Auf dem Heiligenberg in Heidelberg

Ich hatte es mir so entspannt vorgestellt: Mit dem ICE um halb Acht  nach Frankfurt fahren, um dann um  11 Uhr meine Stadtbegehung zu starten. Leider kam es anders. Der ICE war schon vor Hannover liegen belieben und fiel ersatzlos aus. Der IC, der mir als Ersatz angeboten wurde, fuhr später, brauchte länger und hatte schon  in Hannover eine Verspätung von 10 Minuten. Es wurde nicht besser. Außerplanmäßig musste er nach Darmstadt fahren, weil irgendetwas umrangiert werden musste, um dann eine andere Strecke nach Heidelberg zu fahren. Dank all dieser Umstände hatte ich nun zwar ausreichend Zeit, um mein Buch zu lesen, meine Aufenthaltsdauer in Heidelberg reduzierte sich so aber so auf magere vier Stunden.

Nun  hatte ich leider keine Zeit mehr  für die hübsche Altstadt, die aufgrund der Vorweihnachtssaison sowieso überfüllt war: Ich wollte zumindest den Thingplatz sehen. So überquerte ich also die Altstadt-Brücke und ging eine steile Straße (genannt Schlangenweg), die aus vielen, vielen Treppen bestand, hinauf und erreichte so den Philosophenweg.

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Die siebte Etappe des Weserberglandweges

Gestern war die Wildfrauenhaus-Wandergruppe auf dem Weserberglandweg unterwegs. Allerdings haben wir die siebente Etappe, aufgrund der Anschlussmöglichkeiten an den öffentlichen Nahverkehr, umgekehrt. Gestartet sind wir also im schönen Münchhausen-Städtchen Bodenwerden, wo gerade ein Hamburger Fischmarkt aufgebaut wurde.

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Fußgängerzone
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Fachwerk
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Rathaus
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Baron von Münchhausen

Bodenwerder hat auch einen Bismarckturm. Obwohl ich im Regelfall jeden Bismarckturm, der sich zeigt, besuche, haben wir gestern davon Abstand genommen, was rückblickend eine weise Entscheidung, angesichts dessen, was uns an sportlichen Herausforderungen erwarten sollte, darstellte.

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Weserufer mit Bismackturm im Hintergrund und Marktaufbau im Vordergrund!

Nachdem wir die Weserbrücke in der Innenstadt Bodenwerders überquert hatten, führte uns mein GPS-Gerät  steil hinauf, bis wir schließlich – schon jetzt ziemlich erschöpft – den eigentlichen Weserberglandweg erreichten.  “Königszinne” verpassten wir leider durch unsere anstrengende Abkürzung.

Die Hoffnung, dass es nun entspannt auf einem Kammweg weitergehen würde, wurde enttäuscht. Bevor wir den Ebersnackenturm erreichten, mussten wir einen erneuten Aufstieg bewerkstelligen. Und auch danach ging es abwechselnd immer steil hinab und dann wieder – länger – steil bergauf, sodass uns diese Wanderung an unsere körperlichen Grenzen führte.

Immerhin ergaben sich schöne Aussichten, das Wetter war frühlingshaft und das frische Grün erfreute unsere Gemüter.

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Den Wald verließen wir in Holenberg. Von dort ging es bis zum Zisterzienserkloster Amelungsborn kurz an der tristen Straße entlang.

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Das mittelalterliche Ambiente des Klosters entschädigte uns für die Straßenstrecke. Nach dem Kloster Walkenried stellt es die älteste Gründung des Zisterzienserordens in Niedersachsen dar, datiert auf das Jahr 1124. Gerne hätten wir uns dort länger aufgehalten. Jedoch wollten wir die Bahn um 18 Uhr erreichen, sodass leide keine Zeit zum müßigen Beschau blieb.

Am Klostergarten  und am Fischteich vorbei,  folgten wir einem idyllischen Weg nach Stadtoldendorf, wo wir – ziemlich knapp – unseren Zug nach Hannover erreichten.

Rückblickend würde ich mehr Zeit (und damit mehr Pausen) einplanen, da dieser Streckenabschnitt doch recht anstrengend ist. Auch würde ich empfehlen lieber von Stadtoldendorf nach Bodenwerder zu laufen, als umgekehrt, wie wir es gemacht haben.  Einige unerfreuliche Aufstiege hätten sich so vermeiden lassen und der anschließende Muskelkater wäre erträglicher ausgefallen, als er es heute ist.

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Friedrichsruh

Gestern verschlug es die Wildfrauenhaus-Wandergruppe (bestehend aus immerhin zwei Personen!) nach Friedrichsruh, einem Ortsteil der Gemeinde Aumühle, schon in Schleswig Holstein gelegen, jedoch nicht allzuweit von Hamburg entfernt. Wie uns ein Spaziergänger stolz verkündete, der einzige Kreis in Deutschland der noch offiziell die Bezeichnung “Herzogtum” führen darf.

