Von Lecce nach Otranto (2. Tag)

Papierkunst in Lecce

Nach dem FrĂŒhstĂŒck ging es  nach Lecce: eine wunderschöne Barockstadt, die streng genommen keine  ist, sondern aufgrund der spanischen EinflĂŒsse einen eigenen Stil herausgebildet hat,  den man Leccer Barock nennt und der an grotesken Zuckerguss erinnert.

In Lecce  gibt es eine Handwerkskunst, genannt cartapesta, die darin besteht,  kunstvolle Figuren aus Pappmachee herzustellen.

UrsprĂŒnglich war diese Fertigkeit entwickelt worden, um das Problem von  viel zu schweren Heiligenfiguren bei Prozessionen zu lösen. Pappmachee dagegen ist leicht und erschien so das ideale Material fĂŒr Heiligenbilder zu sein. „Von Lecce nach Otranto (2. Tag)“ weiterlesen

Schmetterlinge, BlĂŒten und verspiegelte SĂ€le in Hannover

Als Vorbereitung auf meine Apulien-Reise habe ich mir den Roman  „Reise in die Nacht: Ein Fall fĂŒr Avocado Guerrieri“ von Carofiglio besorgt. Nun kann ich zu dem Buch noch nichts  weiter sagen, nur soviel, dass ihm ein Aphorismus von Laotse vorangestellt ist. Darin heißt es:

Was fĂŒr die Raupe das Ende der Welt, ist fĂŒr den Rest der Welt ein Schmetterling. (Laotse)

„Gaukler der Tropen“ im Berggarten Hannover

Dies wiederum scheint mir eine gute Überleitung zum vorgestrigen Besuch des Berggartens in Hannover zu sein, wo sich noch bis zum  2. April rund 1000 Tagfalter im TropengewĂ€chshaus beim BlĂŒtenbesuch oder bei der Nahrungsaufnahme an der Futterstationen beobachten lassen.

Hier ist ein Bananenfalter (Mexiko bis Peru) in einer Futterstation zu sehen.

Auch der folgende Schmetterling stammt aus SĂŒdamerika. FĂŒr die Ausstellung wurden Puppen aus Zuchtbetrieben in Costa Rica, Malaysia und anderen LĂ€ndern bestellt, die sich dann im tropischen Klima des hannoverschen GewĂ€chshauses schnell zu prachtvollen Schmetterlingen entwickelt haben.

Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier.

Orchideen

Danach erfreute ich mich an den prachtvollen Orchideen.

Meine Orchidee, die ich vor einigen Monaten im Baumarkt erworben hatte, ist mir leider eingegangen, weil ich Fehler bei der Pflege gemacht hatte.

Hier aber sind Fachleute am Werk. Der Berggarten beherbergt eine der grĂ¶ĂŸten Orchideen-Sammlung der Welt. Ihre Geschichte geht bis auf das Jahr 1835 zurĂŒck. Unter dem HofgĂ€rtner Hermann Wendland hat sich daraus eine systematische Sammlung entwickelt.

Nun schlenderte ich noch durch den Großen Garten von Herrenhauses, der sich, aufgrund des KĂ€lteeinbruchs der vergangenen Wochen, noch im Winterschlaf zu befinden schien.

Die Grotte in den HerrenhÀuser GÀrten

UrsprĂŒnglich war diese mit Muscheln, Kristallen, Glas und Mineralien geschmĂŒckt und diente als RĂŒckzugsort fĂŒr die Hofgesellschaft.  Grotten stellen ein wichtiges Element des Barockgartens dar.

Bei dieser Außenfigur der benachbarten  Freitreppe, die im Krieg zwar unzerstört geblieben ist, aber nicht mehr am originalen Standort steht,  sind im Hintergrund Schnecken neu eingesetzt worden und sollen so verdeutlichen, wie  einst wohl auch die Innenraumgestaltung der  Grotte ausgesehen haben mag.

Schon im 19. Jahrhundert verfiel die Grotte; 1849 wurde sie ausgebessert und erhielt die  klassizistische Fassade, die auch heute noch zu sehen ist.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde die Grotte nochmals schwer beschĂ€digt; der östliche Salon wurde im Januar 1945 durch einen Bombentreffer fast völlig zerstört. Erst kurz vor dem dreihundertsten JubilĂ€um im Jahr 1966 gelang die Instandsetzung des gesamten GebĂ€udes seinem Vorkriegszustand gemĂ€ĂŸ. Doch letztlich blieb auch diese Sanierung auf halbem Wege stecken und sicherte nur das Ă€ußere Bild der Grotte innerhalb der Gartenkomposition, denn nach wie vor blieb die Grotte fĂŒr das Publikum geschlossen und wurde lediglich als Lagerraum fĂŒr GerĂ€tschaften zur Gartenbearbeitung und fĂŒr Beleuchtungseinrichtungen genutzt. (Landeshauptstadt Hannover, Hrsg.: Niki de Saint Phalle – La Grotte, Hannover 2003, S. 14 f.)

Nach PlĂ€nen von  Niki de Saint Phalle wurde die Grotte von 2001 – 2003  kĂŒnstlerisch umgestaltet. Sie selbst erlebte die Fertigstellung nicht mehr.

Es ist ein ganz wundersamer Ort geworden, der sich unbedingt einen Besuch lohnt.

