Die Teufelskuhle, das Mausoleum Graf Carl von Alten und die Döhrener Wolle: Eine hannoversche Winterwanderung

Gestern unternahmen eine Freundin und ich eine kleine Winterwanderung im Nahbereich.

Wir starteten am Freizeitheim Ricklingen und gingen von dort zum Ricklinger Holz. Von dort wanderten wir weiter in Richtung Hemmingen. Dabei hatte ich die Hoffnung, dass wir an der sogenannten Teufelskuhle vorbeikommen wĂŒrden, hatte ich nĂ€mlich unlĂ€ngst gebraucht ein Buch mit niedersĂ€chsischen Sagen erstanden, wo genau dieser geheimnisvolle Ort ErwĂ€hnung fand. Ein Einsiedler soll dort einmal gelebt haben, der nachdem er einen jungen Mann fĂŒr den christlichen Glauben missioniert hatte, von dessen Bruder ermordet worden sein soll. Danach versank die Kirche mitsamt dem Mörder im Boden und die Erdspalte fĂŒllte sich mit Wasser.

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In RĂŒbezahls Reich. Teil 5

Die letzte Station meiner Schlesienreise war Breslau (pol. Wroclaw).

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Mein  Hotel  (Qubus Hotel Wroclaw) lag direkt in der Innenstadt und bot eine spannende Aussicht auf die gotische Maria-Magdalena-Kirche. Überhaupt war es empfehlenswert. Es gab nichts auszusetzen.

Den ersten Abend verbrachte ich damit, die Aussicht aus meinem Zimmer zu skizzieren, was eine recht erholsame BeschÀftigung war.

Vor dem Hotel  tobte das Leben, denn schließlich war der zentrale Rathausplatz nur drei Minuten entfernt.  Ich hatte wenig Freude, an dem lauten Trubel zu partizipieren.Vielleicht war der Grund dafĂŒr, dass ich  an den vorausgegangenen Tagen einfach schon zu viel erlebt hatte, also irgendwie „ĂŒbersĂ€ttigt“ war. Touristenmassen schienen sich durch die pittoreske Altstadt zu schieben, von der die meisten GebĂ€ude nicht „echt“, jedoch  nach historischem Vorbild kunstvoll rekonstruiert sind. Kneipe an Kneipe, dazwischen Touristenautos, die StadtfĂŒhrungen offerieren, StraßenkĂŒnstler, die lautstark nach Aufmerksamkeit schreien, …. mir war das alles viel zu viel. Selbst die kleinen Zwerge, die lustig an den ungewöhnlichsten Stellen aufgestellt sind, konnten keine Behaglichkeit verbreiten. Breslau war wohl schon einst die Metropole der KrĂ€mer gewesen, wovon ja die groß angelegten PlĂ€tze und die alten WarenhĂ€user zeugen. Der Breslauer Ring ist gar einer der grĂ¶ĂŸten MarktplĂ€tze Europas.  In Zeiten des globalisierten Hedonismus ist nun kein Halten mehr und an der historischen Tradition des Kaufens und Verkaufens wird nun allzu gerne angeknĂŒpft. Die Partymeile ist eröffnet! Jedoch ohne mich. „In RĂŒbezahls Reich. Teil 5“ weiterlesen

In RĂŒbezahls Reich. Teil 4

Die zweite  Nacht im Hotel Gwarna in Liegnitz gestaltete sich leider nicht ganz so erholsam, wie die erste, da die ganze Zeit das Wummern der Diskothek im Einkaufszentrum, in der das Hotel integriert ist, zu hören war. Gut jedoch, dass ich immer LÀrmschutzkopfhörer dabei habe. So musste ich mich nicht  Àrgern!

Nach dem FrĂŒhstĂŒcksbuffet machte ich mich auf in Richtung „Quadrat“. Das ist der Teil von Dornbusch der von der sowjetischen Armee mit einer Mauer abgesperrt und bewacht wurde. FĂŒr die Liegnitzer Bevölkerung war dieser Stadtteil  bis 1994 nicht begehbar.

Hier befinden sich die ehemaligen Villen der Fabrikbesitzer. Durch die jahrzehntelange Absperrung bildet das „Quadrat“

„eine unangetastet erhalten gebliebene Siedlung mit hochwertigen Bauten in ihrer vollstĂ€ndigen urbanen Umgebung“. (Sadunska, Iza:  Legnica und Umgebung. ReisefĂŒhrer. Legnica/Görlitz o.J., S.48)

Am Ă€ußeren Ende der Holteistraße steht ein ehemaliges WehrmachtsgebĂ€ude, spĂ€ter war hier die sowjetische Armee einquartiert. „In RĂŒbezahls Reich. Teil 4“ weiterlesen

Architektur und Macht

AusfĂŒhrlich habe ich mich in der letzten Zeit mit den Kunstobjekten am Maschsee beschĂ€ftigt und in diesen – was wahrscheinlich mehr als gewagt ist – in Zusammenhang mit Friedrich Nietzsches „Übermenschen“ gestellt. Ich habe sie quasi als „Illustration“ dazu gesehen und war selbst ĂŒberrascht, dass die logische Folge, die ich generierte, auf irgendeine Art und Weise  schlussfolgernd „funktionierte“.

