Die Reise in die Unterwelt: Helheim

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Helheim ist das Reich der Toten, die durch Altersschwäche und Krankheit gestorben sind. Die Überlieferung sagt, dass die Toten, die einmal in Helheim angekommen sind, diese Welt, die durch einen Zaun, genannt Helgrind, umschlossen ist, nicht mehr verlassen können.

Helheim entspricht unserem Unbewusstein im Sinne des noch Nicht-Manifestierten und Unbekannten.

Auf einer räumlich-menschliche Ebene bezogen kann dies bedeuten, dass das eigene Unbewusste, was durch Helheim repräsentiert ist, in diesem Zustand gefangen ist, es sei denn, es würde durch eine Reihe hilfreicher Methoden ins Bewusstsein transformiert werden. Diese Methoden stehen uns in Midgard, der Welt, die wir momentan bewohnen, offen. Hier können wir Asgard erreichen und so selbst zum Gott/zur Göttin werden. Voraussetzung dafür ist aber immer die Reise in die eigene Unterwelt, zur Göttin Hel, die die antagonistische Energie zu Odin darstellt.

Die Reise auf dem Helweg dauert neun Tage. Dabei muss der Fluss Gjöll, der von Modgunn und vom Hund Garm bewacht wird, überwunden werden. Die Zahl Neun entspricht auch den Monaten der Schwangerschaft oder aber auch den neun Tagen, die Odin am Baum hing, um Wissen zu erlangen und der auf diese Art und Weise eine weibliche Initiationserfahrung, die als mögliches Potential immer durch Schwangerschaft und Geburt gegeben ist, nacherlebte.

Der Heilige Gral, von dem uns u.a. in den Artus-Sagen berichtet wird, ist nichts anderes als die Gebärmutter, die wohlige Höhle, aus der wir gekommen sind und zu der wir zurückkehren werden,wenn unser menschliches Dasein beendet ist. Der Gral kann als ein ein mittelalterliches Symbol für Helheim verstanden werden, genauso wie die blutige Lanze oder das Schwert eines für Asgard sein kann.

Welche Methoden sind dies aber, die uns nach Helheim führen können? Zwei Ansätze der verstandesmäßigen Selbstreflexion möchte ich hier kurz vorstellen.

Voraussetzung für beide Methoden stellt dar, dass wir auf einer zeitlich-menschlichen Ebene Helheim als ein Synonym für das ansehen, was wir in unserem Leben (noch) nicht manifestiert haben oder aber – auch interessant – jenes, was wir während unserer Lebensgeschichte „verloren“ haben. Im schamanischen Kontext spricht man hier von Seelenanteilen. Es ist das, was wir nicht gelebt haben, weil vielleicht ein traumatisches Ereignis uns den Mut, das Vertrauen und die Lebenslust genommen hat. Allerdings – bevor man nun leichtfertig den Entschluss fasst, jenes, was man verloren hat, zurückholen zu wollen – muss man sich zuerst einmal die Frage stellen, ob man dies überhaupt will? Wenn man nämlich tief in sich selbst hinabtaucht, wird man eventuell feststellen, dass damit auch eine gewisse Naivität zurückholen würde, denn schließlich haben uns eben gerade die negativ-traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit nicht nur geschädigt, sondern uns auch neue Erkenntnisse, die wir vielleicht nicht mehr missen wollen, ermöglicht. Deshalb stelle ich hier noch einmal eindringlich die Frage: Wollen wir also Seelenanteile, die im Grabesschoß Helheims verborgen sind, WIRKLICH ins aktive Leben zurückholen? Und wenn wir diese Frage jetzt immer noch mit Ja beantworten, dann – und erst dann – sollten wir uns überlegen, wie wir das, was wir zurückholen wollen, mit dem integrieren können, was seitdem in unserem Leben an Erfahrungsschatz, neuen Einsichten und daraus resultierenden Weisheiten hinzugekommen ist? Wenn ich den entsprechenden Seelenanteil nun zurückholen möchte, dann sollte ich mir vorab darüber Gedanken machen, welche neuen Energien mir damit zur Verfügung gestellt werden, die gegebenenfalls die Kraft haben, das gegenwärtig manifestierte Leben zu verändern. Welche Resultate sind zu erwarten? Will ich das überhaupt in dieser Form oder ist die Gefahr zu groß, sodass ich dies ablehnen muss?

Eine weitere Möglichkeit mit Helheim zu arbeiten, erschließt sich uns durch die Frage, ob die Vergangenheit, die wir vielleicht nicht aus traumatischen Gründen, sondern einfach aus einer inneren Entscheidung heraus, nicht gelebt haben, für uns bisher unerkannte Potentiale der Selbstwerdung enthält?

Die eigenen Lebensgeschichte spiegelt doch immer den Sieg einer Entscheidung über andere Potentiale wieder. Wenn du darüber nachdenken möchtest, gehe gedanklich zurück zu einer solchen Entscheidungssituation und spiele alternativ das Leben durch, dass dir wahrscheinlich gewesen wäre, wenn du dich an einem möglichen  Zäsur-Punkt, an dieser Wegkreuzung, anders entschieden hättest. Eine solche Meditation, wie ich sie eben beschrieben habe, kann uns zu Potentialen in uns führen, die darauf warten, manifestiert zu werden. Dieser Prozess, den ich hier vorschlage, ist durchaus anspruchsvoll und kann uns auch leicht an unsere Grenzen bringen. Wenn ich damals z.B. keine Kinder bekommen hätte/einen anderen Job angenommen/ein anderes Studienfach belegt hätte/… , wie wäre dann mein Leben verlaufen? Und wenn ich diese Möglichkeiten dann gedanklich-imaginär durchspiele, stellt sich mir als nächstes die Frage, ob hier Potentiale erkennbar sind, die in der Gegenwart verwirklicht werden können?  Möchte ich diese ungelebten Potentiale jetzt in mein Leben holen oder lieber nicht? Und wenn nein, warum nicht? Wenn ich hier jedoch positive Möglichkeiten sehe, bin ich dann überhaupt noch in der Lage diese in meine Gegenwart zu integrieren oder muss ich notwendige Abstriche machen? Was davon kann ich JETZT, in diesem Augenblick, verwirklichen und in welcher Form?

Die aufgezeigten Methoden entfalten ihre ganze Kraft wenn sie mit künstlerischen Dialogen, Traumarbeit, Orakel und Ritualen kombiniert werden. Die Reflexionen sind erst der Anfang! Zu der zeitlichen Dimension kommt so die notwendige räumliche dazu, die im eigenen Ich verwirklicht wird.

Diese Methoden führen dich und mich zu Hel, der Unterweltsgöttin, die als Tochter von Loki beschrieben ist, und die – davon bin ich tief, sehr tief überzeugt -, die Allmutter selbst ist, die sich hier in ihrem dunklen Aspekt zeigt. Sie erwartet uns im Untergrund. Hagalaz, die Rune der Verwandlung und Transformation, die in sich alle weiteren Runen enthält, führt uns dabei in diese Verborgenste aller Neun Welten. Dort spinnen auch die Nornen, die Schicksalsfrauen, ihre Fäden, die die Unterwelt mit dem Himmel verbindet, denn das, was unten ist, ist gleichbedeutend mit oben. Und so treibt der Faden der Nornen in einer zirkularen Endlosschleife unser Bewusstsein linear voran und verbindet so Helheim mit Asgard. Beständig. Auch für dich!

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Was sind die Götter?

Dark Goddesses

Dark Goddesses, mixed media, 49 x 42 cm

Das sind meine Gedanken zu den Göttern:

Die Götter bestehen im objektiven wie auch im subjektiven Universum. Sie sind also gleichfalls von mir (oder dir) kreiert, wie sie auch im Außen, also unabhängig vom Individuum bestehen. Vielleicht sind alle Götter ursprünglich vom Menschen erschaffen worden, haben dann aber ihre Autonomie errungen. Die Riesen sind die Götter der Götter.

Die meisten Götter pflegen eine Wechselwirkung von unabhängiger Existenz und “sich von der Glaubensenergie der Menschen nähren”.

Die Götter werden also durch den Glauben der Menschen größer, wobei verschiedene Menschen immer auch verschiedenen Vorstellungen von den Göttern folgen. Der Gott nimmt diese Energien auf und gibt ihnen Form. Götter können auch in Vergessenheit geraten. Ihre Energieformen werden  dann kleiner, was aber nicht meint, dass sie nicht mehr existent wären.

Die herrschenden Glaubenssysteme üben ein Dogma aus, was die Glaubensausübung ihrer Anhänger jeweils in eine vorgeschriebene Richtung kanalisieren soll. Es wird den Menschen also vorgeschrieben, wie ihre Sicht auf einem beliebigen Gott zu sein hat, dessen Energiekörper dann im Objektiven sich immer mehr in genau diese Richtung verfestigen wird.

Zu Göttern unseres eigenen Kulturkreises finden wir leichter Zugang als zu denen anderer Völker, einfach deshalb, weil uns zu ersteren schon durch die Geburt und eine lange Ahnenreihe ein intuitiver Zugang vererbt ist. Nichtsdestotrotz ist es uns möglich auch zu Göttern anderer Völker eine Verbindung aufzubauen.

Als kulturübergreifender “Archetyp” existieren Götter, die in verschiedenen Ausprägungen, allen Kulturen gemein sind. Als Beispiele wären hier die große Muttergöttin oder der Trickster-Gott zu nennen.

Es gibt jedoch auch Götter, die von der Menschheit unabhängig sind.

Als Magier kann ich mich, um meinem Willen zu wirken, auf die Energien der Götter beziehen.

Als Künstler kann ich individuelle Mythologien erschaffen. Eine solche Kunst hat ihren Ursprung im Subjektiven, erschafft gänzlich neue Gott-Energien oder bezieht sich – was meistens der Fall ist – auf schon bestehende.  Nicht nur das Leben des Künstlers wird so verwandelt, sondern auch die Götter werden durch das künstlerische Tun bewegt, schließlich sind deren Energien amorph.  Kunst ist also ein Dialog zwischen subjektiver und objektiver Realität und schafft so für alle Beteiligten neue Möglichkeits-Räume.

Was ist ein Künstler also anderes als ein Magier und Schamane?

Wir sollten danach trachten, selbst zum Gott zu werden, was meint unser Selbst zu perfektionieren. Dazu muss man erst ein Monster töten. Manchmal sind es auch mehrere. Ich bin gerade dabei.

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