Über die Macht und Ohnmacht der Frauen

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Als Frau nimmt man sich zurĂŒck. Als Frau ist man nicht ganz in seiner Kraft.

Das fĂ€llt normalerweise nicht auf, das geht fast unmerklich vonstatten. Es fĂ€llt nur auf, wenn man einem Mann sieht, der das tut, was man selbst alltĂ€glich macht, dies aber in einem Selbstbewusstsein, das nur dadurch Kraft schöpfen kann, nicht stĂ€ndigen klammheimlichen Restriktionen unterworfen zu sein. Das tut man nicht … Das darf man nicht … Das kann dir aber falsch ausgelegt werden … Und so nehme ich mich also zurĂŒck – in meinem BedĂŒrfnissen, in meinem Sein, nehme RĂŒcksicht, doch niemals gibt es Dank dafĂŒr. Meine Stimme findet kein Gehör, verhallt in den Weiten des realen und auch des virtuellen Lebens. Wenn aber ein Mann Ă€hnliche Gedanken Ă€ußert, dann geht ein Raunen durch den Saal. Das ist ja großartig. Und wenn der mĂ€nnliche Guru Heilung verspricht, dann fallen die ungehörten Weiber auf die Knie. Devot.

In Irmtraud Morgners Roman Amanda  schreibt die AutorinÂ Â ĂŒber den Machtverlust der Frauen in mythologischen Worten, indem sie auf die Zauberberge Bezug nimmt.

Gewisse Frauen pflegten dort Geselligkeit, sammelten KrĂ€uter und Mineralien, kochten Arzeneien und versuchten etwas zu brauen, das die Ordnung verwĂŒnschen konnte.

Den gewissen MÀnnern, die den Bergsteigerinnen folgten, war Geselligkeit nicht verwehrt. Deshalb konzentrierte sich das Interesse dieser MÀnner auf die anderen TÀtigkeiten der Frauen. Und MÀnner und Frauen erkannten erfreut, dass ihre OrdnungstrÀume einander Àhnelten.

Diese Erkenntnis und ordentliche Gewohnheit fĂŒhrte die MĂ€nner zu dem Entschluss, Brauen in Regie zu nehmen. WĂ€hrend der Regiearbeit wurde die Brauarbeit zur Facharbeit spezialisiert. Und die Facharbeiter  brauchten viel Platz, viel und immer mehr.

Also, dass fĂŒr die Frauen – seit Regiebeginn von den MĂ€nnern als Zuschauer spezialisiert – nun kein Platz mehr auf dem Brocken war.

Die Frauen wurden beurlaubt.

Und zwei Stimmen lachten auf sie ein. Von oben eine und von unten eine. (S. 148/149)

Dieser weibliche Machtverlust nimmt momentan an Fahrt auf. Die um sich greifende Islamisierung mit ihrem rĂŒckstĂ€ndigen Frauenbild in unheiliger Allianz mit einer weiterhin ungebrochenen WerbeĂ€sthetik, die Frauen (mittlerweile aber auch MĂ€nner) auf ihre Körperlichkeit reduziert, wird ihr ĂŒbrigens tun, um  die zukĂŒnftige Generation in das Korsett von Botox, Magersucht und Fitnessoptimierung und gleichzeitig auch noch unter das Kopftuch einer patriarchalen MĂ€nnlichkeit von  „Respekt“ und Ehrverletzungen zu pressen. Parallel dazu werden sich die Menschen, die darauf angewiesen sind,  sich den Geld-Eignern „verdienbar“ zu machen,   immer mehr zu Arbeits-Zombies und Konsumentinnen degeneriert, wobei die Frauen, um dies zu bewerkstelligen,   willfĂ€hig  auch noch ihrem jahrtausendealten Einfluss auf die zukĂŒnftige Generation an eine Rundum-Versorgung in Kitas und Ganztags-Erziehungsanstalten ĂŒbertragen. Kritiklos und scheinbar zu ihrem Vorteil: so wird es zumindest verkauft und leider auch geglaubt.

Tragisch  nur, dass das  hier aufgezeigte im allgemeinen Meinungsbild  so vehement bestritten wird, obwohl – dies ist mittlerweile leider meine Überzeugung –  die  emanzipatorische Rezension, die Frauen  erfahren,  Ausmaße erreicht hat, die kaum noch ertrĂ€glich sind. Allah und all den Ignoranten,  Medien-KrĂ€merinnen und -GlĂ€ubigen sei Dank. Michael Houellebeq nennt es, allerdings auf die ganze westliche Gesellschaft bezogen,   – ganz richtig – Unterwerfung.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken brauchen wir große, ganz starke Frauen als Symbolfiguren, gerne aus der Mythologie, damit sich unsere Projektionen nicht an schnöden Realien stören und wir so ungebremst  Utopien erdenken können, die uns die Kraft geben, die destruktiven Entwicklungen aufzuhalten. „Es ist fast schon zu spĂ€t dafĂŒr“, spricht Kassandra.

Lies auch hier weiter: Chancengleichheit?

… oder mehr lösungsorientiert ĂŒber die dunkle Göttin Kali.