Die aktuelle Inszenierung der Zauberflöte in Hannover

Zwei Wochen im Dauerstress liegen hinter mir. Die Zeugnisse stehen kurz bevor und als Lehrerin ist man so, neben seinen regulären Unterrichtsverpflichtungen, ständig dabei, irgendwelche Listen auszufüllen und auszuwerten.

Der einzige Lichtblick innerhalb dieses stressigen Einerleis war dann für mich der Besuch der Zauberflöte vergangenen Dienstag. Das Opernhaus Hannover hat dieses Stück neu inszeniert. Premiere war am 13.01.2018. Herausgekommen ist mal wieder das von mir ungeliebte Regietheater, allerdings nicht gar so unerträglich, wie ich es 2015 bei der unsäglichen Hannoverschen “Freischütz“-Inszenierung erleben durfte.

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Sachlich-monumentale Industriearchitektur in Vahrenwald, Hannover: Ein Fotospaziergang

Einmal im Jahr findet der Tag des Denkmals statt.  Viele Denkmäler, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind, lassen sich dann besichtigen.

Ich schaute mir das Verwaltungsgebäude der Continentalwerke an der Vahrenwalder Straße in Hannover an.  Leider war  im Innern des Gebäudes nur der erste Lichthof begehbar. Dieser ist auch an Werktagen für die Öffentlichkeit zugänglich und kann jederzeit besichtigt werden. Die anderen beiden Lichthöfe waren leider auch am Tag des Denkmals abgesperrt, was ich schade fand.

Sid Auffahrt gibt einige Erklärungen zum Gebäude ab.

Das Conti Verwaltungsgebäude ist 1912 – 1914  errichtet und von Peter Behrens entworfen worden. Die Firma selbst gründete sich 1871 unter dem Namen “Continental-Caoutchouc & Gutta-Percha-Compagnie” als Produzent von Fahrradreifen und entwickelte sich zu einem weltweit führenden Zulieferer der Autoindustrie.

Man beachte im folgenden Bild die groben Steine zu denen die glatte, sachliche Fassade einen aufstrebenden Kontrast bildet. Die sachliche Nüchternheit zeugt von einer Befreiung von der zeittypischen Historisierung. Obwohl Peter Behrens in seiner Frühphase  die Ornamentik favorisiert hat, tritt sie hier zugunsten einer Großflächigkeit und Schlichtheit fast vollständig zurück.

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Wenn das keine repräsentative Architektur ist! Die fünf Köpfe zeigen die Physiognomie der Erdteile.

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Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich

Ich bin ja nicht nur Bloggerin, sondern auch  Regionsabgeordnete. In dieser Funktion  durfte ich  gestern den Moorhenniespfad, der im Frühjahr 2016 eröffnet wurde,  kennenlernen. Der ist von Hannover aus mit der S-Bahn bequem zu erreichen und beginnt, ganz bequem, direkt an der Haltestelle Poggenhagen, die gleich nach Wunstorf gelegen ist und sich nicht weit entfernt vom Steinhuder Meer aus befindet.

Das Bahnhofsgebäude von 1907 ist dann auch schon eine erste Station.  Insgesamt gibt es 31, die an zwei Wanderwegen, der sogenannten Nord- und Südroute, aufgestellt sind. Beide lassen sich miteinander kombinieren. Die Nordroute legt ihren Schwerpunkt auf Naturerfahrung, wohingegen die Südroute die Ortsgeschichte und die Kultur in den Mittelpunkt stellt.

Wir begingen einige Stationen der Südroute.  Die aufgestellten Tafeln schildern, wie es in der Vergangenheit an den verschiedenen Plätzen ausgesehen hat oder weisen auf Besonderheiten hin,  an denen man andernfalls achtlos vorbeigegangen wäre.  Die Tafeln nehmen den Besucher quasi bei der Hand und geben ihm das Gefühl, eine persönliche Führung durch das Dorf und seine Umgebung zu erhalten. Da der Pfad im Kontext des Naturparks Steinhuder Meer zur Hörregion Hannover zählt, befinden sich auf den Schrifttafeln QR-Codes, mit denen sich Hörinformationen per Smartphone abrufen lassen. Diese sind selbstverständlich auch im Internet hörbar, doch sollte man die Sequenzen lieber vor Ort abspielen, um so ein ganzheitliches  Erlebnis zu genießen. “Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich” weiterlesen

Reiseblogger auf Street Art-Expedition in Hannover

Gestern fand das 13. Reisebloggertreffen in  Hannover statt, organisiert von Anja von travelontoast und Janet von teilzeitreisender.