Warum es hier keinen offensichtlichen Mehrwert fĂŒr dich gibt! Reflexionen ĂŒber das Bloggen

Meine knappe Antwort lautet: … Weil ich gegen ökonomische Kategorien verwehre und ich eher das Konzept des inspirierenden MĂŒĂŸiggangs verfolge. Da wird dann Tagebuch geschrieben, um sich selbst weiterzuentwickeln.

Dazu passt ganz schön das folgende Zitat von Rudolf von Laban.

„Der Mensch bewegt sich, um ein BedĂŒrfnis zu befriedigen. Mit seiner Bewegung zielt er auf etwas hin, das fĂŒr ihn von Bedeutung ist. Das Ziel seiner Bewegung ist leicht zu erkennen, wenn diese sich auf ein konkretes Objekt richtet; es können aber auch immaterielle Dinge sein, die eine Bewegung auslösen.“ (Laban, Rudolf von: Die Kunst der Bewegung. Wilhelmshaven 2003, S. 9)

Blogs, nicht nur Reiseblogs, sind ja ebenfalls Bewegungen, die irgendwohin fĂŒhren. Vor dem virtuellen Zeitalter haben wir beim Schreiben die Feder geschwungen und sie ĂŒber ein Blatt Papier tanzen lassen. „Warum es hier keinen offensichtlichen Mehrwert fĂŒr dich gibt! Reflexionen ĂŒber das Bloggen“ weiterlesen

Eine winterliche Stippvisite in Dresden

Impression vom Dresdner Zwinger

Mit der Bahn ist man von Hannover aus in ca. vier Stunden in Dresden. Da ich Dresden bisher nur von der Durchfahrt her kannte, unternahm ich am Samstag also einen Tagesausflug nach Dresden, bei dem ich knapp fĂŒnf Stunden Aufenthalt zur VerfĂŒgung hatte.

Dresden in fĂŒnf Stunden

RĂŒckblickend muss ich sagen, dass dieser Zeitrahmen fĂŒr eine winterliche Stippvisite ausreichend ist.  Schließlich war es fröstelig und ich hatte diesmal auch kein Museum auf dem Plan,  in dem ich mich zwischenzeitlich hĂ€tte aufwĂ€rmen können.

Allerdings las ich auf der Hinfahrt im Zug, dass das „Museum fĂŒr SĂ€chsische Volkskunde“ eine große Puppenspielsammlung prĂ€sentiert, was mich in der Tat ausgesprochen interessiert hĂ€tte.

Überhaupt bietet Dresden in Bezug auf Museen und Ausstellungen so einiges, doch mein Fokus sollte heute das große Ganze sein, wobei ich es ruhig angehen lassen wollte.

Doch es ist Weihnachtszeit und da ist es in deutschen GroßstĂ€dten selten ruhig. Überall sind Buden mit vielfĂ€ltigen Weihnachtszauber aufgebaut.

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Der Herkules feiert Geburtstag!

Der Herkules ist hier von hinten zu sehen. Er ist ein Symbol fĂŒr die StĂ€rke. Er stĂŒtzt sich auf eine Keule, um die eine Löwenhaut gewickelt ist. Versteckt hĂ€lt er in seiner anderen Hand drei Äpfel, die er aus dem Garten der Hesperiden entwendet hat.

Der Herkules in Kassel feiert dieses Jahr Geburtstag, ein Grund mehr fĂŒr mich, den Bergpark Wilhelmshöhe  zu besuchen. Nun hĂ€tte mich die Bezeichnung „Bergpark“ stutzig machen sollen, hatte ich letzten Sonntag nĂ€mlich eher einen gemĂŒtlichen Spaziergang durch Blumenbeete im Sinn, als eine Bergbesteigerung, zu der es dann aber gekommen ist.   Informationen im Vorfeld hĂ€tten mir sicherlich den Schock ersparen können, der sich mir beim Austritt aus dem BahnhofsgebĂ€ude erwartete.  Die Wilhelmshöher Allee fĂŒhrte nĂ€mlich bestĂ€ndig bergauf und meine um etliche Jahre jĂŒngere (und sportlichere ) Reisebegleiterin ließ mich nicht den Mut fassen, mir die BlĂ¶ĂŸe zu geben,  auf  eventuell andere Möglichkeiten der weiteren Anreise zu bestehen. Die hĂ€tte es in der Tat gegeben (Straßenbahn, Busverkehr).  So aber begann nun sofort der Aufstieg. Beim Besucherzentrum Wilhelmshöhe betraten wir endlich den Park und waren erfreut ĂŒber die Vielfalt von landschaftlichen Szenarien, die sich uns auftaten. Die Blumen dufteten, als ob es kein morgen mehr geben wĂŒrde, allein, ich will es nicht verschweigen, ging es  auch weiterhin BERGAUF!!!

Das Schloss ließen wir links liegen, obwohl es dort nicht nur eine sehenswerte GemĂ€ldesammlung, sondern auch eine Ausstellung zum Herkules (bis zum 8. Oktober 2017) gegeben hĂ€tte.

Wir jedoch wollten erst einmal „hinauf“, nicht beachtend, dass spĂ€ter zumindest meine Erschöpfung so groß gewesen sein wĂŒrde, dass wir uns diesen Park-Höhepunkt entgehen lassen mussten.

Vorbei am Grabmal des Vergils mĂ€anderten wir weiterhin aufwĂ€rts, um irgendwann vor der großen barocken Kaskade zu stehen, neben der sich beidseitig eine mir  mörderisch anmutende Treppe nach oben schlĂ€ngelte. „Der Herkules feiert Geburtstag!“ weiterlesen