dass so etwas – ganz ohne Eintritt – am Strand frei zugänglich wäre), geht es über die deutsch-polnische Grenze nach Swinemünde.

Das Hotel Cesarskie Ogrody

Mein Hotel Cesarskie Ogrody kommt stilvoll daher, kein Wunder handelt es sich dabei doch um ein denkmalgeschütztes Krankenhaus (Baujahr 1909) und ich fühle mich auch gleich wie in das “Zauberberg”-Sanatorium versetzt. Der “Kaisergarten”, wie es auf deutsch heißt, weist einem vorgelagerten Park mit sehr alten Baumbestand auf. Mein Zimmer liegt in der zweiten Etage, etwas seitlich versetzt über den Hauptzugang und ich öffne sogleich die Fensterflügel weit auf, um Sonne und eine leichte Küstenbrise hineinzulassen. Leider fließt das Wasser in der Dusche nur im kleinen Rinnsal auf mich herab und auch die Internet-Geschwindigkeit ist so langsam, dass sie für meine Zwecke unbrauchbar ist. An der Rezeption werde ich, im perfekten Deutsch, auf einen angeblich im Zimmer vorhandenen Router hingewiesen, der aber weder real noch virtuell für mich sichtbar ist. So habe ich Zeit, mich den Reiseführern und dem Schreiben zu widmen.

Gut auch, dass ich zumindest über mein mobiles Telefon in das Internet komme. Einen Blogartikel hochladen kann ich jedoch nicht.

Erste Eindrücke von Swinemünde

Ich freue mich darüber,dass ich mir einen Wasserkocher in dem Koffer gesteckt habe. Der ist im Hotelzimmer nämlich leider auch nicht vorhanden, womit mal wieder bewiesen wäre, dass man sich beim Reisen in erster Linie nur auf sich selbst verlassen sollte.

Ich koche mir also erst einmal einen starken Tee, bevor ich mir die Strandpromenade anschaue. Die Straßen dorthin scheinen leicht marode zu sein, genauso wie auch die Bausubstanz rechts und links nicht immer im besten Zustand sind. Diese Eindrücke sind allerdings am Strand schnell vergessen. Der ist fantastisch breit und ist eine wahre Naturschönheit.

Die Promenade bietet allerlei Vergnügungen der oberflächlichen Art an. Ein Fischteller mit großem Bier mundet gut und ist mit dem Gesamtpreis von 11 Euro auch als günstig zu bezeichnen.

Spätestens am Radisson Blue Hotel angekommen, glänzt Swinemündes neues Kurviertel in einer gepflegter, aber auch seelenlosen Modernität. Bis 2020 soll Swinemünde sogar noch eine eigene Seebrücke erhalten. Dies war Bedingung für den Hotelneubau, der vom Strand aus gesehen unschön wirkt.

Auch hinter dem Radisson Blue Hotel wird gebaut. Die Stadt scheint im touristischen Aufwind zu sein.

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