Chancengleichheit?

Wenn ich so einen kleinen Blick zurĂŒck im Zorn wage, auf die vergangenen Jahre, muss ich  leider feststellen, dass ich keine berĂŒhmte KĂŒnstlerin, Schriftstellerin und Philosophin geworden bin, der die Menschen huldvoll zur FĂŒĂŸen liegen oder die zumindest nach ihrer Sicht der Dinge gefragt wird.

Noch nicht einmal ein  klein wenig Ruhm war mir vergönnt und ich gehe eigentlich davon aus – pessimistisch wie ich nun einmal bin -, dass dies auch so bleiben wird.

Jetzt neige ich ja weniger dazu, Fehler bei mir selbst zu suchen, vielmehr sehe ich – ganz zeituntypisch – das Problem im Großen gesellschaftlichen GefĂŒge verankert.

Dort werde ich dann auch schnell  fĂŒndig und stelle fest, dass,  wenn man nicht aus einer begĂŒterten Familie stammt, die mit Geldmanipulationen so manche VerĂ€nderung im objektiven Universum zugunsten des eigenen Nachwuchses vornehmen kann und wenn man auch nicht – wie vielleicht 1% der Menschen – einfach das unverschĂ€mte GlĂŒck hat, „zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort“ zu sein,  dann ist man nach wie vor  darauf angewiesen, eine unbarmherzige TretmĂŒhle zu durchlaufen und dabei einen langen Atem zu demonstrieren. In der Praxis heißt dies:   unbezahlte Praktikas zu machen, sich auf schlecht honorierte Stipendien zu bewerben,  Arbeiten nur fĂŒr die persönliche Reputation „umsonst“ einzureichen, hier einmal einen Zeitvertrag zu ĂŒbernehmen und sich dort „lieb Kind“ zu machen, dabei immer „lachend“ und „positiv denkend“ zu sein … etc.

Genau an dieser Stelle muss ich dann ganz realistisch feststellen, dass mir bestimmte Opfer, die Erfolg immer verlangt (noch nie zuvor war mir bisher dieses kleine mĂ€nnliche Pronomen in ERfolg aufgefallen – bis heute!), als Frau und Mutter, die sich eben immer verantwortlich fĂŒr ihre Kinder gezeigt hat,  nur fĂŒr den Preis der Verantwortungslosigkeit möglich gewesen wĂ€ren. Und so wurde dann der Kompromiss-Beruf angenommen (immerhin ethisch korrekt, was nicht jede/r behaupten kann!), der die Familie regelmĂ€ĂŸig mit Einkommen versorgt.

Viel Zeit fĂŒr die eigentliche Passion blieb – gerade als die Kinder klein waren – nicht. Langsam werden sie erwachsen und die Last (und Freude) der Verantwortung wird weniger. Es entstehen neue FreirĂ€ume, die  mit kreativem und kĂŒnstlerischem Tun gefĂŒllt werden.

FĂŒr „voll genommen“ indes werde ich dabei nicht. Es ist ja nicht „professionell“ und  diejenigen, die darĂŒber zu befinden haben, sind MĂ€nner, denen jegliches VerstĂ€ndnis fĂŒr weibliche Lebenswege fehlt  und die – mit Vorliebe – ihresgleichen protegieren. Fatalerweise hört der Rest der Menschheit auf die Botschaften solcher  Leithammel,  nimmt sie fĂŒr „bare MĂŒnze“ und lĂ€dt so deren Fetische mit ihrer Lebensenergie auf.

Als Frau hingegen versinkt man im mittleren Lebensalter in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit. Nicht wahr genommen, von wem auch immer! Die eigene „Lebensleistung“ zĂ€hlt nichts im großen Wettrennen der Aufmerksamkeiten.

Einige meiner Leser/innen, besonders die jungen,  werden nun den Kopf schĂŒtteln und meinen, dass das nicht stimmt und dass Frauen heute alle Möglichkeiten der Welt hĂ€tten.

Ein schöner Glaube ist das.

Lasst euch gesagt sein: So wie mir geht es vielen Frauen. Doch die meisten schweigen, denn schließlich gilt  „Zorn“ nicht als schick.

Die Unsichtbarkeit der Frauen findet sich auch in den  GeschichtsbĂŒcher, die voller wichtiger MĂ€nner sind . Die Frauen, die ihnen ihr Leben erst ermöglicht haben,  sind der Vergessenheit anheim gefallen sind.

Muss das nicht verwandelt werden?