Wir wählten diesen Ort aus, weil meine Wander-Begleiterin sehr an Hünen- und Hügelgräber interessiert ist und sich diese vom Bahnhof Aumühle in einer recht anspruchslos-gemütlichen Wanderung erschließen ließen.

Nebenbei stießen wir dabei in das Epi-Zentrum des Bismarcks-Kultes und der noblen Lebensweise, jenseits von prekären Verstrickungen und Integrationsproblemen vor, die sich dort – alarmgesicht und videoüberwacht – ein wohlfeiles Leben in der Metropolenregion Hamburg leisten kann.

Und so klebte meine Freundin dann doch gleich an einem Bretterzaun, der den Blick auf ein eingeschlossenes Waldstück und – das kann man nur vermuten – ein standesgemäßes Häuschen verdeckte. Hier – das ergab dann meine kleine Recherche – wohnen die Nachkommen der Familie von Bismarck.

Eine der ihren hat dann auch – nicht ganz so stattlich – das folgende Schildchen in Laminierfolie  für den gemeinen Spazierbringer und potentiellen Spraykünster und Vandalen anbringen lassen, das uns eine Bahnunterführung versprach, die dem ästhetischen Ideal der “Schönheit” verpflichtet ist.

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Konfrontiert waren wir dann aber mit der Fortsetzung des Bretterzauns, der ja schon das Anwesen der Bismarck-Familie vor neugierigem und teilhabendem Blicken schützen sollte.

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Ich hoffe, dass das alles von Elisabeth von Bismarck nicht wirklich ernst gemeint war. Als ironisch-satirisches Statement jedoch war die Kombination aus der Ankündigung mit großem Namen auf kleinem Schildchen und der banalen Bretterzaun-Bemalung irgendwie lustig, wenn da nicht der schale Beigeschmack der Veräppelung bei mir geblieben wäre.

Auf der anderen Seite erwartete uns ein kleines Denkmal, das von gelebter Stein-Magie zeugte.

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Die Aufschrift verrät es. Hier hatte man eine Verbindung zwischen Grotenburg und dem Sachsenwald, der ja Friedrichsruh umgibt, hergestellt. Dies tat man,  indem man einen  Stein der Grotenburg, die ursprünglich vielleicht das kultische Zentrum der Externsteine schützen sollte (lies hier) und die seit 1875 mit dem Hermannsdenkmal bebaut ist,  nach  Friedrichsruh versetzte.  Solch eine magische Handlung stellt  eine Teilhabe an dem  in der Zeit um 1900 beliebten  Hermann-Arminus-Kult her und beschwört nationale Größe, denn so wie einst Hermann die Römer in die Flucht schlug, so soll nun Deutschland über Frankreich triumphieren.  In Form einer gelebten Mythenbildung wird nun die angenommene Tradition der Stärke und des Widerstandes auf dem Heilsbringer Bismarck übertragen , der so zur nationalen Größe stilisiert wurde.

Das diese Mythenbildung bis heute seine Nachwirkungen zeigt,  veranschaulicht die kleine Devotionalen-Ausstellung des Bismarck-Museums, das uns leider den Weg zum Bismarck-Mausoleum versperrte.

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Ein Jagddenkmal erinnert wohl daran, dass der Reichskanzler Otto von Bismarck  im Sachsenwald der Jagd nachgegangen ist.  Ich halte es übrigens für bildhauerisch sehr gelungen, schließlich erscheint es mir sehr lebendig, fast expressionistisch, zu sein.

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Und zum Kontrast zu solch brachialer Natürlichkeit, gibt es hier noch das Bild eines kleinen Fuchses, der am Bismarckmuseum Wache hält.

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Zwischen Jagddenkmal und Kletterpark befindet sich dann ein Hügelgrab, das wohl in der Zeit der Renaissance als Aussichtsplattform genutzt wurde.

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Von hieraus startete dann unsere eigentliche Wanderung bis zum Riesenbett in Dassendorf, gleich gegenüber dem örtlichen Golfclub. Dabei musste ich feststellen, dass mir der Winter noch fest in den Knochen saß und ich mich doch recht schwerfällig durch den Wald bewegte.

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Beim Riesenbett angekommen, wanderten wir zurück nach Aumühle, wo wir dann – nachdem wir unverschämt teure, und alarmgesicherte Villen bestaunen durften, die bei mir die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit aufkommen ließen,   einen überaus noblen Bismarckturm besuchten, der mittlerweile eine Bücherei beherbergt.

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Mehr über Bismarcktürme und meine Gedanken dazu, gibt es hier zu lesen.

Zum Bahnhof wurden wir dann von einer netten Ortskundigen gefahren. Überhaupt muss ich erwähnen, das wir während unserer Wanderung ausgesprochen freundliche Begegnungen hatten. Gerne wieder.

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