Sommerliche Impressionen aus Hannover

Friedrich Wilhelm Engelhard schuf ein Wotan-Denkmal, was sich – etwas versteckt – an der Rückseite des Niedersächsischen Landesmuseums befindet.

Als ich heute dort vorbeispazierte, musste ich leider feststellen, dass der  Göttervater  eingezäunt und – man könnte fast sagen – gefangen ist, was sich vielleicht – ganz pragmatisch – mit irgendwelchen notwendigen Restaurierungsarbeiten erklären lässt, was aber auch sinnbildlich stehen kann für eine Zeit, in der die eigenen Wurzeln beschnitten werden, zugunsten eines Neoliberalismus, der nur noch Beliebigkeit kennt.

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Weiter ging es zum  Sprengel-Museum. Dieses  versprach heute nicht nur freien Eintritt, sondern auch eine wohlklimatisierte Zone, in der sich eine Videoinstallation  – mit virtuellem Meer  und mit einem kraulenden Mann im Schwimmbecken davor – in der Ausstellung „Vom Faulenzen und Nichtstun“ genießen ließ.

Die Ausstellung gliedert sich in vier Freizeitverwendungen, die da wären „Ruhe und Wiederherstellung der Kräfte (Schlafen, Liegen, Genesen), Unterhaltung, Zerstreuung und Vergnügen (geselliges Beisammensein, Urlaub machen), Selbstverwirklichung (etwas durch das künstlerische Tun) und Erbauung, womit dann der Müßiggang, das Schlendern und das Spazieren gemeint ist).

Ich meine ja, dass die letzen beiden Punkte zusammengehören. Ohne Müßiggang kann kein künstlerisches Tun mit Substanz entstehen. Wenn die Freizeit ge“taktet“ ist, zwischen Fitness-Optimierung, Shopping und  Event-Besuch,  dann freut dies die Konsum-Industrie.  Wir wiegen uns in der Harmonie der vielfältigen Freizeitvergnügen und bewahren uns so davor, aufzuwachen und hinter  die Schatten der Wirklichkeit zu blicken, die nur eine bunte Illusion aus Warenwelt-Attrappen ist.  Kunst aber durchbricht die Camouflage. Sie  braucht die Freiheit, die sich nur in der Zwecklosigkeit findet.  Muße eben, die sich auch der Schwimmer in besagter Film-Sequenz nicht gönnt. Die Freiheit ist so nahe, aber er schwimmt nur stupide Bahnen: immer das Trainingsziel vor Augen.  Wir aber legen uns auf die Liegesäcke und betrachten die Szenerie, die sich in endloser Sequenz wiederholt. Absichtslos.

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Und dann entdecke ich noch – kurz vor dem Heimweg – in der zweiten aktuellen Sonderstellung des Museums, eine kleine Grafik von Bernhard Hoetger, der mir ja schon durch die Böttcherstraße in Bremen bekannt ist.  Ein DRACHENKAMPF ist darauf zu sehen.

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