Jedoch nicht so, dass sich die Frauen zwischen ihrer althergebrachten Rolle und der zusĂ€tzlich zu erfĂŒllenden beruflichen Rolle aufreiben, und dies in einer medialen Umwelt, die sie als Sexualobjekte oder „nicht existent“ diskreditiert. und auch nicht in einer Gesellschaft, die Geschlechterrollen zur Beliebigkeit erklĂ€rt und die Mutterschaft staatlichen Stellen ĂŒberantwortet. Stattdessen wĂŒnsche ich mir eine Infragestellung des mĂ€nnlich-besetzten Referenzrahmens, der uns als GOTTgegeben verkauft wird.

Meine Vision ist die Schaffung einer wertschĂ€tzenden, mĂŒtterlichen Welt, die Raum bietet zur Entfaltung des einzelnen Individuums, ohne die testesterongeladenen Konkurrenzspiele und ohne die stĂ€ndige Suggestion von Mangel und Begrenztheit, und stattdessen FĂŒlle lebt.

Und wer weiß? Vielleicht kommt dies dann auch den MĂ€nnern zugute, denn schließlich sind sie alle Söhne einer liebenden Mutter.

Und so erteile ich nun einem Sohn das letzte Wort. Bei Goethe schließlich findet sich meist das passende Zitat:

Faust
Die MĂŒtter! MĂŒtter! – ’s klingt so wunderlich!

Mephistopheles
Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt
Euch Sterblichen, von uns nicht gern genannt.
Nach ihrer Wohnung magst ins Tiefste schĂŒrfen;
Du selbst bist schuld, daß ihrer wir bedĂŒrfen.
(http://gutenberg.spiegel.de/buch/3645/14)

Mein Garten der Zwergen-Kunst

 

 

Teil 1, Teil 2, Teil 3

Ein kĂŒnstlerischer Reibungsversuch. Teil 4

Der Schamanismus öffnet unser alltĂ€gliches Erleben in metaphysische Bereiche. Auf einer rationalen Ebene bin ich dabei ihn nicht nur zu studieren, sondern auch umzuinterpretieren und so fĂŒr mich funktionsfĂ€hig zu machen. Auf einer praktischen Ebene gehe ich in den ekstatischen Trancezustand, der mich mit meiner individuellen Mythologie konfrontiert und mich dort hineinzieht: erst bodenlos, was ich genieße, danach als Dirigentin der eigenen Welten. Ich bin die Schöpferin und gebe dabei niemals das Steuerruder aus der Hand, egal welche Ungeheuer mir auch begegnen mögen.

Hanno Rautenberg weist darauf hin, dass ich als KĂŒnstlerin dabei mein Publikum vergessen kann, was nur dann stimmig ist, wenn meine Kunst aus dem Prozess der ökonomischen Verwertbarkeit hinausgetreten ist. Doch weiter schreibt er: „NatĂŒrlich muss kein KĂŒnstler sich auf so ein Spiel des Zeichengebens und GeschichtenerzĂ€hlens einlassen, er kann auch ganz versinken im Kosmos der eigenen Symbole und selbstgebrauten Mythen und sein Publikum vergessen. Allerdings ist es dann meistens nicht Kunst, was er betreibt, sondern Therapie. Er will sich selbst auf die Spur kommen, fĂŒr andere bleiben die Spuren unleserlich.“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?!)

Beim Lesen dieses Zitates, empfinde ich meine individuellen Mythologien abgewertet; ich webe doch Magie. Und ich möchte unabhĂ€ngig sein von den Determinationen eines kapitalistischen Marktes, der Klischees besser verkauft als Entgrenzungen. Warum soll Kunst bloße Therapie sein, wenn keine Bezogenheit auf ein Publikum besteht? Und besteht Bezogenheit nicht immer, weswegen ich mein kĂŒnstlerisches Schaffen ja auch Coaching nenne?

Wo sich der Gartenzwerg versteckt!

Ein kĂŒnstlerischer Reibungsversuch. Teil 3

 

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Teil 1 , Teil 2

NormalitÀt ist gestaltet und sobald  ich das verstanden habe, lÀsst sie sich auch verÀndern.

Ich spiele mit Klischees, um diese gleichzeitig zu brechen. Ich öffne RĂ€ume – hin zu einer Utopie, die auch in einer umdefinierten Vergangenheit liegen mag. Ich will der medialen Trance, in der unsere Gesellschaft langsam zu versinken droht, auf einer persönlichen Ebene entgegenwirken. Verhindern werde ich sie kaum; die GegenkrĂ€fte sind (noch) zu stark, aber immer mehr Menschen wachen auf.