Die Veranstaltung kam durch eine Kooperation mit Hannover Marketing und Tourismus und dem Hotel Crowne Plaza Hannover zustande. Die Hotel-Kooperation hatte ich nicht in Anspruch genommen, da ja – einigen wird es schon bekannt sein – Hannover meine Heimatstadt ist.  Wer also weitere Informationen über das Hotel und/oder Erlebnisberichte von den anderen Teilnehmer/innen lesen möchte, folge,  jedoch erst nach der Lektüre meines Beitrages (sic!),   den  Hashtags #rbhannover  und #visithannover.

Im Vorfeld zum Bloggertreffen war ich nicht nur gespannt auf den Austausch mit den anderen Reisebloggern, sondern auch darauf, wie neue Besucher meine Stadt erleben würden. Als Einheimischer hat man zumeist  schon eine festgelegte und jahrelang hart erarbeitete Sicht auf die alltäglichen Dinge, wohingegen Fremde im Erstkontakt einen unmittelbaren Eindruck gewinnen, der manchmal überraschend den “Nagel auf den Kopf” trifft, manchmal aber auch nur herrlich falsch ist und großes  Erstaunen  hervorruft. Auch fragte ich mich, ob auch ich heute noch etwas Neues kennenlernen würde? “Reiseblogger auf Street Art-Expedition in Hannover” weiterlesen

Der Schulbiologiegarten in Hannover und die Frankfurter Soße

In Hannover kann man am Sonntagvormittag den Schulgarten Burg besuchen. Innerhalb der Schulzeit gibt es immer um 10.30 Uhr ein breites Angebot an naturkundlichen Sonntagsführungen zu genießen , die allesamt kostenlos sind. Das Angebot richtet sich vorrangig an Familien, kann aber auch von Erwachsenen besucht werden. Ein geführter Rundgang durch den Garten richtet sich regelmäßig explizit an Erwachsen.

Der Garten geht auf die pädagogische Idee zurück, dass Schüler, wenn sie denn manuell im Garten arbeiten, nicht nur die einheimische Pflanzenwelt kennenlernen, sondern auch nachhaltig ihre Persönlichkeit, im Umgang mit der Natur, positiv entwickeln, indem sie friedfertiger und ausgeglichener gestimmt werden. Dies scheint mir momentan, nötiger denn je zu sein.

Geschichtliches!

Im Ursprung sollten Schulgärten das naturkundliche Wissen der Schüler stärken, was in einem preußischen Erlass zum Ausdruck kam und in der Umsetzung dazu führte, dass die Lehrer Pflanzen als Anschauungsmaterial für ihren Unterricht benötigten. 1883 wurde deshalb  ein erster Botanischer Garten in Kleefeld  gegründet, der Pflanzen für Schulen als Anschauungsmaterial liefern sollte. Dieser erwies sich schnell als zu klein, sodass in der Nachbarschaft zur  Alice-Salomon-Schule, ebenfalls in Kleefeld, ein neuer Garten entstand.  Da Linden damals noch nicht zu Hannover gehörte, entstand auch dort ein Liefergarten, der noch heute als Untergarten des Schulbiologiezentrums Hannover existiert. “Der Schulbiologiegarten in Hannover und die Frankfurter Soße” weiterlesen

Heiligers Brunnen

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Am Sonntag habe ich mit einem Freund einen kleinen Spaziergang unternommen.

Startpunkt war die Herderstraße 6 in Hannover, was laut dieser Informationsseite die postalische Adresse des im 18. Jahrhundert errichteten Brunnens sein sollte, den ich mir unbedingt einmal anschauen wollte.

Zuerst musste dieser aber erst einmal gefunden werden. Zuvor beeindruckte die Herderstraße durch imposante Villen, die bei mir die Frage nach sozialen Gerechtigkeiten hervorrief, womit ich eigentlich nur sagen möchte: Ja, ich war neidisch und möchte auch gerne ein solch repräsentatives Gebäude mein eigen nennen.

