In RĂŒbezahls Reich. Teil 5

Die letzte Station meiner Schlesienreise war Breslau (pol. Wroclaw).

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Mein  Hotel  (Qubus Hotel Wroclaw) lag direkt in der Innenstadt und bot eine spannende Aussicht auf die gotische Maria-Magdalena-Kirche. Überhaupt war es empfehlenswert. Es gab nichts auszusetzen.

Den ersten Abend verbrachte ich damit, die Aussicht aus meinem Zimmer zu skizzieren, was eine recht erholsame BeschÀftigung war.

Vor dem Hotel  tobte das Leben, denn schließlich war der zentrale Rathausplatz nur drei Minuten entfernt.  Ich hatte wenig Freude, an dem lauten Trubel zu partizipieren.Vielleicht war der Grund dafĂŒr, dass ich  an den vorausgegangenen Tagen einfach schon zu viel erlebt hatte, also irgendwie „ĂŒbersĂ€ttigt“ war. Touristenmassen schienen sich durch die pittoreske Altstadt zu schieben, von der die meisten GebĂ€ude nicht „echt“, jedoch  nach historischem Vorbild kunstvoll rekonstruiert sind. Kneipe an Kneipe, dazwischen Touristenautos, die StadtfĂŒhrungen offerieren, StraßenkĂŒnstler, die lautstark nach Aufmerksamkeit schreien, …. mir war das alles viel zu viel. Selbst die kleinen Zwerge, die lustig an den ungewöhnlichsten Stellen aufgestellt sind, konnten keine Behaglichkeit verbreiten. Breslau war wohl schon einst die Metropole der KrĂ€mer gewesen, wovon ja die groß angelegten PlĂ€tze und die alten WarenhĂ€user zeugen. Der Breslauer Ring ist gar einer der grĂ¶ĂŸten MarktplĂ€tze Europas.  In Zeiten des globalisierten Hedonismus ist nun kein Halten mehr und an der historischen Tradition des Kaufens und Verkaufens wird nun allzu gerne angeknĂŒpft. Die Partymeile ist eröffnet! Jedoch ohne mich. „In RĂŒbezahls Reich. Teil 5“ weiterlesen

Mecklenburg-Vorpommern entdecken: Schwerin (3. Tag)

Leider stellte ich am Dienstagmorgen fest, dass mein Fahrrad einen Platten hatte. Insofern musste ich es fast die gesamte Strecke  vom Sieben Seen Einkaufscenter bis zur  Innenstadt von Schwerin schieben. GlĂŒcklicherweise fand sich in der Schelfstadt,  der 1705 erbauten Neustadt, auch eine Fahrradreparatur, sodass ich es dort abgeben konnte, um es am frĂŒhen Abend  fahrbereit abholen zu können. Überhaupt scheinen die mecklenburgischen StĂ€dte gut mit FahrradlĂ€den ausgestattet zu sein, sodass einem als Radreisender im Fall der FĂ€lle gut geholfen werden kann.

Zu Fuß ging es dann zum Schweriner Dom, der auf demGrund einer Holzkirche und einer romanischen Basilika in den Jahren 1270 bis 1416 entstanden ist.

Das Glasfenster auf dem folgenden Fenster begeisterte mich mit seinen interessanten Lichtspiegelungen.

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Das ist die Innenansicht des Domes. Man beachte die Farbgebung der Decke, die die Farbgebung des Jahres 1460 wiedergibt.

Der Dom ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Backsteingotik. Leider war der Kreuzgang verschlossen, sodass wir diesen nicht begehen konnten.

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Vom Dom aus schlenderten wir zum Schweriner Schloss.  Es wurde auf den Überresten einer slawischen Burg errichtet.

Über die Schlossstraße kommend, fĂŒhrte uns der Weg geradewegs zum mecklenburgischen Landtag, sodass wir erst einmal in den Burggarten, der vom HofgĂ€rtnermeister Theodor Klett nach Anregungen von Gottfried Semper und Peter Joseph LennĂ© gestaltet wurde,  abbogen.

Das ist die Orangerie, die fast schon italienisch anmutet.

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Durch den Burggarten erreichten wir den Teil des Schlosses, der öffentlich zugÀnglich ist: das Schlossmuseum.  Die Kapelle ist aufgrund der Sperrzone des Landtages nur zu den Gottesdiensten zugÀnglich, sodass wir sie nicht sehen konnten.

Im Museum nahmen wir an einer FĂŒhrung teil, die zu empfehlen ist, schließlich „sieht man nur“, wie es in einer bekannten Redewendung  heißt, „was man auch weiß“.

Der 1858 vollendete Thronsaal beeindruckte, genauso wie die aus Intarsien gelegten Fußböden.

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Im Schloss soll der Kobold  PetermÀnnchen herumgeistern, das auf dem folgenden Bild abgebildet ist.

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Nachdem wir mein Fahrrad von der Reperatur abgeholt haben, fuhren wir noch durch den am Burggarten angrenzenden Schlossgarten, um dann zum Hotel zurĂŒckzukehren.

Weitere Bilder von der Schwerin Erkundung sind hier zu sehen.

Emden: Vom Ostfriesischen Landesmuseum zum Außenhafen

Es ist jetzt schon wieder eine Weile her … . Dennoch möchte ich euch noch nachtrĂ€glich von unserer Wanderung in Emden berichten, die beim Ostfriesischen Landesmuseum startete und ĂŒber die Wallanlagen, eine nahezu original erhaltene Festungsanlage und  Parkanlage, die sich ringförmig um Emden legt, zum Außenhafen fĂŒhrte.

