Eine winterliche Stippvisite in Dresden

Impression vom Dresdner Zwinger

Mit der Bahn ist man von Hannover aus in ca. vier Stunden in Dresden. Da ich Dresden bisher nur von der Durchfahrt her kannte, unternahm ich am Samstag also einen Tagesausflug nach Dresden, bei dem ich knapp fünf Stunden Aufenthalt zur Verfügung hatte.

Dresden in fünf Stunden

Rückblickend muss ich sagen, dass dieser Zeitrahmen für eine winterliche Stippvisite ausreichend ist.  Schließlich war es fröstelig und ich hatte diesmal auch kein Museum auf dem Plan,  in dem ich mich zwischenzeitlich hätte aufwärmen können.

Allerdings las ich auf der Hinfahrt im Zug, dass das “Museum für Sächsische Volkskunde” eine große Puppenspielsammlung präsentiert, was mich in der Tat ausgesprochen interessiert hätte.

Überhaupt bietet Dresden in Bezug auf Museen und Ausstellungen so einiges, doch mein Fokus sollte heute das große Ganze sein, wobei ich es ruhig angehen lassen wollte.

Doch es ist Weihnachtszeit und da ist es in deutschen Großstädten selten ruhig. Überall sind Buden mit vielfältigen Weihnachtszauber aufgebaut.

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Wilde Männer, Glasbläser und Häusermaler in Venedig. Teil 3

Dies ist der letzte Teil des Berichtes über meine Venedigreise. Hier sind Teil 1 und Teil 2.

Nach dem Frühstück fuhr ich mit dem Zug zur Altstadt. Vom Bahnhof Santa Lucia schlenderte ich gemächlich in Richtung Markusplatz, offen für das, was ich dabei eventuell  noch entdecken könnte. Insofern ließ ich mich treiben. Irgendwann fand ich mich auf eine  der selten Bänke Venedigs wieder, wo ich dem Treiben der Touristen und Einheimischen kontemplativ zuschauen konnte. Solchermaßen eingestimmt  begegnete ich danach dem “Wilden Mann”.  Seht ihr ihn?

An der Vorderfront des Palazzo Bemba-Boldù im Stadtteil Cannaregio ziert er die Häuserfront.   “Wilde Männer, Glasbläser und Häusermaler in Venedig. Teil 3” weiterlesen

Kräutersammler und das Apothekenmuseum in Cottbus

Am letzten Tag meiner kleinen Reise, stand noch das Apothekenmuseum auf dem Alten Markt in Cottbus auf dem Programm.

Bevor ich euch aber von meinem dortigen Besuch berichte, möchte ich  euch, quasi als Einführung zum Apothekenmuseum, eine kleine Vorausschau geben:

Eine Woche später verweilte  ich nämlich im schlesischen Hirschberg/pol. Jelinga Gora.  Arnsdorf/pol Milków, was zum Kreis Hirschberg gehört, war im 18. Jahrhundert eine Hochburg der sogenannten Laboranten. Das waren Kräutersammler, die Pflanzen für diverse Hausmittel und Arzneien sammelten und diese verkauften.

Diese Tradition hatte angeblich  ihren Ursprung in zwei Prager Medizinstudenten, die im Jahre 1700 wegen eines Duells mit vermutlich beabsichtigter Tötungsabsicht, in das Gebirge fliehen mussten oder aufgrund eines Urteils dahin verwiesen wurden. Man weiß es nicht. Jedenfalls lehrten sie den Einwohnern ihr Wissen und legten so den Grundstein für deren Wohlstand. Ob die Prager Studenten im Riesengebirge blieben oder aber nach Prag zurückkehrten, ist ebenfalls nicht bekannt. (Quelle: Streit/Zimmermann (Hrsg.) Schlesische Provinzialblätter, Breslau 1797,  Band 25, S. 509/10)

Die Fremden wandelten in den einsamen Bergen und Thälern umher, sie sahen die Schätze, die die Natur über die Oberfläche des Bodens gestreut hatte, die Botanik hatte ihnen die Kunde von der Natur und dem Gebrauch der Kräuter und Wurzeln gegeben. Sie entdeckten hier bald eine schöne Nahrungsquelle , und bestättigtem in diesem verborgenen Erdwinkel aufs neue die Lehre  der Simonidischen Weisheit. Mit einer einfachen Manipulation bereiteten sie verschiedene Arzneien, die sie durch Einwohner des Dorfs in nahegelegenen Gegenden absetzen ließen; ja sie lehrten auch ihren vorzüglichen Wohlthäter ihre Kunst.  (Anm. d. A.: Rechtschreibung folgt dem Original.)

