In RĂŒbezahls Reich. Teil 5

Die letzte Station meiner Schlesienreise war Breslau (pol. Wroclaw).

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Mein  Hotel  (Qubus Hotel Wroclaw) lag direkt in der Innenstadt und bot eine spannende Aussicht auf die gotische Maria-Magdalena-Kirche. Überhaupt war es empfehlenswert. Es gab nichts auszusetzen.

Den ersten Abend verbrachte ich damit, die Aussicht aus meinem Zimmer zu skizzieren, was eine recht erholsame BeschÀftigung war.

Vor dem Hotel  tobte das Leben, denn schließlich war der zentrale Rathausplatz nur drei Minuten entfernt.  Ich hatte wenig Freude, an dem lauten Trubel zu partizipieren.Vielleicht war der Grund dafĂŒr, dass ich  an den vorausgegangenen Tagen einfach schon zu viel erlebt hatte, also irgendwie „ĂŒbersĂ€ttigt“ war. Touristenmassen schienen sich durch die pittoreske Altstadt zu schieben, von der die meisten GebĂ€ude nicht „echt“, jedoch  nach historischem Vorbild kunstvoll rekonstruiert sind. Kneipe an Kneipe, dazwischen Touristenautos, die StadtfĂŒhrungen offerieren, StraßenkĂŒnstler, die lautstark nach Aufmerksamkeit schreien, …. mir war das alles viel zu viel. Selbst die kleinen Zwerge, die lustig an den ungewöhnlichsten Stellen aufgestellt sind, konnten keine Behaglichkeit verbreiten. Breslau war wohl schon einst die Metropole der KrĂ€mer gewesen, wovon ja die groß angelegten PlĂ€tze und die alten WarenhĂ€user zeugen. Der Breslauer Ring ist gar einer der grĂ¶ĂŸten MarktplĂ€tze Europas.  In Zeiten des globalisierten Hedonismus ist nun kein Halten mehr und an der historischen Tradition des Kaufens und Verkaufens wird nun allzu gerne angeknĂŒpft. Die Partymeile ist eröffnet! Jedoch ohne mich. „In RĂŒbezahls Reich. Teil 5“ weiterlesen

Parasiten, Blockwarte und Zombies

Manchmal lohnt der Blick von der Postmoderne zurĂŒck in die Moderne, die uns gleichermaßen antiquiert wie auch irgendwie beruhigend-gemĂŒtlich vorkommt. Der RĂŒckblick ermöglicht uns das Eintauchen in jene wunderbare SentimentalitĂ€t,  die einem gemĂŒtlichen TeekrĂ€nzchen gleichkommt, bei dem gehaltvolle LektĂŒre rezitiert wird, um hinterher in einem gepflegten DiskursÂ ĂŒberzugehen, der so viel erbauender zu sein scheint, als jeder Whatsapp-Nachrichtenstream.

Und so lauschen wir dann Friedrich Schiller:

Schon in der Schule sah man, welch FrĂŒchtchen das geben wĂŒrde! Das schwĂ€nzelte um den Lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wußte sich fremdes Verdienst zuzueignen und seine Eier in fremde Nester zu legen. Das erschrak vor keiner NiedertrĂ€chtigkeit, um sich einzuschmeicheln, einzunisten. Als er Ă€lter ward, ging das alles ins Große. Bald spielte er den Heuchler, bald den Spaßmacher, wie’s die Zeit heischte; mit jedem Winde wußte er zu segeln. (Der Parasit)

Erstaunt reiben wir uns nun die Augen und wir ahnen, dass es in der sogenannten „guten alten Zeit“  genauso wenig „anheimelnd“ gewesen zu sein scheint, wie auch in der Jetzt-Zeit. Schiller ermöglicht uns einen RĂŒckblick, der uns feststellen lĂ€sst, dass all die Blockwarte, Denunzianten und Verleumder, die momentan so inflationĂ€r auftreten und dabei sogar RĂŒckenwind von der Journaille und anderen staatlich gelenkten KrĂ€ften erhalten, keine besondere AusprĂ€gung der gegenwĂ€rtigen Konsens-Gesellschaft sind. Und so wird vernichtet, was sich nicht – im Sinne der Corporate Identity, hinter der sich doch nur eine zweifelhafte Globalisierungs-Doktrin verbirgt -, verwerten lĂ€sst. Und all die Zombies, die heute die designten BĂŒro-Etagen  wichtig durcheilen, finden ihre wohlfeilen Vorbilder auch  in den  Heuchlern, VerrĂ€tern und unterwĂŒrfigen Lakaien  des 18. und 19. Jahrhunderts, nur – das ist der Unterschied – dass damals niemand euphemistisch von einer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft sprach.

03012011874

 

Das Ende der Demokratie!

Die Überschrift setzt zwar voraus, dass wir schon einmal „Demokratie“ gehabt hĂ€tten, was ich – positiv betrachtet – gerne hoffen möchte.   Tatsache scheint es jedoch  zu sein, dass wir momentan NICHT  in einer Demokratie leben.   In einem Land, wo Abstimmungen solange wiederholt werden, bis sie „passend“ sind und zur Erzwingung der „richtigen“ Entscheidung „Beobachterinnen“ ausgesendet werden  und mit der KĂŒndigung von PachtvertrĂ€gen gedroht  wird, da kann es mit der Demokratie nicht weit her sein.  Zum Beweis hier eine dpa-Meldung von heute (entnommen der TAZ), die mich  in  großes Erstaunen versetzt hat: