Ein unterhaltsamer Besuch auf der Esoterikmesse!

Eine Esoterik-Messe  kann recht unterhaltsam sein. Hier seht ihr mich, wie ich gerade einen Massagestuhl ausprobiere, während ich zeitgleich mit der Mindmachine eine Entspannungs-Session genieße.

Das war richtig toll, was auch daran liegen mag, dass es sich hierbei eben um keine „Esoterik“ im herkömmlichen Sinn,  sondern um eine Methode  handelt, bei der die blinkenden Lichter der Mindmachine das Gehirn in die Frequenzbereiche, die zuvor ausgewählt worden sind, versetzen.  Das Ziel  ein solcher  „Sitzung“  muss auch nicht unbedingt „Entspannung“ sein, genauso ist „Aktivierung“, „Tiefschlaf“ oder beispielsweise „Lernsteigerung“ möglich.

Ich liebe diese Technik  und bedaure es zutiefst, dass  das „brainwave entrainment“- System, was ich bestimmt acht Jahre fast täglich in Gebrauch hatte, letztes Jahr leider seinen Geist aufgegeben hatte.

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Esoterik und Politik!

Mein esoterischer Ratgeber “Mami Watas Tanz” ist längst geschrieben. Darin berühre ich an einer Stelle eine politische Dimension. Ich schreibe dort:

“Wenn ich dir im Folgenden wirkungsvolle Methoden empfehle, um dich selbst auf deine eigenen Visionen hin auszurichten, dann immer mit dem Hintergrundwissen, dass du, wenn du denn scheiterst, niemals alleine dafür verantwortlich bist, dass es durchaus Rahmenbedingungen gibt, die dich unterstützen oder niedermachen können. An dieser Stelle ist eine politische Dimension erreicht. Ich gehe nämlich davon aus, dass du – trotz Demokratie in den Industrienationen (In einer neuen Auflage würde ich wohl eher die Formulierung ‘trotz weitgehender Demokratie’)  – wenig Einfluss auf die politisch-ökonomische Machtebene hast. Insofern lasse ich im Folgenden die politisch-gesellschaftlichen Bedingungen als Rahmen stehen, ohne sie näher zu reflektieren. Schließlich hilft es dir persönlich wenig, wenn du in einem ständigen Gejammer über die Umstände verharrst. Insofern ist es für dich hilfreicher anzunehmen (sic!) , dass jede Veränderung in deiner Eigenmacht liegt, um zu erreichen, was du erreichen möchtest. Und wer weiß, eventuell liegen deine persönlichen Visionen,  deren Erfüllung die Rahmenbedingungen  nicht nur für dich, sondern auch für viele andere Menschen verbessern könnte, auch in einem politischen Bereich. Trotz dieser Ausklammerung des Politischen verrate ich dir an dieser Stelle noch, dass auch diese Umrandung deines persönlichen Lebens aufgebrochen werden kann, und zwar immer dann, wenn du solch einem altmodischen Begriff wie Solidarität folgst, dich mit anderen zusammenschließt, um durchzusetzen, was du für notwendig erachtest, oder indem du bestimmte allgemeingültige Spielregeln nicht mehr für dich als gültig erachtest und sie insofern boykottierst. Dies stellt aber nicht das Thema des vorliegenden Buches dar. Falls du dich damit auseinandersetzen möchtest, empfehle ich dir den Besuch einer Bibliothek, in der du dich mit der soziologisch-politischen Literatur der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts auseinandersetzen kannst. Seit dieser Zeit wurde der politische Mensch fast vollständig vom Begriff der Kundin ersetzt, sodass die nachfolgenden Jahrzehnte diesbezüglich kaum Anregungen bieten. (S. 32 f)

Soweit also das Zitat aus meinem Buch, das ich an dieser Stelle weiterdenken möchte. So hilfreich ich esoterische Techniken nämlich im Alltag finde, behagt mir die Wechselbeziehung zwischen Esoterik und Politik überhaupt nicht.  Grund genug, mich dem Thema „spiralförmig” anzunähern, auch in der Hoffnung, hier evtl. eine Diskussion (ja, es gibt eine Kommentarfunktion!)  zu initiieren.

Zu Beginn möchte ich mein Unbehagen erläutern:

Ausgangspunkt sind die ständig neu erscheinenden Bücher – meist aus dem Amerikanischen übersetzt -, in denen die Hauptvertreter/innen der Esoterik (überwiegend übrigens Männer, warum eigentlich?) das Scheitern an der Welt als persönliches Defizit interpretieren. Dann klappt es eben mit der persönlichen Wunscherfüllung nicht, weil man/frau, an negativen Glaubenssätzen verhaftet, nicht richtig affirmiert und insgeheim den eigenen Wunsch torpediert hat. In letzter Konsequenz sind dann die Menschen, denen Unglück widerfährt, selbst schuld daran (was aber in dieser Deutlichkeit in den meisten Büchern nicht formuliert wird, wahrscheinlich aus Feigheit!)

Insofern steht diese Form der Esoterik in der Tradition der “protestantischen Ethik”, die wiederum die Voraussetzung für den modernen Turbo-Kapitalismus darstellt, den sie aber andererseits „scheinbar” ablehnt.

Was ist da los?

Eine Antwort bietet evtl. folgender (langer) Artikel  #Esoterik# , dessen für meine Frage relevanteste Passage ich im Folgenden zitiere und kommentiere.

Esoterik ist der Bezug des Menschen auf sich als Subjekt, die Erhöhung, die Totalität der Subjektivität aufs absolute Innere und wird von vielen gerade als Verneinung von Konkurrenz und Verwertungslogik empfunden, ist letztendlich aber das genaue Gegenteil. Die totale Subjektivierung verneint, dass der Mensch ein soziales Wesen ist: Ich bin nicht mehr Subjekt und Objekt der Welt, nicht mehr Produkt meiner Umwelt und der Verhältnisse, sondern irgendwas Übergeordnetes, habe einen wahren, inneren Kern, der von dieser Welt unbeeinflusst ist, und zu dem ich durch Meditation, Selbstfindung, Trance oder Rückführung in frühere Leben vordringen kann.

Ob der Mensch dabei, als von der Welt unbeeinflusst gesehen ist, kann ich nur daraus entnehmen, dass dieses Thema in der esoterischen Literatur ignoriert wird. Der Mensch wird allerdings insofern als ein soziales Wesen angesehen, als dass er ja eine „Einheit” mit der belebten und sogar der unbelebten Natur um sich herum erfährt. Insofern liegt der esoterischen Literatur eine neue Definition vom Menschen als sozialem Wesen zugrunde, der sich eben von der herkömmlichen Sichtweise abhebt und letztendlich sogar darüber hinausweist.

Der Kapitalismus suggeriert dem Subjekt, dass es alle Möglichkeiten hätte, doch es ist letztlich immer das Objekt, das dem System dient. Während die kapitalistische Verwertungslogik nun nur das Objekt Mensch sieht, das seine Arbeitskraft verkaufen muss, sieht die Esoterik ein vermeintlich reines Subjekt. Der Mensch ist aber beides und Subjekt und Objekt stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander. Die Esoterik versucht, den realen und empfundenen Widerspruch, der zwischen der verdinglichten Welt und der vermeintlich abgespaltenen „entrückten Existenz einer anderen Welt“ besteht, durch irrationales Denken zu überbrücken. Die Wirklichkeit als solche wird verneint oder im Sinne einer Übernatürlichkeit uminterpretiert.

(Die Wirklichkeit wird nicht unbedingt verneint, wird aber als subjektiv veränderbar angesehen, auch wenn dies nur bedeutet, die eigene Einstellung ihr gegenüber zu verändern.)

Dadurch, dass dieses von der Umwelt unberührte totale Subjekt Bezugspunkt ist, wird diesem Subjekt auch die Funktion als Einspruchsinstanz gegen das Bestehende abgesprochen bzw. als eigene Beschränkung selbst auferlegt. Da mein Kern nichts mit dieser Welt zu tun hat, muss oder sogar KANN ich auch nichts mit ihr zu tun haben, keinen Einfluss auf sie ausüben. So wird jegliches gesellschaftliche Handeln verweigert, gesellschaftlicher Wandel kann dann nur noch aus einem übergeordneten Kosmos oder Göttlichen kommen oder aus der subjektiven Innerlichkeit, wenn nämlich genug Individuen erleuchtet sind, um dem kosmischen Willen zum Durchbruch zu verhelfen, wie es im New Age gedacht ist.

(Das erscheint mir in der Tat ein interessanter Erklärungsansatz zu sein und korrespondiert letztendlich mit der Erwartung der „Zeitenwende” im Jahre 2012, die ja den Menschen einen Bewusstseinssprung ermöglichen soll und die letztendlich eben eine politische Dimension hat, ohne dass die Menschen im herkömmlichen Sinne politisch aktiv werden müssen.)

Oftmals wird gesellschaftlicher Wandel aber auch gar nicht unbedingt gewünscht, es geht für das totale Subjekt nur noch darum, dass es selbst mit der gegebenen Situation klarkommt. Nicht die Gesellschaft ist das Problem, sondern mein Umgang mit ihr, wenn ich leide, dann bin ich selbst schuld, weil meine Einstellung dazu falsch ist, weil ich mich noch nicht genug von dieser Welt gelöst habe. Für die kapitalistische Verwertungslogik ist das natürlich super: Der Mensch hält still und spielt das Spiel mit, kauft sich noch diverse Ratgeberbücher und Schnickschnack, konsumiert fleißig und ist durch das gelegentliche Abdriften in andere Welten ruhig gestellt.

(Diese Einschätzung korrespondiert mit dem von mir eingangs erwähnten „Unbehagen”.)

Aus diesen Zitat- und Gedankensplittern ziehe ich den folgenden (provisorischen) Schluss,

dass – falls denn die prophezeite Zeitenwende eintreten sollte – in der Esoterik durchaus eine politische, wenn auch zumeist unbewusste Dimension enthalten ist. Letztendlich – mal eine These – enthält sie eine Erlösungs-Hoffnung, die nur aus einem tiefen Unbehagen mit der gegebenen Realität resultieren kann. Diese Erlösungs-Hoffnung wird vom Kapitalismus absorbiert, da sie sich dem nicht klar entgegenstellt und die “Anhänger/innen” zu individuellen Kund/inn/en von ©-Prozessen macht, die fern von Solidaritätsgefühlen “Einheit” erfahren.

Je mehr Menschen sich aber auf die postulierte höhere Schwingungsebene einklinken, desto mehr wird dies auch Auswirkungen auf unsere Realität haben, unabhängig davon, ob diese Zeitenwende auf irgendeiner Ebene Realität oder eben eine realitätserschaffende Prophezeiung ist.

Ich würde mir aber wünschen, dass dies etwas „geerdeter” (sprich konkreter) ablaufen und dass mehr Lust an der Selbstreflexion einsetzen würde, als dies oftmals geschieht, womit ich dann – so hoffe ich zumindest – an dieser Stelle einen Anfang gesetzt haben möchte.