Später bildeten die Laboranten sogar eine eigene Zunft, um das Gewerbe von anderen “Künstlern” zu schützen.

Auch tragen diese Kräutersammler ihre Waren in die Apotheken, selbst nach Zittau, Görlitz, Herrenhut u. wo sie ihnen beßer, als zu Hause bezahlt werden. Eine auch mehrere Kammern auf dem Boden der Häuser sind von diesem Vorrathe voll: die Verarbeitung deßelben aber geschieht in einem kleinen Nebenhäuschen, das ohne weitere Abtheilung, einen sehr einfachen chemischen Apparat enthält. Sie arbeiten mechanisch und mit einigen schicklichen Handgriffen nach den von ihren Vorfahren ererbten Formeln, ohne chemische Kenntnisse zu haben. (Anm. d. A.: Rechtschreibung folgt dem Original.)

Der Autor beklagt im weiteren Artikel, dass die Kräutersammler nach ihrer fünfjährigen Lehrzeit nichts mehr dazu lernen wollen, vermerkt aber auch, dass ihre Arzneien, auch nach Ansicht von angesehenen Apotheken, wirkungsvoll sein sollten.

Erst durch eine neue Gewerbeordnung, die Friedrich Wilhelm III, erließ, gab es für den Nachwuchs der schlesischen Laboranten keine Berechtigung mehr zum Sammeln der Kräuter,  denjenigen aber, die sie schon innehatten, wurde sie bis zu ihrem  Tode nicht abgesprochen.

Einen Eindruck davon, wohin die Studenten und ihre Schüler ihre Kräuter verkauften, kann man im Apothekenmuseum Cottbus mit seinen historischen Apothekenräumen bekommen. Dieses besuchte ich am letzten Tag meiner kleinen Reise. “Kräutersammler und das Apothekenmuseum in Cottbus” weiterlesen

“Alchemie. Die große Kunst” in Berlin

Kulturforum Berlin

 

Für Hans Christopf Binswanger sieht  in seinem Buch “Geld und Magie die moderne Wirtschaft als  eine erfolgreiche Variante der alchemistischen Kunst.

Die Alchemie stammt aus Ägypten, dem Land, wo vor ca. 5000 Jahren zum ersten Mal Gold gefunden wurde. Sie basiert auf den praktischen Fähigkeiten früher Metallwerker und Schmelzer, auf griechischer Philosophie und auf Einflüsse östlicher mystisch-geprägter Kulturen, die in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten entstanden sind. Die moderne Wirtschaft hat das alte Ziel der Alchemie, nämlich aus Nichts etwas Wertvolles herzustellen,  man denke nur an die Papiergeldschöpfung, auf einer materiellen Basis zur Perfektion gebracht. Die Rolle des Steins der Weisen der Alchemie hat nun das Geldkapital eingenommen, das, selber Geld, wiederum Geld schafft. Da aber, wo viel Geld ist, muss es angelegt werden, wozu sich dann wieder die Kunst eignet.  Wenn dann erst Begehrlichkeiten geweckt sind, erfährt das, was Mittel der Projektion ist, nämlich das Kunstwerk, eine erneute Wertsteigerung. Ein schnöder Alltagsgegenstand kann so zum begehrten Kunstobjekt werden. Der moderne Kunstbetrieb ist ein Durchlauferhitzer. Einige Künstler, die nach dem Besuch einer Kunsthochschule, das Glück haben, von einer renommierten Galerie vertrieben zu werden, erfreuen sich über die Präsentationen ihrer Werke auf Kunstmessen. Wenn dann einige ihrer Werke gar in Museen ausgestellt werden, wächst ihr materielle Wert.  Im übertragenen Sinne wird so Gold aus unedler Materie erschaffen und ich will nicht ausschließen, dass auch einige der modernen Werke der Berliner Ausstellung  auf diese Art und Weise (und durchaus beabsichtigt)  eine alchemistische Wertsteigerung erfahren.

