In R√ľbezahls Reich. 1. Teil

Die Anreise nach Schlesien gestaltete sich zwar lang, aber ging relativ entspannt vonstatten. In G√∂rlitz war ich vom sch√∂nen Jugendstil-Bahnhof √ľberrascht, hatte aber leider keine Zeit, um mir die ¬†Stadt in Ruhe anzuschauen.

Ich kaufte mir dort ein Oder-Nei√üe-Ticket f√ľr 13‚ā¨ mit dem ich den polnischen Zug nach Hirschberg benutzen durfte. Wahrscheinlich w√§re es billiger geworden, in der Mini-Eisenbahn ein Ticket zu kaufen, jedoch war ich mir nicht sicher, ob mein polnisches Kleingeld gereicht h√§tte. Euros werden n√§mlich nicht angenommen.

Das letzte Teilst√ľck der Reise, insgesamt 1:34 Stunden, war dann etwas unbequem, waren die Sitze n√§mlich hart und der Zug rumpelte so derma√üen √ľber die Schiene, dass mein ganzer K√∂rper vibrierte.

In Hirschberg angekommen regnete es derma√üen heftig, sodass ich erst einmal im Bahnhofsgeb√§ude Platz nehmen musste. Einen Geldautomaten gab es dort nicht ( zumindest fand ich ihn nicht), sodass ich mir kein polnisches Geld ziehen konnte. Die Dame im Kiosk verstand weder Deutsch noch Englisch, sodass ich mir auch keine polnische Internet-Karte f√ľr mein Handy besorgen konnte. Auf diese Art und Weise war dann auch mir klar geworden, dass ich erst einmal nur Abwarten musste.

Irgendwann lie√ü der Regen ein klein wenig nach, sodass ich mich auf dem Weg zum Hotel machte. In einem Internetladen konnte ich mir eine Prepaid-Karte, die dort auch gleich registriert wurde, kaufen. Danach ging alles ganz einfach. Google Maps leitete mich zielf√ľhrende zum Hotel, das sehr verkehrsg√ľnstig direkt in der malerischen Altstadt von Hirschberg lag.

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Geomantische Entdeckungen in Bad Harzburg

Da, wo einst eine Thingstätte ein mysthisches Naturerlebnis vermitteln sollte, im Stadtpark von Bad Harzburg, erhebt sich jetzt ein Kletterpark und ein Baumwipfelpfad, dessen Konstruktionen so aussehen, als ob Aliens sie dort haben unachtsam fallen lassen. Nicht schön ist das und letztendlich auch  nichts weiter als eine Zerstörung der Landschaft zugunsten eines lauten Event-Tourismus.

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Oben auf dem Berg erwartet mich dann die Canossas√§ule und die Ruine der alten Burg. Dort steht: „Nach Canossa gehen wir nicht. Reichtagssitzung 14. Mai 1872“. „Kein schlechter Wahlspruch in unruhigen Zeiten“, denke ich mir.

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Die von Hans Bergmann 1932 geschaffene  Harzsagenhalle war  leider nicht geöffnet.

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Von dort machte ich mich auf zum Kreuz des Ostens und war auf dem Weg dorthin angenehm √ľberrascht von einem recht unscheinbar wirkenden Ort, der jedoch starke Energien aufwies: Der Sachsenbrunnen. ¬†Das Wasser, das da str√∂mt, kommt aus der Endleitung einer historischen Leitung, die einst die Wasserversorgung der Burg sicher stellen sollte, die jetzt aber¬†vollkommen modernisiert wurde. ¬†Der Ort aber an sich weist immer noch hohe Lebens-Energien auf.¬†Ich habe die Bovis-Einheiten dort ¬†gemessen und kam hier auf ca. 16500, was einen spirituellen Ort beschreibt.

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Weiter ging es zum Kreuz des Ostens, eines Felsgebildes, das von einem gigantischen Kreuz gedeckelt wird und dass in Richtung der verloren gegangenen deutschen Ostgebiete ausgerichtet ist. Im Halbkreis dazu finden sich Steine mit den Wappen der jeweiligen Landesteile.

Die Energien an diesem Ort ¬†kamen¬†mir sehr schwer vor. Sie erz√§hlen von Leid und Elend,¬†¬†das in der aktuellen Zeitstr√∂mung nicht integriert, sondern negiert wird. Der Halbkreis verlangt immer noch ¬†danach, geschlossen zu werden, was vielleicht u.a. auch¬†¬†so verstanden werden kann, dass, wenn ich denn die Nation als einen K√∂rper ansehe, dessen zwanghafte Amputation nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch Phantomschmerzen erzeugt, die geheilt werden m√ľssen. ¬†Wegsehen kann keine L√∂sung sein.

Das Kreuz selbst,¬†was recht unachtsam auf den Felsen angebracht ist, ¬†scheint mir ¬†ein Empf√§nger f√ľr astronomische Energien zu sein, was von den Erbauern sicherlich nicht beabsichtigt wurde, nichtsdestotrotz aber diese Funktion √ľbernommen hat. ¬†Wer wei√ü, vielleicht ist es eine Art von¬†¬†Akupunkturnadel, die ¬†die nicht integrierten Themen erl√∂sen will? Daf√ľr spricht auch, dass die ¬†Bovis-Einheiten 18000 betragen, was sehr hoch ist.