Am SĂŒdende der Boltentorstraße steht ein Kiosk, dessen orientalisch anmutende Dachkonstruktion fasziniert und einen seltsamen Kontrast zum Backstein bildet.  Dieser Klinker-Expressionismus der Weimarer Republik ist mir u.a. schon vom Anzeiger Hochaus in Hannover oder der Böttcherstraße in Bremen  bekannt.  Über die norddeutsche Backstein-Architektur habe ich u.a.  hier geschrieben. 

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Bei den Wallanlagen wichen wir von der vorher einprogrammierten Route ab und zogen uns daher den Unmut von Siri, der ominösen Computerstimme meines Smartphones, zu. Unerbittlich fĂŒhrte die sĂ€uselnde Sprachassistentin uns in eine Endlosschleife, bis – ja bis wir dann doch alle von mir vorher einprogrammierten Wegpunkte abgearbeitet hatten.  Computersysteme sind, einmal initiiert, kaum noch zu stoppen und verlangen nach strikter Einhaltung ihrer Regeln! Nur mit geballter Willenskraft entkamen wir den stĂ€ndigen Wiederholungen von Siri und ließen endlich das Stadtzentrum von Emden hinter uns.  Siri war nun auch zufrieden: Wir waren auf dem Weg, den sie fĂŒr uns vorgesehen hatte, weswegen sie uns – ohne weitere Probleme – bis zum Endpunkt der Wanderung zielsicher  fĂŒhrte. 

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Durch die Weite der ostfriesischen Landschaft ging es, an Europas einziger Kesselschleuse vorbei, am Ems-Jade-Kanal und anderen WasserlĂ€ufen entlang,  in Richtung Dollart. Dort folgten wir den KĂŒstenverlauf, um  schließlich –  in bedrohlicher NĂ€he zu einem Windrad -, den industriellen Charme des Außenhafens zu erreichen.

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Deichschafe

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Sichtlich erschöpft nahmen wir von dort den Zug zurĂŒck in die Innenstadt, nachdem der am Bahnhof stehende IC-Zug einige Irritationen bei uns auslöste. Normalerweise kann ein solcher nicht mit Niedersachsen-Ticket befahren werden, hier aber gilt die Regel, dass er bis Leer auch als Regionalzug eingesetzt wird. Ein freundlicher Schaffner klĂ€rte uns ĂŒber diese Sonderregelung auf, ansonsten hĂ€tten wir wahrscheinlich noch Stunden vergeblich im Emdener Hafen auf einen passenden Zug warten können, anstatt uns beim Matjesfest mit Shantychören, Bier und Heringen vergnĂŒgen zu können.

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Ausstellung „Hannoversche Backsteinarchitektur“

Backstein als Baumaterial ist fĂŒr das Norddeutsche Tiefland und somit auch fĂŒr Hannover typisch. Es findet immer dort Verwendung, wo natĂŒrliche Bausteine knapp sind und deshalb auf das Kunstmaterial „Ziegel“ zurĂŒckgegriffen werden muss.

Maßgeblich fĂŒr die heutige Backstein-Bebauung in Hannover   war u. a. die Hannoversche Architektenschule, die sich vom klassizistischen Stil, wie er von Laves vertreten wurde, abkehrte und neogotische Elemente favorisierte.  Der BegrĂŒnder der Hannoverschen Architektenschule Conrad Wilhelm Hase schuf allein in Hannover 80 Kirchenneubauten und ĂŒber 60 Profanbauten. Er bildete an der Polytechnischen Schule Architekten aus, die seinen Stil ĂŒbernahmen und weiterfĂŒhrten.

Trotz der Kriegszerstörungen und der Umwandlung Hannovers zur „autogerechten Stadt“  unter Rudolf Hillebrecht in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts finden sich in Hannover  noch heute sehr viele Backsteinbauten, die die BSW-Fotogruppe Hannover zum Teil fotografiert  und jeweils dazu interessante Fototableaus erstellt hat, die eine Großansicht des GebĂ€udes mit GebĂ€udedetails verbindet. Die sehenswerte Ausstellung der netten und engagierten Fotografen  ist noch bis zum 4. April im BĂŒrgersaal des Neuen Rathauses zu sehen und macht Lust darauf, hannoversche Architektur fotografisch (neu) zu entdecken.

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Ich jedoch muss, wenn ich mir die gelbstichigen Aufnahmen der Ausstellungseröffnung anschaue, anscheinend erst einmal lernen, meinen neuen Fotoapparat technisch zu beherrschen. Bisher hatte ich ja immer nur mit dem Handy fotografiert und  muss  mich nun  in die vielen Einstellungsmöglichkeiten meiner Bridge-Kamera  einarbeiten.

Und so habe ich mich hier einmal versucht, das Anzeiger-Hochhauses in Szene zu setzen. Es wurde  nach EntwĂŒrfen von Fritz Höger, der ein prominenter Vertreter des Backsteinexpressionismus ist, gebaut und stellt so ein passendes Motiv zum Thema Backstein dar. Leider fing es an zu regnen, was zu nicht  wirklich von mir gewollten fotografischen Effekten fĂŒhrte.

Anzeiger-Hochhaus. Man beachte auch die historische Straßenlaterne im Vordergrund.

 

Versetzte Backsteine sind typisch fĂŒr die expressionistische Bauweise.
Versetzte Backsteine sind typisch fĂŒr die expressionistische Bauweise.