In der Berliner Ausstellung “Alchemie. Die Große Kunst“im Kulturforum wird der Bogen von der antiken Alchemie bis hin zu modernen Künstlern, die sich von der Alchemie haben inspirieren lassen, gespannt. Manche moderne Werke erscheinen, gerade im Kontrast zu den alten Folianten und ihren mit Herzblut gezeichneten Allegorien auf Sulfur, Quecksilber und Antimon seltsam blutleer. Und so ist dann ein kitschiges Jeff Koons Artefakt genauso zu sehen, wie eine Ausgabe von George Ripleys  “The Compound of Alchemy (1471)” und eine Videoinstallation, die ein qualmendes Laboratorium im Stile der Super Mario-Spiele zeigt. Was ist hier wertvoll? Wer bestimmt über den Wert eines Kunstwerks und ist vielleicht das alles nur eine Projektion eines Marktes auf ein Objekt, das an sich wertlos ist?

Die Ausstellung stellt  Objekte aus  verschiedensten Zeiten und auch Kulturen nebeneinander und überlässt es den Besuchern, eigene Schlüsse aus dieser Collage der Artefakte, die selbst schon wieder Kunst ist,  zu ziehen.  Mich lässt die Ausstellung, genauso wie auch manche anderen Kunst-Präsentationen, stellenweise zu der Einsicht kommen, dass hier aus Sch… Gold gemacht wird, was ja durchaus einen alchemistischer Prozess der Wertschöpfung darstellt. “Ist das Kunst oder kann das weg?”, möchte man hier den bekannten Kühlschrank-Magneten-Spruch zitieren.

Aber auch die Kreativität als Schöpfungsakt an sich, weist Parallelen zur Alchemie auf.  Die Stufen des alchemistischen Prozesses, Materia Prima, Calcination, Sublimation, Solution, Putrefaction, Destillation, Coagulation, Tinctura, Multiplikation und Projection, lassen sich durchaus auf den künstlerischen Akt übertragen.  Fernab der Konzeptkunst kann der Künstler immer auch als Schamane und als Magier verstanden werden. Man denke nur an Joseph Beuys und auch ich habe meine Homepage mit “Shamanic Art Coaching” untertitelt, wobei auch ein Quantum romantischer Ironie mitspielen mag!

Blick vom Kulturforum Berlin auf dem Potsdamer Platz
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Alchemie in Halle

Schon früh hatte ich erste Berührungspunkte mit der Alchemie und zwar in Form dieses Heyne-Taschenspiels von 1975, das die Zeiten nur unvollständig überlebt hat und dessen 64 Karten jetzt ein wenig zerfleddert daherkommt. Leider klärt mich die beigelegte kurze Anleitung nicht darüber auf, woher die Holzschnitte und die gereimten Sinnsprüche stammen.

Jedenfalls ziehe ich mir gleich eine Karte des Tages und erhalte:

Die Arbeit

Der Töpfer seine Scheibe dreht.
Aus Ton und Wasser der Topf entsteht.
Mußt Trockenes und Feuchtes binden.
So kann das Wasser die Erd’ nicht überwinden.

Die Erklärung, die praktischerweise auf der Rückseite stehen, sieht das Wasser als Symbol des Unbewussten. Dieses wird negativ im Sinne von Trieb und “niedrige Stimmung” gewertet, die das Gelingen der Arbeit verhindern. Aber auch ein Zuviel an Verstand verhindert den Erfolg, der durch den Zusammenhalt der schöpferischen Kräfte charakterisiert ist.