Wo war das Denkmal? Nach einigen Suchen nahmen wir den Weg geradeaus direkt in die Eilenriede (Startpunkt war in der Tat die besagte Adresse!)  und erreichten den kleinen Stein, der Heiligers Brunnen heißt, nach kurzer Zeit.

Obwohl hier  einmal eine schwefelhaltige Quelle gewesen sein soll,  die vom Stein eingefasst wurde, ist kein Wasser mehr zu sehen. Vermutlich ist der Born versiegt, auch wenn ich bei Wikipedia lese:

Das Wasser tritt heute aus einem Rohr zwischen Steinen als kleiner Quell in Höhe eines Fußweges zutage.

Hier muss widersprochen werden, denn: Nein, davon haben wir leider nichts gesehen.

Unweit des Gedenksteins befindet sich eine Informationstafel, die  davon spricht, dass die Quelle “nahezu versiegt” sein soll, womit dann (mal wieder) bewiesen ist, dass Wikipedia nicht unbedingt eine verlässliche Quelle (sic!) sein muss.

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Die Informationstafel inspirierte uns, nach dem “Teufelsbad” und den 100 Meter westlich liegenden Findling Ausschau zu halten.

Vergeblich. Insofern machten wir uns in  Richtung Hermann-Löns-Park auf und wurden sogleich von einem Radfahrer-Paar angesprochen, die uns fragten, ob wir wissen würden, wo sich “der Findling” befinden solle, was ja an sich schon lustig ist, kann ich mir nämlich nicht vorstellen, dass sich viele Menschen am Sonntag aufmachen, um Heiligers Brunnen, das Teufelsbad oder den Findling aufzusuchen.

Wir konnten leider nur den Weg zur Informationstafel weisen, begegneten ihnen dann aber ca. 20 Minuten, kurz vor dem Park, wieder, wo sie uns erzählten, dass der Findling winzig wäre und das “Teufelsbad” links von der Tafel zu finden wäre.

Nach unserem Spaziergang durch den Hermann-Löns-Parks kehrten wir zur versiegten Quelle zurück und fanden vermutlich (???) das Teufelsbad, eine ehemalige Badestelle, was eigentlich Kopperloch heißt, allerdings in wenig attaktivem  Zustand, unweit der Infotafel, vor.  Es sah bei weitem nicht so gepflegt aus, wie auf der Info-Tafel zu sehen! Ob es sich beim unnah gelegenen Steinchen am Weg, um den ominösen Findling handeln soll, vermag ich ebenfalls nicht mit Sicherheit zu behaupten.

Es wäre schön, wenn die Besucher dieses denkmalgeschützten Ortes mit detaillierteren Informationen versorgt werden würden, ähnlich wie dies beispielsweise im Hermann-Löns-Park bereits geschehen ist.

Das Gefühl von Heimat und Verbundenheit mit einem Ort entsteht nämlich auch durch die Pflege der historischen Hinterlassenschaften seiner vormaligen Bewohner. Denkmalschutz kann zur Lebensqualität beitragen. Erinnerungspunkte müssen nicht nur “Stolpersteine” sein, sondern können auch auf positiv besetzte Geschichte verweisen.

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“Mythos” Heimat

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Angesichts der Verwerfungen die unsere Heimat momentan erleben muss, erscheint die Ausstellung “Mythos Heimat“, die das Niedersächsische Landesmuseum aktuell zeigt, irgendwie passend und dennoch anachronistisch zu sein.

Da, wo eben kein Heimatgefühl in einer prekär-verschleierten Stadt wie Hannover mehr aufkommen kann, da, so wollen uns die Ausstellungs-Macher vielleicht anraten, haben wir immer noch die Freiheit, uns den Mythos einer Heimat selbst zu erschaffen und brauchen uns dann nicht mehr an einer Realität zu stoßen, die verstört und letztendlich erst schiere Verzweiflung und dann Protest hervorrufen müsste.

Doch diese zeitgenössischen Ausblicke, die ich eben geschildert habe und zu der mich der Ausstellungsbesuch inspiriert hat, ist im musealen Kontext – vermute ich mal – konzeptuell nicht vorgesehen. Stattdessen werden uns bildnerische Werke von Künstlern des 19. und 20. Jahrhundert gezeigt, die in ländlichen Künstlergemeinschaften eine Heimat abbildeten, die mit der Realität des ärmlichen Landlebens und der hereinbrechenden Industrialisierung in den Städten, vor der sie damals flohen, nicht viel gemein haben sollte. So erzählt es mir jedenfalls der Audio-Guide.

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Diese gesellschaftlich-soziologischen Umbrüche  der damaligen Zeit hielten meine Künstlerinnenkollegen nicht davon ab, moorige Birkenwäldchen und baltische Strandszenen mit Fischern darzustellen. Frauen in bizarren Trachten transportieren auf Gemälden das Heu über den Chiemsee, während sich – nur ein paar Bilder weiter – Ausdruckstänze auf den Monte Verità vollzogen haben. Ganz und gar nackt.

“Vielleicht sollte ich mir diese Künstlerkolonien zum Vorbild nehmen und aufhören, mich beständig darüber aufzuregen, was verloren geht?”, fragte ich mich einem kurzen Augenblick lang, bevor mich der zeitgenössische Film vom Ende des letzten Jahrhunderts (vielleicht 1980???), der in der Aussstellung präsentiert wird, in seinem Bann zog. Dort wird u.a. eine Kontinuität zwischen der Künstlerkolonie und der ökologischen Bewegung der Grünen aufgezeigt. Die bange Frage wird gestellt, wie sich ein Zusammenschluss von Menschen, die alle künstlerisch individualisiert waren, verändert, wenn eine solche Bewegung in der breiten Masse angekommen ist und ob eine solche Transformation überhaupt auszuhalten ist?

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Anscheinend NEIN: Angesichts all der merkwürdigen Entwicklungen der letzten Jahre in Deutschland, wo das, was einst idealistisch und “gut” war, zur Meinungsdiktatur verkommen ist, muss ich an dieser Stelle fast frustriert die Filmvorführung verlassen und mich – vor einem toten Fisch im Stillleben beschaulich versenken – leise seufzen:

“Ach, Heimat, wo bist du geblieben?”
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Lost Places: Limmer, Hannover

Demnächst wird das alles nicht mehr wieder zu erkennen sein. Das Bürogebäude und der Turm bleiben sicherlich erhalten, ob die Fabrikhallen bestehen bleiben und/oder umgenutzt werden können, ist fraglich. Sicher ist jedoch, dass da, wo jetzt noch düstere Ruinen die Phantasie beflügeln, bald langweilige Häuser und Wohnungen für die Performer der neuen Zeit stehen.

Die alten Fabrikanlagen halte ich für architektonisch-ästhetisch hochgradig interessant, da sie eine Zone zwischen der Neuen Sachlichkeit und den Feudalbauten  der alten Zeit eröffnen. Wenn dann der Verfall noch hinzukommt, eröffnen sie für den Betrachter wilde Räume, die die Phantasie beflügeln und dringliche Fragen nach der Vergänglichkeit unseres Tuns stellen. Die Industrie-Ruinen zeigen an, dass das, was gerade eben noch modern für uns war und was das Leben der damaligen Menschen nachhaltig bestimmt hat, nun schon wieder im  Zeitstrom versunken ist. Der Referenz-Raum der Bauten der industriellen Ära ist ein für allemal abgelaufen. Die Brache wird nun zur Zwielicht-Zone zwischen dem, was war und dem, was kommen kann. Da, wo die Zukunft noch nicht verplant ist, entstehen kreative Zonen, die in die Gegenwart zaubern können, was jenseits der Welt der Krämer liegen mag. Insofern bieten solche Plätze uns immer auch HOFFNUNG an.

 

 

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Sommerliche Impressionen aus Hannover

Friedrich Wilhelm Engelhard schuf ein Wotan-Denkmal, was sich – etwas versteckt – an der Rückseite des Niedersächsischen Landesmuseums befindet.

Als ich heute dort vorbeispazierte, musste ich leider feststellen, dass der  Göttervater  eingezäunt und – man könnte fast sagen – gefangen ist, was sich vielleicht – ganz pragmatisch – mit irgendwelchen notwendigen Restaurierungsarbeiten erklären lässt, was aber auch sinnbildlich stehen kann für eine Zeit, in der die eigenen Wurzeln beschnitten werden, zugunsten eines Neoliberalismus, der nur noch Beliebigkeit kennt.

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Weiter ging es zum  Sprengel-Museum. Dieses  versprach heute nicht nur freien Eintritt, sondern auch eine wohlklimatisierte Zone, in der sich eine Videoinstallation  – mit virtuellem Meer  und mit einem kraulenden Mann im Schwimmbecken davor – in der Ausstellung “Vom Faulenzen und Nichtstun” genießen ließ.