Ob dieser von mir gesehene Zusammenhang bewusst von denjenigen, die die Figuren auswÀhlten und aufstellten, intendiert war, vermag ich nicht zu sagen. Nachzuweisen ist jedoch, dass der Maschsee im Mittelpunkt eines Gauforums liegen sollte.

Was aber  ist ein Gauforum?

Wikipedia hilft auch hier weiter. Dort heißt es:

„Gauforen sollten in den StĂ€dten die Zentren der Macht im Dritten Reich symbolisieren. Gigantisch konzipiert verdeutlichten sie die Zentralisierung des FĂŒhrerstaates. Das Forum kombinierte VerwaltungsgebĂ€ude und Aufmarschplatz im Karree. Hier residierten die Gauleitung, die Gliederungen derNSDAP und sonstige Verwaltungseinrichtungen. Gauforen entstanden ab1937 in einem groß angelegten Bauprogramm in allen GauhauptstĂ€dten, um die Bedeutung der Partei und der „Bewegung“ durch ein Partei- und Verwaltungszentrum zu manifestieren. Dabei war beabsichtigt, den geschlossenen Komplex, bestehend aus Halle des Volkes, Gauhaus, Glockenturm und Platz, als neues Zentrum den historischen Stadtkern  gegenĂŒberzustellen.“

Letzte Woche hielt Dr. Sid Auffarth   im Zuge der Ausstellung  „Stadtwelten“ im Historischen Museum Hannover einen Vortrag ĂŒber „Kolossale Stadtarchitekturen und nahm dabei besonderen Bezug auf Hannover. Alles recht interessant, zumal fĂŒhrende Architekten der Weimarer Zeit  im Hannover  der Nachkriegszeit weiterhin aktiv waren und somit bewusst auf das Erscheinungsbild des heutigen Hannovers einwirkten.

Mittlerweile  gibt es eine neue Generation von Architekten, die die Wahrnehmung der StĂ€dte dominieren. Die Intentionen der Auftraggeber, fĂŒr die sie arbeiten,  wĂŒrde ich indes, wenn ich sie mit denjenigen der nationalsozialistischen, wilhelminischen oder gar mittelalterlichen Epoche vergleiche, als „so anders“ nicht veranlagen.

Immer noch  scheinen mir große HĂ€user und GebĂ€ude Fetische von machtvollen Interessen sein, die das Geltungsbewusstsein ihrer Besitzer widerspiegeln.  Hier soll dem gemeinen Fussvolk   eine unumstĂ¶ĂŸliche Ehrfurcht eingeflösst werden,  die niemals in Frage stellt, was in Beton und Glas schon lĂ€ngst  zementiert ist.

Dies gilt auch dann,  wenn – vielleicht nur zur Ablenkung des Betrachters – verspielte Elemente in  die GebĂ€udefassade eingearbeitet werden oder das Haus, Ă€hnlich wie ein Kartenhaus wirkt, was jederzeit  in sich zusammenfallen könnte.  Tut es aber nicht, denn schließlich werden die machtvollen MACHenschaften   der EigentĂŒmer nicht in Frage gestellt, von denjenigen, die das GebĂ€ude bestĂ€ndig  zwingt,  bewundernd aufwĂ€rts zu blicken und die so alltĂ€glich lernen mĂŒssen, das zu sein, was ihnen von den Machthabern  zugestanden wird:  nĂ€mlich nichts als ein  Untertan.

Zwar erwecken asymmetrische Elemente, wie hier beim GebĂ€ude der Nord-LB in Hannover,   den Eindruck des  drohenden Disasters, sollen aber wohl nur davon ablenken, die wahren  knallharten Intentionen hinter den spiegelverglasten Fassaden zu erkennen, die nichts – absolut ĂŒberhaupt nichts mit Spiel und Spaß zu tun haben. Im Gegenteil.

In die Karten lassen sich diese Herrschaften ohnehin nicht blicken. Und damit ist  das moderne Banken-Haus  eine Art von  moderner mittelalterlicher Burg oder ein Gauforum der Finanzwirtschaft: Verspiegelt jedoch!

NordLB-Zentrale am Aegi IMG 4405