Die allegorischen Darstellungen und Sinnsprüche dienen dazu, die eigene Selbstentwicklung zu fördern. Vom Verlag intendiert war das sicherlich nicht. Die Veröffentlichung als “Spiel” verheißt erst einmal vordergründig Unterhaltung, die dann aber, dafür sorgen die alten Abbildungen, doch in die Tiefe führen.

Leider ist dieses Spiel nur noch, wenn überhaupt, als Flohmarktware erhältlich.

Wohingegen das Orakelspiel die Selbsttransformation durch alchemistische Bezüge befördert, lässt die Ausstellung in Halle diesen spirituellen Aspekt vollkommen außen vor und kapriziert sich stattdessen auf die Zusammenhänge zwischen Alchemie und modernen Naturwissenschaften. Das Weltgeheimnis soll entschlüsselt werden und eine beständige Annäherung an dieses hehre Ziel sehen die Ausstellungsmacher in der Alchemie, die zur Entwicklung der modernen Chemie  sowie der Pharmakologie und so u.a. auch zu John Daltons Atomhypothese geführt hat, verwirklicht.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Überresten von Gerätschaften, die sich in einer Abfallgrube befanden. Diese gehörten zu einer Alchemistenwerkstatt, die in einem ehemaligen Franziskanerkloster, das im Zuge der Reformation nicht mehr vom Orden genutzt wurde, beheimatet war. Anhand der Chemikalienreste, die sich an den Geräten nachweisen ließen, lässt sich nachvollziehen, womit sich die dortigen Alchemisten im 16. Jahrhundert befassten. Die Produktion von Gold stand hier nicht im Vordergrund, stattdessen wurde hauptsächlich das hochgiftige Antimonium hergestellt. Diesem wurde, wenn es denn in geringen Mengen produziert wird, eine reinigende Wirkung unterstellt, weswegen man damals glaubte, ein Allheilmittel für alle Krankheiten der Welt gefunden zu haben.

Der Gang durch die sehenswerte Ausstellung endet “jenseits des Atoms”. Ein Bild des Inneren des Genfer Teilchenbeschleunigers ist dann auch über den gefundenen archäologischen Inventar angebracht und verweist so auf die gegenwärtige Annäherung an das “Weltgeheimnis”. Die zwinkernde Warnung,  bei all diesen wissenschaftlichen Höhenflügen, die Bodenhaftung nicht zu verlieren, darf am Schluss nicht fehlen: Der Besucher erfährt, dass im Jahre 2016 ein schnöder Marder, den größten Teilchenbeschleuniger der Welt außer Betrieb gesetzt hat (Zeitungsmeldung).

Neben der Ausstellung in Halle, zeigt auch das Berliner Kulturforum eine Alchemie-Ausstellung, die allerdings ihren Schwerpunkt auf der Verbindung von Alchemie und Kunst liegt. Der künstlerische Schaffensprozess weist nämlich Parallelen zum alchemistischen Prozess der Transformation auf. Beide, Künstler und Alchemist, wollen Neues erschaffen.

Auch auf dem Besuch der Berliner Ausstellung freue ich mich schon.

Alchemie. Die Suche nach dem Weltgeheimnis (Halle, bis 05.06.2017)

Alchemie und die große Kunst läuft im Berliner Kulturforum  (Berlin, bis 17.06.2016)

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Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel

150220151137

Anfang des Jahres war ich in der Fürstengruft in Wolfenbüttel, deren Sarkophage und deren  Inhalt gerade restauriert wurden. Über die Leichen-Restauration schrieb sogar die Welt

Im nächsten Leben werde ich Leichen-Restauratorin.  “Warum so viele Körper nicht verwesen …? ” : Vielleicht weil sie lebendige Tote sind: Zombies. Ich bin von ihnen umgeben. Uaaahhh!

“Aber da lässt sich bestimmt noch was transformieren”, denke ich und besuchte die Alchemie-Ausstellung in der Wolfenbüttler Bibliothek. Sie zeigte alte Alchemisten-Bücher, meist in Geheimschrift. “Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel” weiterlesen