Die Ausstellung gliedert sich in vier Freizeitverwendungen, die da wären “Ruhe und Wiederherstellung der Kräfte (Schlafen, Liegen, Genesen), Unterhaltung, Zerstreuung und Vergnügen (geselliges Beisammensein, Urlaub machen), Selbstverwirklichung (etwas durch das künstlerische Tun) und Erbauung, womit dann der Müßiggang, das Schlendern und das Spazieren gemeint ist).

Ich meine ja, dass die letzen beiden Punkte zusammengehören. Ohne Müßiggang kann kein künstlerisches Tun mit Substanz entstehen. Wenn die Freizeit ge”taktet” ist, zwischen Fitness-Optimierung, Shopping und  Event-Besuch,  dann freut dies die Konsum-Industrie.  Wir wiegen uns in der Harmonie der vielfältigen Freizeitvergnügen und bewahren uns so davor, aufzuwachen und hinter  die Schatten der Wirklichkeit zu blicken, die nur eine bunte Illusion aus Warenwelt-Attrappen ist.  Kunst aber durchbricht die Camouflage. Sie  braucht die Freiheit, die sich nur in der Zwecklosigkeit findet.  Muße eben, die sich auch der Schwimmer in besagter Film-Sequenz nicht gönnt. Die Freiheit ist so nahe, aber er schwimmt nur stupide Bahnen: immer das Trainingsziel vor Augen.  Wir aber legen uns auf die Liegesäcke und betrachten die Szenerie, die sich in endloser Sequenz wiederholt. Absichtslos.

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Und dann entdecke ich noch – kurz vor dem Heimweg – in der zweiten aktuellen Sonderstellung des Museums, eine kleine Grafik von Bernhard Hoetger, der mir ja schon durch die Böttcherstraße in Bremen bekannt ist.  Ein DRACHENKAMPF ist darauf zu sehen.

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Friedhofs”kultur”

Beim Spaziergang über dem Engesohder Friedhof erfuhr ich heute, dass die vier kleinen Granitplatten vor dem imposanten Grabmal mit Mosaikengel sozusagen Leer-Urnenbestattungsmöglichkeiten darstellen, die für ca. 5000 Euro für 20 Jahre gemietet werden können. Der Gestorbene partizipiert dann quasi am individuell gestalteten historischen Grabmahl, jedoch wird ihm – für die befristete Zeit – nur ein normierter – gänzlich nicht-individueller – Stein zugestanden.

Der ökonomisch betriebene Friedhof wird so zum Abbild einer Gesellschaft, in der Aufmerksamkeit über Geld erworben werden kann. Wahrnehmung lässt sich – auch über den Tod hinaus – erkaufen, indem man sich eine Grabstelle in Nachbarschaft zu den (scheinbar) Großen, Mächtigen und Finanzstarken der Vergangenheit mietet. Das sind – auch nicht sonderlich erstaunlich – in der überwiegenden Anzahl Männer.

Der sogenannte Urnenhain wurde übrigens von den historischen “Überresten” befreit (fragen wir lieber nicht nach dem Wie) und weist jetzt viele Plätze für neue Urnen auf. Diese werden – auch nicht überraschend – zur Miete angeboten.

Anscheinend gilt das, was Carl Peters (oder seine Nachkommen) auf seinem Grabstein hat notieren lassen,  über das banale Leben hinaus: Man muss sich seine gesellschaftliche Wahrnehmung auch im Tode verdienen.

Insofern verabschiede ich mich für den heutigen Tag mit diesem düsteren Todesengel:

Kleiner Nachtrag: Eine Broschüre informiert über den Friedhof. Dort habe ich auch erfahren, dass der Erfinder der Böttcherstraße in Bremen, Ludwig Roselius, auf dem Engesohder Friedhof begraben ist. Da auch noch eine Plastik von Bernhard Hoetger sein Grab zieren soll und ich die Werke dieses expressionistischen Künstlers quasi visuell sammle,  muss ich demnächst – das ist klar – noch einmal den Friedhof besuchen.

Soviel ist jetzt schon  sicher: Diese Figur von Hoetger steht nicht in Hannover, stattdessen in Worpswede und trägt von dort ein kosmisches Lachen in die Welt.

 

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