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Von hier aus wanderte ich zu den Rabenklippen. Zu der Ortsenergie erhielt ich  keinerlei Zugang: zu groß war der Andrang von Selfie-knipsenden Besuchern.

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√úber das Molkenhaus, dass mit BE 11000 ein angenehm verspielter Ort ist, ging es dann wieder zur√ľck nach Bad Harzburg.

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W√§hrend der gesamten Wanderung war immer wieder die Pr√§senz des Brockens f√ľr mich sp√ľrbar, der – da bin ich mir sicher – ein heiliger Berg ist, dessen Kraft die ganze Harz-Region zu einem einzigartigen Landschaftstempel¬†hat werden lassen.

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Von Langelsheim nach Goslar

Der gestrige Tag fing nicht gut an. Erst einmal ¬†verga√ü ich, ¬†dass das Niedersachsenticket erst nach 9 Uhr g√ľltig ist. Als mich dann eine Durchsage ¬†im noch stehenden Zug auf mein Missgeschick¬†aufmerksam machte, hatte ich die Wahl „zwischen den Zug verpassen“ oder aber – wie ich meinte – den Fehlbetrag gem√ľtlich beim netten Schaffner nachzul√∂sen. Ich entschied mich f√ľr letzteres, was¬†– wie sich sp√§ter herausstellen sollte –¬†¬†eine falsche Entscheidung war, die mich ¬†schlie√ülich 65,60 ‚ā¨ kostete. Ich musste auf diese Art und Weise lernen, dass ich einem Bild von einem Zugschaffner nachgehangen hatte,¬†¬†der schon l√§ngst in einer historischen Vergangenheit versunken war. Die sentimentale ¬†und anheimelnde Welt meiner Erinnerungen hatte ich irrt√ľmlicherweise noch in Restbest√§nden als existent angesehen und verga√ü dabei, dass im Jahre¬†¬†2015 ¬†der Gott der Funktionalit√§t ¬†alleinig herrscht¬†und somit auch¬†jeder Regelversto√ü erbarmungslos sanktioniert¬†wird.¬† Ich h√§tte es wissen m√ľssen.

Sichtlich geschockt von diesem Erlebnis, verpasste ich meinen Umsteigepunkt Kreiensen und bemerkte erst in Göttingen, dass ich viel zu weit gefahren war.

Mit √ľber einer Stunde Versp√§tung kam ich dann endlich in Langelsheim an, wo die Wanderung erst einmal damit begann, dass mich eine Wespe recht schmerzhaft in den Fu√ü stach.

Von da ab,  ging es aufwärts.

Mit dem Spruch „Steig aus und wandere!“ war schon die¬†Wanderkarte ermutigend √ľberschrieben.

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Zwischen Wolfshagen und Granestausee, so ungefähr nach 6.6 km der Wanderung, passierten meine Freundin und ich, nach einer heftigen Steigung,  einen unendlich kraftvollen und friedlichen Ort, der uns mit neuer Energie versah.

Weiter ging es zur Granetalsperre, die uns mit schönen Ausblicken belohnte.

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Eine M√∂wenfeder, die ¬†in meinem Rucksack noch von der letzten Wanderung √ľbrig geblieben war, wurde ¬†hier „ausgesetzt“ und verhedderte sich im Gras. Auf einer symbolischen Ebene wurden so die Orte Wilhelmshaven und Granetalsperre miteinander verbunden. Warum das so sein wollte, wei√ü ich jedoch nicht.

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Angenehm erschöpft erreichten wir  schließlich die tausendjährige Kaiserstadt Goslar.

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Wer die Wanderung auch erleben möchte, findet sie hier.

Lost Places: Von Halberstadt nach Langenstein.

Wir starteten unsere Wildfrauenhaus-Wanderung in Halberstadt-Spiegelsberge: Dieser vom Halberst√§tter Domherr Ernst Ludwig Christoph Spiegel¬†im 18. Jahrhundert¬†angelegte Park ist¬†¬†durchaus vergleichbar mit dem Hin√ľberschen Garten in Hannover-Marienwerder und den Parc Monceau in Paris, √ľber die ich im Blog ja schon berichtet hatte. Alle diese Landschaftsg√§rten ¬†haben gemein, dass sie starke freimaurerische Einfl√ľsse aufweisen.

Der uns aus dem Hin√ľberschen Garten bekannte „Hexenturm“ befindet sich hier in der N√§he des Jagdschlosses, was mich und meine Mitwanderinnen verwunderte, ist dieser Bereich traditionell doch eher mehr dem Lustwandel als der mysthischen Kontemplation vorbehalten. Mit Ausnahme des unteren Bereiches des Turmes empfanden wir die dort herrschende Energie jedenfalls als so leicht und beschwingt, dass wir uns animiert zu einer wirklich spa√üige Unterhaltung f√ľhlten. Schade nur, dass das im Jagdschloss lagernde wohl gr√∂√üte Weinfass der Welt, nicht gef√ľllt war, h√§tte dann n√§mlich hier unsere Wanderung, bevor sie im eigentlichen Sinne¬†begonnen h√§tte, schon lustvoll enden k√∂nnen.

Weniger hedonistisch inspiriert¬†f√ľhlten wir uns in der abseits gelegene Eremitage, der Einsiedelei, die wohl in fernen Zeiten f√ľr magische Initiationsarbeiten genutzt wurde. Auch hier machten wir interessante geomantische Erfahrungen, bevor wir dann zum nahe gelegenen Bismarckturm, der – wie viele andere vergleichbare Gedenkt√ľrme ¬† – auf Anregung der deutschen Studentenschaft zur Verehrung f√ľr den Gr√ľnder des zweiten deutschen Reiches ¬†errichtet wurde, aufbrachen.

Zeitlich war unser Besuch beim Bismackturm passend gewählt, schließlich jährt sich der Geburtstag des Reichskanzlers am  1. April zum zweihundertsten Mal.

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Zur√ľck ging es dann zur Eremitage.

„Wo bitte geht es zum KZ?“, fragte ich zwei Parkbankbesucher, die uns h√∂flich ¬†(und √ľberhaupt nicht irritiert) den Weg vom Landschaftspark zum ehemaligen Konzentrationslager Langenstein/Zwieberge erkl√§rten. Bevor wir dieses erreichten, gelangten wir noch zu diesem Denkmal:

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Die Beschriftung ist kaum entzifferbar, ein¬†nettes¬†Ehepaar kl√§rte uns aber dar√ľber auf, dass es sich hier¬†um die Meding-Schanze¬†¬†handelt.¬†Dort wurde w√§hrend des Ersten Weltkriegs 1916 ein von Hauptmann Werner von Meding und unter seiner Leitung bebautes ¬†System aus Sch√ľtzengr√§ben angelegt, das der Zivilbev√∂lkerung – gegen Eintritt – einen Einblick in das Kriegsgeschehen, insbesondere in dem damals neuartigen Stellungskampf,¬† geben sollte.¬†Ein Verein ist gerade dabei die¬†Sch√ľtzengr√§ben¬†zu rekonstruieren, weswegen man sich auch heute noch hinter dem eigentlichen Denkmal, dass 1919 ¬†– sozusagen nachtr√§glich – f√ľr ¬†die Gefallenen der Halberst√§dter Garnison errichtet wurde, ¬† hautnah in die Zeit des 1. Weltkriegs zur√ľckversetzen lassen kann. Detaillierter Infos finden sich hier.¬†

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Nachdem wir die Sch√ľtzengr√§ben begangen hatten, verlie√üen wir den Wald und passierten eine freie Acker- und Wiesenlandschaft. Dort √ľberholte uns mit seinem Fahrrad ein √§lterer Mann, der uns zurief: „Das Landhaus hat heute Ruhetag.“

Durchaus ernsthaft antwortete ich darauf, dass wir nicht beabsichtigten, irgendwo einkehren zu wollen, standen nichtsdestotrotz aber wenig sp√§ter vor den mehr als bauf√§lligen¬†Ruinen einer alten Ausflugsgastst√§tte, neumodisch ein verlorener Platz oder Lost Place genannt: Anscheinend war es das angek√ľndigte Gasthaus!

Nachdem ich mich in Lost Place-Fotografie ge√ľbt hatte, entdeckte eine meiner Freundinnen ¬†hinter der Ruine eine relativ neu angelegte Treppe, die uns, das war schon beim ersten Anblick klar, ¬†in ihren¬†schrecklichen Ausma√üen gleicherma√üen sportlich abschreckte, wie auch¬†herausforderte. ¬†Doch die Neugierde trieb uns an.

Hier der Blick auf die Treppe: von unten und oben!
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Am Ende der Treppe erwartete uns der Gläserne Mönch, gleichwohl ein Naturdenkmal als auch ein germanischer Kultort, worauf sein alter Name Thorstein hinweist. Die Felsenformation soll der Waffe des Donnergottes Рdem Mjölnir Рähneln. Schaut aber selbst:

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Nach einer kleinen Pause hatten wir die Idee, die Gedenkst√§tte des Konzentrationslagers auch „von oben“ erreichen zu k√∂nnen, was uns zu einer l√§ngeren Rundwanderung auf¬†dem Thekenberg bewegte, entlang an alten Stacheldrahtz√§unen, die ein Privatgel√§nde abz√§unten, wo einst wohl die H√§ftlinge in Gruben und Stollen sich zu Tode schuften mussten. Wir erreichten dabei nicht – wie angedacht – die Gedenkst√§tte, sondern nur wieder die Treppe, die wir hinabstiegen, um den regul√§ren Weg zur Gedenkst√§tte zu folgen.

Schon ziemlich ersch√∂pft erreichten wir das eigentliche¬† Konzentrationslagers und ich fragte mich zum wiederholten Male, welche Kr√§fte in Gemeinschaften entstehen k√∂nnen, die im stillen Gehorsam und Duckm√§usertum solche Entmenschlichungen zulassen? Inwieweit sind die T√§ter auch Opfer, die nicht wagten, in den Widerstand zu gehen, die einfach an ihr Wohl und das ihrer Familie gedacht haben, die deshalb den unbewussten Kr√§ften ihr d√§monisches Werk √ľberlie√üen, ohne sich dem Unrecht entgegenzustellen und inwieweit das alles auch heute noch passieren k√∂nnte und passiert?

Ein solcher Ort zwischen Leben und Tod kann das Tor zwischen beiden Zuständen in beide Richtungen öffnen.

Das ist die sogenannte Todeskiefer, an der unzählige Menschen gewaltsam den Tod fanden. Kann es einem schrecklicheren Ort geben?

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Wohl noch sozialistisch inszenierte Massengräber:

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Von  der Gedenkstätte ging es zum Ort Langenstein. Bevor wir den dortigen Bahnhof  erreichten, zeigte uns eine nette Frau eine Langensteiner Besonderheit: Höhlenwohnungen, in denen um 19oo Landarbeiter lebten.

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Vom Bahnhof Langenstein traten wir unsere R√ľckreise an.

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Diese war aufgrund von Zugausf√§llen eine Odyssee und zwang¬†uns zu einem langen und beschwerlichen Umweg √ľber Braunschweig. Er¬†¬†f√ľhrte aber noch zu einer weiteren obskur-angenehm-unterhaltsamen Begegnung mit einem ¬†netten Zugschaffner, der uns mit den aufmunternden Worten begr√ľ√üte: „Ihr seht aber fertig aus!“

Und so freuen wir uns nun auf die nächste Wildfrauenhaus-Wanderung.

Mythologische Wesen im Harz

Umso näher man dem Harz kommt, umso höher die Dichte der mythologischer Wesen.



Ob ihr den Baumgeist sehen k√∂nnt, vermag ich nicht zu sagen. Der Schatzgr√§ber-Zwerg und die Hexen im Schaufenster ben√∂tigen jedoch keinen „magischen Blick“ und sind auch ohne okkulte Vorbildung leicht zu erkennen.

Der Klusfelsen in Goslar

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Der Klusfelsen in Goslar scheint mir ein Miniaturabbild der Externsteine bei Detmold zu sein.

Mein Fotoalbum ist hier zu sehen.

Allerdings¬†liegt er reichlich versteckt und selbst das Hinweisschild, das in seine Richtung verweist, l√§sst einem im Umklaren dar√ľber, wo man denn abbiegen muss, um zwischen Einfamilienh√§usern und Altersheim endlich den Klusfelsen zu¬†erreichen.

Insofern folgt hier eine kurze Wegbeschreibung, f√ľr all diejenigen, die diese vorchristliche Kultst√§tte besuchen m√∂chten:

Wenn man per Fu√ü unterwegs ist, erreicht man √ľber die Mauerstra√üe die Okerstra√üe, in die man links abbiegt. Kurz vor der Bahnstrecke biegt ein unscheinbarer Fu√üweg zwischen Graffiti verschmierten Gewerbehallen nach rechts ab. ¬†An einer Weggabelung muss man erneut rechts abbiegen und erreicht¬†dann¬†die Kluskapelle.

Unterhalb des Klusfelsens kommt man heraus, wenn man die  Okerstraße schon an der Ampelanlage verlässt und den Reiseckenweg folgt. Die erste Abzweigung nach links Рder Martin-Luther-Weg Рbringt einem dann zum Felsen, der auf der Wiese hinter einem Altersheim steht.

Wir haben nun die erste H√ľrde genommen: Wir sind angekommen und k√∂nnen jetzt den Felsen entdecken.

√Ąhnlich wie die Externsteine gibt es eine Treppe, die zum Felsen hinauff√ľhrt und die vielleicht¬†rituell begangen worden ist. Der Weg von unten nach oben f√ľhrt an einem Opfer-Altar vorbei. Direkt vor dem Eingang des Klusfelsen, der durch eine Kapelle christlich √ľberschrieben worden ist, befindet sich – mitten auf dem Weg – ein Grab, was zugemauert ist. Vielleicht musste sich der Initiant dort hineinlegen, um einen symbolischen Tod zu erfahren, bevor er in das Innere des Felsen gef√ľhrt wurde, dessen R√§umlichkeiten, bis auf die Kapelle, heute vermauert sind?

Der Felsen selbst wurde vielleicht – genauso wie die Externsteine – als Sonnenobservatorium genutzt. Eine Rufrinne weist ihn – √ľber die bereits aufgez√§hlten Merkmale hinaus – als bedeutende vorchristliche Kultst√§tte aus.

Doch all dies bleibt h√∂chst spekulativ, schlie√ülich gibt es aus dieser Zeit keine schriftlichen Zeugnisse. Auch wurde der Sandsteinfelsen w√§hrend seiner wechselvollen Geschichte mehrfach umgebaut und umgestaltet, was bei einer intuitiven Ann√§herung an den Felsen ber√ľcksichtigt werden muss.

Bei meinen vielen Exkursionen zu „Kraftorten“ habe ich ¬†wiederholt die N√§he zwischen „weiblich“ konnotierten Orten zu „m√§nnlichen“ festgestellt. Diese Beobachtung l√§sst sich auch am Klusfelsen st√ľtzen:

Die Kapelle n√§mlich, die in den Klusfelsen gehauen wurde, ist Maria gewidmet, was eventuell auch auf einem in der Vorzeit weiblichen Gottheiten – wie beispielsweise Freya/Frigg – gewidmeten Ort hinweisen k√∂nnte. √úberhaupt √§hnelt eine Felsenaush√∂hlung immer¬†auch einer nat√ľrlichen H√∂hle, also einen m√ľtterlichen Scho√ü, der empf√§ngt, um neu zu geb√§ren. Und ¬†– auch ohne jetzt C. G. Jung bem√ľhen zu m√ľssen – ist es sicherlich den LeserInnen einsichtig, dass es sich bei dieser Symbolik durchaus, um einen Initiationsweg handeln k√∂nnte, der vom m√ľtterlichen Geborenwerden zum siegreichen Triumph der Sonne gegen die Finsternis des Winters f√ľhren k√∂nnte. Auch „umgekehrt“ kann das Wegrituell beschritten werden. Wenn der Initiant vom Innern des Tempel-Felsens den Vorhof betritt, kann er damit auf einer magischen Ebene den Zeitaspekt nach der Sommersonnenwende nachvollziehen. Nachdem die Sonne im Jahreslauf ihren h√∂chsten Stand erreicht hat, l√§sst die lichtvolle Zeit nach, genauso wie sich auch der Mensch mehr und mehr in die Geborgenheit seines Heimes zur√ľckzieht. Er tut es der Natur gleich, die sich im Herbst und Winter in die Erde zur√ľckzieht, um dann im Fr√ľhjahr ihre in der Dunkelheit gewonnene Kraft freudvoll explodieren zu lassen.

Den „m√§nnlichen“ Gegenpart zum weiblich interpretierten Felsen finden wir oberhalb des Klusfelsen, wo sich die Ruine der¬†Klosterkirche St. Peter befindet.¬†Der Name Peter verweist eventuell auf den h√∂chsten Gott der Germanen: Wotan.

Hier soll eine Kreuzigung stattgefunden haben.

Dies schreibt schon der Kultplatzforscher Siegfried Hermerding, der im Klusfelsen Überreste des legendären Atlantis nachwies und die im Sandstein zu sehenden Figuren und Zeichen aufwändig fotografiert und im Sinne seiner gewagten Theorie gedeutet hat.

Er wiederum ist sicherlich nicht nur von theosophischen Gedankengut beeinflusst, sondern bezieht sich zum Teil auch auf Karl Maria von Wiligut.

Wiligut verlegt zumindest Ankl√§nge der christliche Heilsgeschichte in den Harz. Nach Wiligut gab es im 10. Jahrhundert v. Chr. kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Wotanisten und Irministen, die den lichtbringenden Gott Irmin verehrt haben sollen. Der Anf√ľhrer der Irministen, genannt Baldur-Krestus, der wie Jesus in einer unbefleckten Empf√§ngnis geboren sein soll, wurde – laut Williguts Theorie – auf dem Petersberg von den Wotanisten gekreuzigt, √ľberlebte aber diese Tortur und floh in die W√ľste Gobi, wo er eine Glaubensschule gr√ľndete.

Wer weiß, vielleicht haben all die Spekulationen zumindest einen wahren Kern. Balder ist uns  heute noch bekannt als germanischer Lichtgott, der von Wotan geopfert wurde, um dann in die Unterwelt abzusteigen. Irmin soll ein Beinahme des Gottes Tyr/Tiwaz/Tius/Saxnot gewesen sein und vom Irminglauben zeugt die Irminsul als größtes Heiligtum der Sachsen.

Bildet euch am besten selbst eine Meinung dar√ľber und besucht den Klusfelsen.

Hier noch eine Nachbildung der Irminsul im fast gleich lautenden Ort Irmenseul im Landkreis Hildesheim.

Der H√ľbichenstein und ein paar Gedanken zu den Zwergen!

H√ľbichenstein

Unsere Pfingstwanderung f√ľhrte uns in den Harz. Wir startete am Parkplatz Grunder Fall (an der B242, gleich nach der Iberger Tropfsteinh√∂hle)¬†und wanderten¬†¬†√ľber den „Schweinebraten“ zum H√ľbichstein und von dort wieder √ľber den Albertturm zur√ľck zum „Schweinebraten“. Dort nahmen wir die Route √ľber den „Brandflecker Weg“ und erreichten so den „Taternplatz“, der gleich an dem Parkplatz grenzt, von dem wir¬†vor Stunden unsere Tour begonnen hatten.

Im Nachhinein empfehle ich die Wanderung jedoch  in umgekehrter Reihenfolge vorzunehmen, denn so gestaltet sich am Anfang der Aufstieg nicht ganz so beschwerlich, wie wir ihn erleben durften.

Ziemlich ersch√∂pft erreichten wir n√§mlich den H√ľbichenstein, dessen Spitze ein Adler ziert, der wiederum von einem ¬†mittlerweile zerst√∂rten Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelm I. √ľbrig geblieben ist..

Der Name der ¬†eindrucksvollen Felsnadel bezieht sich auf dem Zwergenk√∂nig H√ľbich.

Wie bekannt sein d√ľrfte, bewohnen Zwerge √ľblicherweise¬†¬†ja Svartalfheimr/Schwarzalfenheim. ¬† Ob es sich indes bei den Zwergen und Alben um unterschiedliche Wesen handelt, vermag ich nicht zu sagen. Hier, bei Bad Grund, erhebt sich aber – quasi als D√©pendance – ein Ausl√§ufer des unterirdischen Zwergenreiches in die Menschenwelt hinein.

Nach Edr. Thorsson (Stephan Flowers) ¬†sind Zwerge ja „Gestalter von Gestalten, die in Midhgardhr¬†entstehen, besonders jener Gestalten, die den Willen eines gro√üen Kriegers oder Magiers ausf√ľhren k√∂nnen.“ (Runenkunde, Neuhausen 1992, S. 179)

An dieser Stelle macht dann eine Unterscheidung von Alben und Zwergen Sinn, die ich – ungeachtet dessen, dass es historisch eher „kompliziert“ ist, hier einmal ¬†mit Bezug auf H√°vam√°l 143 und 160 vornehme. Und so sehe ich Alben eher als diejenigen ¬†Wesen an, die den ¬†heldenhaften Menschen, die ¬†ihren¬†Willen in die Welt tragen wollen und dadurch selbst ¬†gottgleichen¬†Status erringen m√∂chten, ¬†¬†mit magischen Werkzeugen unterst√ľtzen k√∂nnen. Bei den ¬† ¬†Zwergen ¬†dagegen geht es nicht so heroisch zu. So soll der¬†¬†Zwergenk√∂nig H√ľbich vielmehr den Armen und Bed√ľrftigen mit ¬†vergoldeten Tannenzapfen geholfen haben und erinnert mich so an den launischen Berggeist R√ľbezahl, der ja auch durch diverse Geschenke an Wanderer von sich Reden gemacht hat. Von H√ľbich wird jedoch auch erz√§hlt, dass er es den Menschen – unter Strafe – ¬†verbot, sein Reich zu betreten.

Nachdem im Drei√üigj√§hrigen Krieg die Spitze des H√ľbichensteins, der als eine Art von Truppen√ľbungsplatz diente, zerschossen wurde, zog sich Zwerg H√ľbich nach Svartalfheimr zur√ľck¬†und machte Platz f√ľr das Wilhelm I. Denkmal, das Enkelsohn Wilhelm II. errichten lie√ü, um¬†so wohlm√∂glich von den magischen Kr√§ften der Alben zu profitieren. Doch deren Gunst errang er offensichtlich nicht. Der 1. Weltkrieg ging verloren und auch das Denkmal wurde mutwillig zerst√∂rt.

Ich sehe da zumindest  Zusammenhänge!

 

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Der Zahn der Zeiten!

Blankenburg - Schloss
Blankenburg – Schloss

Endlich habe ich einmal etwas Ruhe, sodass ich √ľber das vergangene Wochenende res√ľmieren kann. Irgendwie stand es ja im Zeichen des Nicht-Perfekten, des Vorl√§ufigen und des Flie√üenden.

– Erst stattete unsere allmonatliche Wildfrauenhaus-Wandergruppe Blankenburg im Harzvorland einen Besuch ab.

Dies scheint ein ungeheuer kraftvoller Ort zu sein, dessen Schloss – gerade durch seine nicht zu √ľbersehenen Verfallserscheinungen – den unvergesslichen Charme des Niedergangs ausstrahlt. Ein gro√ües Plakat verhei√üt aber eine beabsichtigte Renovierung, die eindeutig notwendig ist, andererseits aber auch eine durchaus ambivalent zu betrachtende „Sch√∂n-Verbesserung“ zur Folge haben k√∂nnte.

Schlie√ülich folgen zeitgen√∂ssische Renovierungsversuche eigentlich immer den „sch√∂n-kitschigen“ Perfektionsbestrebungen der Neuzeit, deren Ergebnisse ansonsten √ľberall im Lande zu bestaunen sind, die aber „irgendwie“ auch seltsam falsch und „√ľbert√ľncht“ wirken. Insofern erfreute ich mich am unrenovierten Zustand des Blankenburger Schlosses und fragte mich, warum alte Gem√§uer eigentlich nie so instandgesetzt werden, dass sie das Denkmal zwar „erhalten“, jedoch aber trotzdem den „Zahn der Zeit“, der ja offensichtlich sein Werk getan hat, wertsch√§tzen k√∂nnen?

РDann war letzten Sonntag Muttertag (und sicherlich haben die meisten Leserinnen dies in unserer schnelllebigen Zeit schon wieder vergessen!). Wir Рwas also die gesamte vitale Rest-Kernfamilie meint Рbesuchten, quasi als Muttertags-Ausflug, der dem unbeständigen Wetter trug, die Kestnergesellschaft, die sich langsam zum Event-Ausrichter entwickelt.

Dies ist allerdings ein anderes, durchaus auch ergiebiges Thema. Jedoch weist meine hier ge√§u√üerte Einsch√§tzung durchaus Zusammenh√§nge zur aktuell dort gezeigten Ausstellung auf, die von irgendwelchen Gremien ausgew√§hlte britische K√ľnstlerinnen (m√§nnliche K√ľnstler sind selbstverst√§ndlich mitgedacht!) zeigt, die wiederum repr√§sentativ f√ľr die dortige Kunstszene sein sollen.

Ein solches auf ein Land bezogene Thema reiht sich dann ein, in den derzeitig hochpromoteten hannoverschen Hype, anlässlich des 300jährigigen Jubiläums der Personalunion Hannovers mit Großbritanniens. (Man könnte meinen, dass wir in Hannover immer noch ein Monarchie hätten!).

„Kunst als Event!“, soll hier aber nicht Thema sein, stattdessen das Unperfekte.

Besagte GB-K√ľnstlerinnen lie√üen sich davon inspirieren, dass die Kestner-Gesellschaft ihre R√§ume in einer ehemaligen Badeanstalt bezogen hat. (Auch hier sei mir eine Randbemerkung erlaubt: Die „Zerst√∂rung“ eines Jugendstil-Bades, auch wenn dieses geschickt zur Ausstellungsplattform umfunktioniert wurde, zeugt von der historisch-√§sthetischen Ignoranz der mir unbekannten Entscheidungstr√§ger. Frauen sind hier nicht mitgedacht!)

Wasser, das Flie√üende, die Metamorphose, die durch das reinigende Element Wasser vollzogen wird, die Transformation von einem Zustand in den anderen und eben auch die Zerst√∂rung des anscheinend „Perfekten“, all dies sind Themen, die die K√ľnstlerinnen bearbeitet haben.

Besonders beeindruckt haben mich die dilettantisch anmutenden Tonarbeiten, die auf provisorischen Holztischen platziert sind.

Und hier – an dieser Stelle – schlie√üt sich dann f√ľr mich der Kreis zum Blankenburger Schloss mit der Aufforderung auch dort dem Unperfekten Raum zu geben und der marktkonformen, glatten √Ąsthetik eine Absage zu erteilen.

Das wäre dann wahre (sic!) KUNST!

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T√ľr√∂ffner

Neujahrswanderung

Harzer Schmalspurbahn

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Eigentlich beabsichtigten meine Freundin und ich nur einen kleinen Harz-Rundweg. Was kann es ¬†aber besseres geben als das neue Jahr mit der Besteigung eines Berges zu beginnen, besonders dann, wenn dieser so Mythologie-√ľberladen ist wie der Brocken?

Der Weg hinauf kann dann leicht als eine symbolische Vorab-Inszenierung angesehen werden: Der Berg steht f√ľr das Ziel, das wir im Verlauf des Jahres erreichen wollen. ¬† Beim Hinaufgehen √ľbergehen wir dann leichten oder schweren Fu√ües alle Widrigkeiten, was uns ¬†– quasi magisch-vorwegnehmend ¬†– daf√ľr st√§rkt, Herausforderungen im knallharten Lebenskampf mit √§hnlicher Bravour ¬†zu meistern. Man ist gewappnet f√ľr all die √Ąrgernissen, die auf einen warten, immer sein Ziel vor Augen, selbst wenn dieses sich als zugig erweisen sollte. ¬†Sogar Glatteis und der damit verbundene Fall auf die festgefrorene hausd√ľnne Schneedecke macht einer ¬†wahren Heldin im Lebensabenteuer nichts aus. ¬†Alsbald richtet sie sich wagemutig wieder auf und wandert – ganz Camphells Heldenreise folgend – weiter durch den Nebel, der best√§ndig st√§rker wurde und der uns – ganz profan gesehen ¬†– eine Aussicht auf die tief unter uns liegende ¬†Landschaft oder – wieder ganz symbolisch gesehen – auf die ¬†√ľberwundene Profanit√§t ¬†erm√∂glichte. Weiter ging es: hurtig und geschwind, bis wir dann, es war wohl gegen 14.30 Uhr in der entmystifiziertenWelt, ¬†– auf dem Hochplateau des Brocken ankamen. Ein ¬†eisiger Wind fegte uns fast fort. Der Berggeist war uns nicht wohlgesonnen oder wollte uns – meine Annahme – ¬†zumindest pr√ľfen. ¬†Wahrlich das ¬†war kein Ort zum Verweilen.

Vielleicht war das Ziel ¬†– wieder ganz symbolisch gesehen – dann doch nicht so gut gew√§hlt? Aber wie hei√üt es so sch√∂n in den Kalenderspr√ľchen, die ich ¬†– schon wegen ihrer ¬†dumpfen Plattheit – so ¬†√ľberhaupt nicht mag: Der Weg ist das Ziel. Und so ging es wieder hinab vom Berg, wo mir – kurz vor Einbruch der Dunkelheit – die Destination „Torfhaus“ erreichten. Ein Bier zum Schluss verk√ľrzte die Wartezeit auf den Bus – in einer Lokalit√§t, die wohl an Amerika erinnern sollte, stattdessen aber nur den krampfhaften Versuch der Gastronomie-Wirtschaft illustrierte, auf eine hippe Lifestyle-Mode aufzuspringen, die irgendwie nur plebejisch-d√ľmmlich wirkte. Nun ja … ¬†wem es gef√§llt!

Einvernehmlich benannten wir die Wanderung zum leichten genussvollen Spaziergang um, ¬†bei dem es ganz und gar unerheblich ist, ob √ľberhaupt ein Ziel vorhanden ist. Ich ¬†zumindest habe auch ¬†im wirklichen Leben keine krampfhafte To-do-Liste f√ľr das beginnende Jahr aufgestellt, stattdessen pflege ich ¬† – mein Vorsatz – eine gewisse genie√üerische Gelassenheit, was mich allerdings nicht davon abhalten wird, im n√§chsten Jahr erneut den Brocken zu besteigen. ¬†Und dies selbstverst√§ndlich am Neujahrstag!

Quedlinburg: Advent in den Höfen

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Allgemeinhin gestaltet sich die Zeit vor Weihnachten bei mir nicht besonders besinnlich. Zu dicht sind die beruflichen und privaten Verpflichtungen, um sich bei Kerzenschein und Spekulatius-Keksen entspannt in die Dunkelheit fallen zu lassen.

Eine willkommene Unterbrechung der Vorweihnachts-Hektik stellte die¬†¬†„Wildfrauenhaus“-Wanderung dar, die letzten Sonntag stattfinden sollte und die wir – mangels sportlichen Ehrgeizes – zu einer St√§dtetour umfunktioniert hatten. Und so machten wir uns am Sonntag auf zu einer kleine Reise ¬†in den Ostharz: Werningerode oder ¬†Quedlinburg standen zur Auswahl.

Letztendlich entschieden wir uns f√ľr Quedlinburg. Die Aufnahme der Stadt in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes verhie√ü schlie√ülich ¬†kulturell-historische Entdeckungen.

Schon im Zug von Halberstadt nach Quedlinburg ahnten wir, dass es so entspannt-historisch erforschend nicht werden w√ľrde, wie von mir geplant. Der kleine HEXen-Express war rappelvoll mit Ausfl√ľglern, die allesamt das gleiche Ziel vor Augen hatten, ¬†n√§mlich Quedlinburg.
Die ganze Stadt, laut Wikipedia eines der gr√∂√üten Fl√§chendenkm√§ler Deutschlands, war zum Weihnachtswunderland umfunktioniert worden. ¬†Das Projekt nennt sich „Advent in den H√∂fen“, was bedeutet das einige H√∂fe der ¬†sage und schreibe 1327 Fachwerkh√§user f√ľr die Besucher ge√∂ffnet und mit allerlei Kr√§mer- und Kunsthandwerker best√ľckt sind, aber auch – was ich wirklich sehr l√∂blich ¬†finde – von Vereinen, Schulen und Nachbarschaftszusammenschl√ľssen bespielt werden.

Sympathie f√ľr das Ehrenamt hin oder her: Ich h√§tte¬†gerne an den Einnahmen der kapitalistisch organisierten ¬†Gl√ľhweinst√§nde partizipiert, die flei√üig von den vielen Besuchern frequentiert wurden.

Bevor wir aber selbst uns mit Hilfe alkoholischer Getr√§nke in einem beschwingten Zustand versetzen wollten, ¬†stand Kultur auf ¬†dem Programm. Immerhin wollten wir die Stiftskirche, der mein Kunst-Reisef√ľhrer ja immerhin f√ľnf Seiten widmete, nicht ungesehen lassen. Doch die einheimische Bev√∂lkerung, die wir fragten, wusste mit der Bezeichnung ¬†„Stiftskirche“ nicht wirklich etwas anzufangen. ¬†Das Zauberwort „Schlossberg“ ¬†h√§tte uns wohl schneller zum Ziel gef√ľhrt, so aber m√§anderten wir noch eine l√§ngere Zeit durch das Weihnachtswunderland und fanden uns schlie√ülich vor dem ¬†Schlosshotel (oder Quedlinburger Stadtschloss) wieder, wo uns dieser Herr der Renaissance streng entgegenblickte:

 

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Neben dem Stadtschloss sahen wir die Ruine eines Benediktinerinnenkoster, was einst von der √Ąbtissin Matthilde, Gemahlin von Heinrich I und Vater von Otto d. Gro√üen, 986 gegr√ľndet wurde, lie√üen dieses aber ohne n√§here Begutachtung „rechts“ liegen und gingen zur√ľck zum Marktplatz, von dem wir dann – oh Wunder! ¬†– wirklich den Schlossberg erreichten.

 

Quedlinburg

 


Um die ¬†Stiftskirche St. Servati ¬†zu betreten, mussten wir sage und schreibe 4 ‚ā¨ Eintritt bezahlen (und dies ohne Krypta, daf√ľr aber mit Domschatz, der 1945 von Amerikanern geraubt wurde und 1992 „zum Teil“ zur√ľckkehrte). ¬†Eintritt, um eine Kirche zu besichtigen, war f√ľr mich ein gewisses Novum und ich fragte mich, wie schlecht es der Kirche in Deutschland gehen m√ľsste, um ¬†die neutestamentliche „Tempelreinigungs“-Geschichte auf diese gierige Art und Weise zu paraphrasieren? ¬†

Wikipedia belehrte mich aber, dass die Stiftskirche ¬†eben nur noch von den Religionsgemeinschaften „genutzt“ wird, ¬†was wahrscheinlich bedeutet, dass es „Staatseigentum“ ist und dies nicht nur seit den Zeiten der DDR: Schon 1938 wurde die Kirche von der SS besetzt und ¬†von Heinrich Himmler zur „Weihest√§tte“ umfunktioniert. ¬†Die Geschichte vom „ersten deutschen K√∂nig“, der in Quedlinburg der Sage nach die Nachricht von seiner K√∂nigswahl erhalten haben soll, ¬†wurde √ľberh√∂ht und f√ľr nationalsozialistische Zwecke fruchtbar gemacht.

 

Bundesarchiv Bild 183-H08447, Quedlinburg, Heinrichs-Feier, Heinrich Himmler



Wie wir alle  wissen: Geschichte wird gemacht, wobei heutzutage  eher touristisch-marktwirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen als nationale.

 

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cuba libre


Fazit: „Advent in den H√∂fen“ ¬†ist sicherlich ein tolles Event f√ľr alle Weihnachtsmarkt-Liebhaber; ¬†wer aber die Stadt in Ruhe genie√üen m√∂chte, der sollte anderen Tagen den Vorzug geben.