Morbider Charme in Verona

Den letzten Tag unserer Reise verbrachten wir in Verona.

Natürlich statteten wir der römischen Arena und dem
Balkon von Romeo und Julia einen Besuch aus.

Spannender als die schnöde pseudoromantische Aussichtsplattform waren die Touristenmassen davor.

Ich scheine nicht mehr an die große Liebe zu glauben und so hatte ich auch kein Interesse daran, die rechte Brust der Julia-Statue anzufassen, um diesbezügliches Glück herbeizuzaubern.  Einen der wenigen Momente, wo kein Tourist an der Statue klebte, nutzte ich für ein schnelles Foto.

In Verona gibt es Interessanteres zu erleben, als diesen Touristen-Nepp.

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In Draculas Reich. Teil 4

Jetzt ist ja schon reichlich viel Zeit seit meiner kleinen Rumänien-Reise vergangen, noch immer aber ist mein Bericht von meiner Pauschal-Rundfahrt nach Siebenbürgen und den Moldau-Klöstern nicht abgeschlossen Vergessen habe ich das Weiterschreiben nicht, nur leider droht solch müßige Tätigkeiten, wie eben das Bloggen,  im leider allzu hektischen Alltagsgeschäft unterzugehen. Traurig, dass dies selbst in der Vorweihnachtszeit, die eigentlich ruhig sein sollte, nicht anders ist.

Wie dem auch sei: Ich nehme mir die Zeit und setzte meinen Bericht fort.  Hier findest du die vorangegangenen Teile: Teil 1, Teil 2, Teil 3

Der Weg führte mich von Biertan aus, noch am selben Tag, weiter nach Schäßburg (Sighisoara). Die mittelalterliche Altstadt hat sich hier fast vollständig erhalten und wenn man durch die Gassen mit ihren bunten Häusern schlendert, hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. “In Draculas Reich. Teil 4” weiterlesen

Vom Rosengarten zum Opferberg!

In Bad Frankenhausen befindet sich das Rosarium Sangershausen, wo ich letztes Jahr eine fast schwarze Rose bewundern durfte.

Rosen sind in Deutschland erst um 800 n. Chr.. eingeführt wurden.

Ein Friedhof wurde auch als Rosengarten bezeichnet, handelte es sich dabei schließlich häufig um eine mit Dornen umrankte Begräbnisstätte und so schläft auch das Dornröschen ihren hundertjährigen Schlaf inmitten von Heckenrosen, die beständig wachsen und wachsen und alles, was lebendig ist,  einbetten in ein Grab von Blüten und Dornen, bis dann endlich der Prinz auftaucht, der nicht halten wird, was er verspricht.

In Hildesheim gibt es den tausendjährigen Rosenstrauch.

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Die Kreuzgänge von Kirchen und Klöstern wurden mit Rosen bepflanzt, auf dass die Toten, die hier bestattet wurden, inmitten von Rosen lagen.  Der Hildesheim Dom ist meiner Meinung nach durch die Restaurierung und Modernisierung entsakrilisiert , ursprünglich aber auf einem Platz der Göttin angelegt worden, der im Zuge der Christianisierung mit Rosen in Verbindung gebracht wurde.

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Bernwardstür
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Radleuchter

Diametral entgegengesetzt zum Dom befindet sich die Michaeliskirche, die  Irminsul-Darstellungen auf den Säulen aufweist. Die Michaeliskirche stellt sozusagen das dem weiblichen entgegengesetzte männlich konnotierte Heiligtum, das sich bis auf den Zierenberg  hinauf erstreckt. Der heilige Michael im Namen von Kirchen und Orten verweist  auf Thor und Thyr, den Göttern  des Kampfes und des Sieges also.

Und so folge ich dann der Zierenbergstraße nach oben. Ein kleines Schild aus alten Zeiten weist auf eine “Opferstätte für den germanischen Kriegsgott” hin und wirklich handelt es sich bei der barocken St. Mauritiuskirche, die  auf dem einstmaligen germanischen Heiligtum errichtet wurde, um einen beeindruckenden Kraftort.

 

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Barocke Innenansichten laden zum Verweilen ein.  Grabungen legten hier eine kleine Taufkapelle frei, die aus der Frühzeit der Christianisierung der Franken stammen soll.

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Ein herbstlicher Blick vom Zierenberg hinab auf Hildesheim, lässt mich darüber nachdenken, wie das, was in Vergessenheit zu fallen scheint, wieder zur neuer Blüte erwachen könnte? Rosenblüte eben.110120111004

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Friedhofs”kultur”

Beim Spaziergang über dem Engesohder Friedhof erfuhr ich heute, dass die vier kleinen Granitplatten vor dem imposanten Grabmal mit Mosaikengel sozusagen Leer-Urnenbestattungsmöglichkeiten darstellen, die für ca. 5000 Euro für 20 Jahre gemietet werden können. Der Gestorbene partizipiert dann quasi am individuell gestalteten historischen Grabmahl, jedoch wird ihm – für die befristete Zeit – nur ein normierter – gänzlich nicht-individueller – Stein zugestanden.

Der ökonomisch betriebene Friedhof wird so zum Abbild einer Gesellschaft, in der Aufmerksamkeit über Geld erworben werden kann. Wahrnehmung lässt sich – auch über den Tod hinaus – erkaufen, indem man sich eine Grabstelle in Nachbarschaft zu den (scheinbar) Großen, Mächtigen und Finanzstarken der Vergangenheit mietet. Das sind – auch nicht sonderlich erstaunlich – in der überwiegenden Anzahl Männer.

Der sogenannte Urnenhain wurde übrigens von den historischen “Überresten” befreit (fragen wir lieber nicht nach dem Wie) und weist jetzt viele Plätze für neue Urnen auf. Diese werden – auch nicht überraschend – zur Miete angeboten.

Anscheinend gilt das, was Carl Peters (oder seine Nachkommen) auf seinem Grabstein hat notieren lassen,  über das banale Leben hinaus: Man muss sich seine gesellschaftliche Wahrnehmung auch im Tode verdienen.

Insofern verabschiede ich mich für den heutigen Tag mit diesem düsteren Todesengel:

Kleiner Nachtrag: Eine Broschüre informiert über den Friedhof. Dort habe ich auch erfahren, dass der Erfinder der Böttcherstraße in Bremen, Ludwig Roselius, auf dem Engesohder Friedhof begraben ist. Da auch noch eine Plastik von Bernhard Hoetger sein Grab zieren soll und ich die Werke dieses expressionistischen Künstlers quasi visuell sammle,  muss ich demnächst – das ist klar – noch einmal den Friedhof besuchen.

Soviel ist jetzt schon  sicher: Diese Figur von Hoetger steht nicht in Hannover, stattdessen in Worpswede und trägt von dort ein kosmisches Lachen in die Welt.

 

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