Solange mir diese selbst gewĂ€hlte Reise Freude bereitet, gibt es fĂŒr mich keinerlei Grund, aufzuhören.

Selbst Ignoranz, die grĂ¶ĂŸte Feme der gegenwĂ€rtigen Zeit, kann mich nicht zum Verstummen bringen.

Mein Weg begann 2006/07. Dieses Jahr verbrachte ich in The Gambia, Westafrika. Dort fand ich meine Inspiration. Das Unfertige und Prozesshafte, mit dem ich dort konfrontiert war (und was – bedingt durch die Globalisierung- auch in Auflösung begriffen ist), verschaffte mir den Mut, um selbst zu produzieren und zu schaffen, wobei auch diese Aussage – dem bin ich mir bewusst  – nur eine europĂ€isch-gefĂ€rbte subjektive Illusion ist, die ich sicherlich auch „woanders“ hĂ€tte finden können:  wahrscheinlich auch „gleich hinter dem Gartenzaun“ .

Die Barrieren brachen, die mich in Europa zur ewigen Konsumentin verdammten. Das afrikanische Chaos, geboren aus der roten Erde, wirkte befreiend – – bis heute. Und immer noch tanze ich hinfort: weg von all den Begrenzungen, BeschrĂ€nkungen, … ich trete sie mit meinen FĂŒĂŸen, die im Sabar-Rhytmus schwingen – ganz leicht, ganz schwer . Und wĂ€hrend ich noch tanze, komme ich unmerklich in jenen Trance-Zustand, der auch im Schamanismus gesucht wird. Dort wird unterschieden zwischen einer ruhe-induzierten und einer bewegungs-induzierten, also ekstatischen Trance.

Letztere zieht mich in ihren Bann und wenn ich male, dann bin ich – genauso wie im Tanz – in jenem Zustand jenseits der Zeiten, der „alles“ bedeutet und der mich die Determinationen meiner gegenwĂ€rtigen Existenz transformieren lĂ€sst. Der Schamanismus öffnet unser alltĂ€gliches Erleben in metaphysische Bereiche und wirkt zurĂŒck auf unsere alltĂ€gliche Existenz.

Auf einer rationalen Ebene bin ich dabei schamanische Techniken  nicht nur zu studieren, sondern auch umzuinterpretieren und so fĂŒr mich funktionsfĂ€hig zu machen. Auf einer praktischen Ebene gehe ich in den ekstatischen Trancezustand, der mich mit meiner individuellen Mythologie konfrontiert und mich dort hineinzieht: bodenlos. Doch ich bleibe die Schöpferin und gebe niemals das Steuerruder aus der Hand, egal welche Ungeheuer mir auch begegnen mögen. Hanno Rautenberg weist darauf hin, dass ich als KĂŒnstlerin dabei mein Publikum vergessen kann, was nur dann stimmig ist, wenn meine Kunst aus dem Prozess der ökonomischen Verwertbarkeit hinausgetreten ist. Doch weiter schreibt er: „NatĂŒrlich muss kein KĂŒnstler sich auf so ein Spiel des Zeichen gebens und GeschichtenerzĂ€hlens einlassen, er kann auch ganz versinken im Kosmos der eigenen Symbole und selbstgebauten Mythen und sein Publikum vergessen. Allerdings ist es dann meistens nicht Kunst, was er betreibt, sondern Therapie. Er will sich selbst auf die Spur kommen, fĂŒr andere bleiben die Spuren unleserlich.“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?!)

Beim Lesen dieses Zitates empfinde ich meine individuellen Mythologien abgewertet; ich webe doch Magie. Und ich möchte unabhĂ€ngig sein von den Determinationen eines kapitalistischen Marktes, der Klischees besser verkauft als Entgrenzungen. Warum soll Kunst bloße Therapie sein, wenn keine Bezogenheit auf ein Publikum besteht? Und besteht Bezogenheit auf ein Außen nicht immer, weswegen ich mein kĂŒnstlerisches Schaffen ja auch Coaching nenne: Shamanic Art  Coaching.

Freiheit fĂŒr den Gartenzwerg! Schon wieder.

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Ein kĂŒnstlerischer Reibungsversuch. 2. Teil

Kunst die Klischees bedient ist kitschig. Hundertwassers Kunst ist kitschig, was nach meiner Definition nichts anderes meint, als dass es sich um eingĂ€ngige Bilder handelt, die letztendlich nur bekannte Sehgewohnheiten bedienen, anstatt aufzurĂŒtteln.

Letzteres ist mein eigener Anspruch an Kunst, wobei ich jedoch von der gegenwĂ€rtigen Konzeptkunst, die eben dies verwirklichen will,  genervt bin, wird hier nĂ€mlich – zumindest in vielen FĂ€llen- das eigene kĂŒnstlerische Schaffen einer vorher ausschließlich verstandesmĂ€ĂŸig erzeugten Idee untergeordnet.

Was dabei herauskommt wirkt auf irgendeine Art und Weise auf mich „seelenlos“ und Hundertwasser hĂ€tte mir in meiner EinschĂ€tzung sicherlich beigepflichtet, schließlich wandte er sich zeit seines Lebens wiederholt gegen eine „verintellektualisierte“ Kunst.

So lese ich mich also durch seine vielen (!!!) Texte und stelle ĂŒberrascht fest, dass er durchaus einem ernstzunehmenden politisch-ökologischen Anspruch vertrat.

Insofern kann seine Kunst also doch kein Kitsch sein, resĂŒmiere ich.

Woher kam dann aber mein erster Eindruck?

Meine Vermutung ist diese: Vielleicht liegt dieses „Kitsch“-GefĂŒhl in Bezug auf Hundertwasser, das ja nicht nur mich, sondern auch andere befĂ€llt, an einer gewissen Überreizung mit Hundertwasser-Motiven. Jeder Kindergarten fĂŒhrt schließlich unbarmherzig sein Hundertwasser-Mosaik-Projekt durch, wobei ich die gutgemeinte-pĂ€dagogische Legitimation dafĂŒr niemanden absprechen möchte; jedoch solltet Ihr wissen: Irgendwann reicht es!

Mit dem Überangebot an Hundertwasser-Spiralen ist diese Kunst „profan“ und zum Tassen- und Kalender-Aufdruck vorkommen. Wenn ich mich von diesem Vermarktungs-MĂŒll befreien kann, der von Hundertwasser als Marketing-Profi in seiner SpĂ€tphase legitimiert worden ist (der Kapitalismus siegt anscheinend immer!), kann ich seine bunte Kunst  durchaus genießen. Manchmal braucht der Mensch eben auch Kitsch, womit ich hiermit den Gartenzwerg erneut hochleben lasse, um sich heimisch in einer Welt zu fĂŒhlen, die manchmal eben nur „schöngefĂ€rbt“ ertrĂ€glich ist.

Doch ich verhake mich in Ambivalenzen. Immer wenn ich mich mit der Kunst von Hundertwasser konfrontiere, gewinnt ein GefĂŒhl an Dominanz, was ich mit  dem Adjektiv „ĂŒberzuckert“ beschreiben möchte und was einen unangenehmen Zustand meint, der bei Kindern auftritt, die zu viele Bonbons gegessen und danach ĂŒber Magenschmerzen klagen mĂŒssen.

Was zuviel ist, ist zuviel: Bitte baut keine Hundertwasser-Epigonen-HĂ€user mehr. Nutzt doch eure eigene KreativitĂ€t, die durchaus kitschig sein darf. Lockert die Bauvorschriften und ihr werdet ĂŒberrascht sein, wie bunt und vielfĂ€ltig dieses Land sein kann. Kreiert eure eigenen Symbole und besprĂŒht sie mit Glitzerpulver. Malt Gartenzwerge an die WĂ€nde!

Hundertwasser hat  selbst gesagt:  „So lange die Lebenswelt des Menschen und die Harmonie mit der Natur in erster Linie funktional unvollstĂ€ndig und ihrem Charakter nach prekĂ€r sind, dienen auch Romantik, Schönheit und Kitsch als stetige oder als vorlĂ€ufige Ersatzmittel.“ (Hundertwasser: Schöne Wege. Gedanken ĂŒber Kunst und Leben. Schriften 1943 – 1999. MĂŒnchen 2004. S. xx)

So stimme ich Hundertwasser hiermit zu.

Mein „kĂŒnstlerischer Reibungsversuch“  könnte fĂŒr heute versöhnlich schließen, wenn nicht „Die Zeit“ ĂŒber Kitsch in der gegenwĂ€rtigen Kunst folgendes geschrieben hĂ€tte:

  • Selbst ein angesehener Philosoph wie Konrad Paul Liessmann lĂ€sst keinen Zweifel mehr daran, dass die einstige Abscheu in allgemeines Wohlwollen umgeschlagen ist. »Nicht lĂ€nger gilt mehr, dass Kitsch keine avancierte Kunst sein kann. Im Gegenteil: SpĂ€testens seit Jeff Koons wissen wir: der Kitsch selbst ist nun die Avantgarde.“ // Gemeint ist damit, dass KĂŒnstler wie Jeff Koons oder auch der popbunte Comicmaler Takashi Murakami keinen naiven Gartenzwerg-Kitsch machen, auch wenn ihre Werke gelegentlich so aussehen. Nein, sie unterhalten ein hoch reflektiertes VerhĂ€ltnis zu ihren massenkompatiblen GegenstĂ€nden. Und tun, was die Avantgarde immer schon tat: Sie erweitern den allgemeinen Kunstbegriff, sie hinterfragen die ĂŒblichen Geschmacksvorstellungen und im Zweifel auch das Bewusstsein. Anders gesagt: Ihr Kitsch ist eine Form von Kritik. So jedenfalls wird es von zahlreichen Galeristen, Museumskuratoren und auch Theoretikern gesehen. (http://www.zeit.de/2012/43/Koons-Richter-Hundertwasser-Kunst-Kitsch, besucht am 31.05.2013)

Das wiederum geht mir in der Tat zu weit, vermute ich hier einmal, dass die angeblich veranschlagte „Erweiterung des Kunstbegriffes“ eventuell nichts anderes sein kann, als das Hirngespinst eines hektischen Kunstmarktes und dessen eilfertigen Lakaien.

So bin ich hier an das bekannte MĂ€rchen „Des Kaisers neue Kleider“ erinnert , in dem niemand genug Verstand aufweist, den nackten Kaiser als „nackt“ zu bezeichnen, was er in der Tat ist. Nur ein Kind traut sich auszurufen: „Aber er hat ja gar nichts an.“

Insofern plĂ€diere ich dafĂŒr, den Kitsch ehrlich als solchen zu benennen und sich dabei in keinerlei  intellektuellen AusflĂŒchte zu ergehen. Habt einfach Spaß damit. Fertig.

Freiheit fĂŒr den Gartenzwerg! Schon wieder!

Die tanzende Göttin

Den folgenden  Artikel, in dem ich ein fĂŒr mich wesentliches Buch, das u. a. den Zusammenhang zwischen Tanz und SpiritualitĂ€t erarbeitet, vorstelle, schrieb ich im Jahre 2001 fĂŒr die Mitgliederpost des Bundesverbandes fĂŒr Orientalischen Tanz. Da er immer noch aktuell ist, möchte ich ihn euch – in einer leicht modifizierten Form – erneut prĂ€sentieren:

Heute möchte ich euch ein fĂŒr mich wesentliches Buch vorstellen, das u.a. den Zusammenhang zwischen Tanz und SpiritualitĂ€t erarbeitet. Es erschien bereits 1982 im Verlag Frauenoffensive unter dem Titel ‘Die tanzende Göttin’ und wurde immer wieder neu aufgelegt. Die Autorin Heide Göttner-Abendroth entwickelt darin auf der Grundlage einer matriarchalen Mythologie, deren UrsprĂŒnge bis ins Neolithikum zurĂŒckgreifen, einen Kunstbegriff, der mehr sein will als die ‘zum schönen Schein’ verblasste Kunst im patriarchalen Zeitalter.

Kunst meint – nach ihrer (und meiner) Definition – nicht nur Tanz, sondern auch Musik, Gesang, Dichtung, Bewegung, Ornamentik, Verbildlichung, Komödie und Tragödie. Allerdings hat der Tanz in der Kunst eine zentrale Bedeutung. Heide Göttner-Abendroth schreibt: ‘Ein Hauptmerkmal aller matriarchalen Kulte war der Tanz. Die Menschen glaubten einerseits, dass es die Mondgöttin sei, die sie tanzen mache, weil sie so großes VergnĂŒgen daran habe. Andererseits glaubten sie, dass ihr Tanz fĂŒr die Gesundheit der Mondgöttin unbedingt notwendig sei. Denn der Tanz war mehr als augenblicklicher GefĂŒhlsĂŒberschwang, er war auch mehr als ein sehr ausdrucksvolles Gebet: Er war die wichtigste magische Praktik ĂŒberhaupt. Der Tanz ist die Ă€lteste und elementarste Form der religiösen Äußerung, er ist Magie als getanztes Ritual. Aus ihm entwickelte sich jede andere Ausdrucksform, die wir uns heute ,Kunst‘ zu nennen angewöhnt haben.’ (S.45)

Einst wurden zu den wichtigen, astronomischen Daten Feste gefeiert. Diese matriarchalen Mysterienfeste sind die Urform der großen Volksfeste.

Heide Göttner-Abendroth hat diese Feste unter dem Namen ‘matriarchale Mysterienfeste’ wiederbelebt. Sie heißen:Lichtmess (2. Februar), Ostara (20.-23. MĂ€rz), Walpurgis (30. April), Litha/Sommersonnenwende (20.-23. Juni), Lugnasad/Loki (1. August), Mabon/Freyr (20.-23.September), Halloween (31. Oktober) und Jule (20.-22. Dezember). Sie dienen ‘dem Zweck, die Göttin anzurufen, zu beschwören und zu preisen’ (S.65) und sind mittlerweile (2011) nicht nur in neuheidnischen Kreisen bekannt, sondern erfreuen sich – auch bedingt durch populĂ€re Filme und Literatur – zunehmender Beliebtheit.

Im rituellen Tanzfest wird die strikte Trennung zwischen den Kunstgattungen aufgehoben. Auch gibt es keine strikte Trennung zwischen Zuschauerinnen und KĂŒnstlerinnen. Vielmehr ist Kunst Magie, denn es wird versucht ‘auf magische Weise die psychische und soziale menschliche RealitĂ€t zu verĂ€ndern.’ (S.63)

Heide Göttner Abendroth hat eine Reihe von BĂŒchern zum Thema geschrieben, zum Beispiel:

Die Göttin und ihr Heros, Verlag Frauenoffensive, MĂŒnchen 1997

FĂŒr die Musen. Neun kulturkritische Essays I. Zweitausendeins, Frankfurt 1996

FĂŒr Brigida, Göttin der Inspiration. Neun kulturkritische Essays II. Zweitausendeins, Frankfurt 1998

und natĂŒrlich:

Die tanzende Göttin, Verlag Frauenoffensive, MĂŒnchen 1991

Sie hat die Akademie HAGIA e.V. gegrĂŒndet, die nicht nur Seminare und Reisen, sondern auch „matriarchale Mysterienspiele“ anbietet. Letzteres hat sie rechtlich schĂŒtzen lassen. Inwieweit sich ihre Mysterienspiele von den Jahreskreisfesten, wie sie beispielsweise in der ‘Hexen’literatur beschrieben werden, unterscheiden, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich ihre Akademie noch nicht besucht habe.

Mich hat jedenfalls das Wiederaufleben alter matriarchaler Feste stark angesprochen. Und da ich selbst den Bauchtanz als den matriarchalen Tanz ĂŒberhaupt empfinde, fasziniert mich die Idee, ihn ‘rĂŒckzuversetzen’ in den Zusammenhang eines rituellen Tanzfestes, um so, quasi in einem magischen Prozess, eine utopische Zukunft zu gestalten.

Damals, 2001, als ich den Artikel geschrieben habe, schloss ich ihn mit den Worten:

Ich ahne, dass vielleicht der Tribal Style, wenn er nicht alleine zum Zweck der AuffĂŒhrung getanzt wird, gerade durch seine Gemeinschaftlichkeit eine solche spirituelle Dimension eröffnen könnte.

Wie sich mittlerweile fĂŒr mich zeigt, hat sich diese Hoffnung nicht erfĂŒllt. Der Tanz erstickt im „schönen Schein“ von sexistisch aufgeladenen Zurschaustellungen, die die gleichen Wettbewerbskriterien erfĂŒllen wollen, wie sie auch in der Mainstream-Kultur postuliert werden.

Die Szene versucht sich zu „professionalisieren“ und erkennt dabei nicht, dass sie dabei hierarchisch-patriarchale Konstrukte unreflektiert ĂŒbernimmt und sich mit der Aufstellung von Nomenklaturen, Ausbildungsrichtlinien etc. die eigene tĂ€nzerische Lebendigkeit zementiert.

So suche ich selbst mittlerweile die spirituelle Dimension des Tanzes nicht mehr bei „orientalischen“ Tanzveranstaltungen, sondern ziehe es vor, Tanz in naturreligiöse Rituale einzubinden, also quasi, um mit einer Redewendung zu sprechen, „das Pferd von der anderen Seite her aufzuzĂ€umen“, und bin recht zufrieden damit.