In Rübezahls Reich. Teil 5

Die letzte Station meiner Schlesienreise war Breslau (pol. Wroclaw).

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Mein  Hotel  (Qubus Hotel Wroclaw) lag direkt in der Innenstadt und bot eine spannende Aussicht auf die gotische Maria-Magdalena-Kirche. Überhaupt war es empfehlenswert. Es gab nichts auszusetzen.

Den ersten Abend verbrachte ich damit, die Aussicht aus meinem Zimmer zu skizzieren, was eine recht erholsame Beschäftigung war.

Vor dem Hotel  tobte das Leben, denn schließlich war der zentrale Rathausplatz nur drei Minuten entfernt.  Ich hatte wenig Freude, an dem lauten Trubel zu partizipieren.Vielleicht war der Grund dafür, dass ich  an den vorausgegangenen Tagen einfach schon zu viel erlebt hatte, also irgendwie “übersättigt” war. Touristenmassen schienen sich durch die pittoreske Altstadt zu schieben, von der die meisten Gebäude nicht “echt”, jedoch  nach historischem Vorbild kunstvoll rekonstruiert sind. Kneipe an Kneipe, dazwischen Touristenautos, die Stadtführungen offerieren, Straßenkünstler, die lautstark nach Aufmerksamkeit schreien, …. mir war das alles viel zu viel. Selbst die kleinen Zwerge, die lustig an den ungewöhnlichsten Stellen aufgestellt sind, konnten keine Behaglichkeit verbreiten. Breslau war wohl schon einst die Metropole der Krämer gewesen, wovon ja die groß angelegten Plätze und die alten Warenhäuser zeugen. Der Breslauer Ring ist gar einer der größten Marktplätze Europas.  In Zeiten des globalisierten Hedonismus ist nun kein Halten mehr und an der historischen Tradition des Kaufens und Verkaufens wird nun allzu gerne angeknüpft. Die Partymeile ist eröffnet! Jedoch ohne mich. “In Rübezahls Reich. Teil 5” weiterlesen

Wider dem Gehorsam!

IMG_9999999-20160218-1

“Wider dem Gehorsam”, Din A3, Mixed Media, Februar 2016

Nicht nur ausgehend von der Lektüre des Buches Wider den Gehorsam von  Arno Grün, sondern auch aus einer direkten Betroffenheit heraus,  möchte ich mir an dieser Stelle meine Gedanken zum  Thema “Gehorsam” machen.

Zuerst sei betont, dass nicht nur ich betroffen bin. Letztendlich – bei genauer Betrachtung – sind wir es alle –   sei es als Täter-Tyrann, als Opfer oder  als Mittäter/ Mitläufer, was in einem historisch  als Obrigkeits-Staat angesehenen Deutschland auch nicht wirklich verwundern sollte. Die in der Vergangenheit geschaffenen Strukturen wirken schließlich nach, es sei denn, sie wären rekapituliert und damit  bewusst gemacht  worden, was – meiner Meinung nach –  in Deutschland bisher nicht  geschehen ist.

Und so wird auch heute noch unreflektiert “Gehorsam” eingefordert. Dies wird nicht direkt postuliert, sondern stattdessen hinter vielfältigen Euphemismen verborgen.

Das Wort  “Gehorsam”  erzeugt  – bei mir zumindest – eine unmittelbare  Abwehr.  Vielfältige negative Assoziationen werden geweckt, zu Recht, denn nach Arno Grün setzt ein gehorsames Verhalten immer die Aberkennung des eigenen Selbst zum Unwert voraus und das wünsche ich mir zumindest nicht. Die Werte des Unterdrückers (oder des Unterdrücker-Systems und ihrer Vertreter) werden bei den Unterwerfungs-Vorgängen  zum eigentlichen Wert erhoben.

Als Beispiel  für die Gehorsamkeits-Dressur, die hier gemeint ist, können wir uns ein kleines Kind vorstellen,  das “brav” sein will und  das deshalb tut, was Mami und Papi verlangen. Wenn sich nun aber auch das erwachsen gewordene Ich des Kindes  Verleugnungs-Prozeduren  unterwirft und sich auf diese  Art und Weise “gehorsam” zeigt, vielleicht auch  einfach deshalb, weil da kein ausgebildetes Selbst vorhanden ist und stattdessen nur ein verstörendes  Vakuum darauf wartet, gefüllt zu werden, dann ist eben ein solcher  Mensch besonders empfänglich dafür, “gehorsam” gegenüber den Werten von anderen oder verfestigten Strukturen zu sein. “Bitte, gebt mir einen Sinn!”, schreit die innere Leere und will gefüllt werden. “Wider dem Gehorsam!” weiterlesen

Parasiten, Blockwarte und Zombies

Manchmal lohnt der Blick von der Postmoderne zurück in die Moderne, die uns gleichermaßen antiquiert wie auch irgendwie beruhigend-gemütlich vorkommt. Der Rückblick ermöglicht uns das Eintauchen in jene wunderbare Sentimentalität,  die einem gemütlichen Teekränzchen gleichkommt, bei dem gehaltvolle Lektüre rezitiert wird, um hinterher in einem gepflegten Diskurs überzugehen, der so viel erbauender zu sein scheint, als jeder Whatsapp-Nachrichtenstream.

Und so lauschen wir dann Friedrich Schiller:

Schon in der Schule sah man, welch Früchtchen das geben würde! Das schwänzelte um den Lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wußte sich fremdes Verdienst zuzueignen und seine Eier in fremde Nester zu legen. Das erschrak vor keiner Niederträchtigkeit, um sich einzuschmeicheln, einzunisten. Als er älter ward, ging das alles ins Große. Bald spielte er den Heuchler, bald den Spaßmacher, wie’s die Zeit heischte; mit jedem Winde wußte er zu segeln. (Der Parasit)

Erstaunt reiben wir uns nun die Augen und wir ahnen, dass es in der sogenannten “guten alten Zeit”  genauso wenig “anheimelnd” gewesen zu sein scheint, wie auch in der Jetzt-Zeit. Schiller ermöglicht uns einen Rückblick, der uns feststellen lässt, dass all die Blockwarte, Denunzianten und Verleumder, die momentan so inflationär auftreten und dabei sogar Rückenwind von der Journaille und anderen staatlich gelenkten Kräften erhalten, keine besondere Ausprägung der gegenwärtigen Konsens-Gesellschaft sind. Und so wird vernichtet, was sich nicht – im Sinne der Corporate Identity, hinter der sich doch nur eine zweifelhafte Globalisierungs-Doktrin verbirgt -, verwerten lässt. Und all die Zombies, die heute die designten Büro-Etagen  wichtig durcheilen, finden ihre wohlfeilen Vorbilder auch  in den  Heuchlern, Verrätern und unterwürfigen Lakaien  des 18. und 19. Jahrhunderts, nur – das ist der Unterschied – dass damals niemand euphemistisch von einer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft sprach.

03012011874

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Das Ende der Demokratie!

Die Überschrift setzt zwar voraus, dass wir schon einmal “Demokratie” gehabt hätten, was ich – positiv betrachtet – gerne hoffen möchte.   Tatsache scheint es jedoch  zu sein, dass wir momentan NICHT  in einer Demokratie leben.   In einem Land, wo Abstimmungen solange wiederholt werden, bis sie “passend” sind und zur Erzwingung der “richtigen” Entscheidung “Beobachterinnen” ausgesendet werden  und mit der Kündigung von Pachtverträgen gedroht  wird, da kann es mit der Demokratie nicht weit her sein.  Zum Beweis hier eine dpa-Meldung von heute (entnommen der TAZ), die mich  in  großes Erstaunen versetzt hat:

 

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF